Selbstständig machen mit einem Schuhgeschäft

Schuhregal

Ob aus der Arbeitslosigkeit oder einem wenig zufriedenstellenden Angestelltenverhältnis heraus: Die Option der beruflichen Selbstständigkeit ist für viele eine Chance, endlich mehr Selbstbestimmtheit bzw. Entscheidungsfreiheit genießen zu können. Wer selber eine Leidenschaft für Schuhe hat oder aber fundierte Kenntnisse in dieser Branche gesammelt hat, kann sich mit einem Schuhgeschäft erfolgreich selbstständig machen. Schließlich besitzt jeder Mensch mehrere Paar Schuhe und gerade bei Frauen soll die Kauflaune ja besonders stark ausgeprägt sein.

So wird ein erfolgreicher Schuh draus! Was Existenzgründer hier nachlesen können

Der Schuheinzelhandel setzt jedes Jahr zig Milliarden um und je nach Saison ist immer wieder mit einer starken Nachfrage nach aktuellen Modellen zu rechnen. Für einen ‚guten Lauf‘ bzw. einen ‚nicht drückenden Schuh‘ empfiehlt es sich, aus der Idee ‚selbstständig machen mit einem Schuhgeschäft‘ einen handfesten und belastbaren (Business)plan zu machen! Darin sind alle Geschäftsbereiche und insbesondere die erfolgskritischen Finanzen ganzheitlich zu planen. Ganz in diesem Sinne möchte dieser Fachbeitrag alle relevanten Themen kompakt erörtern, die im Zusammenhang mit der Eröffnung eines Schuhgeschäfts von unternehmerischer Bedeutung für angehende Existenzgründer sind:
 

Ausgangslage ehrlich einschätzen: der Wettbewerb im Einzelhandel

  • Standortbestimmung inklusive –analyse
  • Zielgruppe und dementsprechende Sortimentsausrichtung
  • formale Erfordernisse im Vorfeld der Geschäftseröffnung
  • Hinweise zu möglichen strategischen Grundsatzentscheidungen
     

Eine Nummer zu groß? Der Einzelhandel ist von einem intensiven Wettbewerb geprägt

Generell lässt sich als zentrale Umfeldvariable festhalten, dass der Einzelhandel ist Deutschland von einem intensiven Wettbewerb geprägt ist. Hinzu kommt, dass die virtuelle Konkurrenz durch den Onlinehandel groß bzw. immer verfügbar ist. Und dies oft zu Preisen, mit denen der stationäre Handel nicht mithalten kann, da Fachpersonal für die Kundenberatung logischerweise mit in die Preise einkalkuliert werden muss. Insofern gilt es, schon mit der Planung des Schuhgeschäfts die Weichen auf dauerhaften Erfolg zu stellen.
 

Wer soll sich diese Schuhe denn anziehen?

Es gilt, dass Umfeld und die Konkurrenzsituation genau zu analysieren und dementsprechend das eigene Angebot strategisch möglichst wirksam zu platzieren. Idealerweise geschieht dies mit einem Alleinstellungsmerkmal, das aus Kundensicht besonders attraktiv ist (= unique selling proposition). Dieses Alleinstellungsmerkmal sollte gerade auch im Businessplan deutlich werden, der im Vorfeld der eigentlichen Geschäftseröffnung sorgfältig auszuarbeiten ist. Die folgenden Absätze liefern einige Inhalte/Schwerpunkte, auf die ein überzeugender Businessplan Antworten geben können muss, wenn externe Geldgeber gewonnen werden sollen.
 

Grundvoraussetzung für den Erfolg im Einzelhandel?

Wer sich mit einem Schuhgeschäft erfolgreich selbstständig machen möchte, sollte ein guter Verkäufer sein und auch etwaiges Personal in die richtige Richtung lenken. Zu den genannten Alleinstellungsmerkmalen bzw. Mehrwerten aus Kundensicht gehören ein hohes Maß an Freundlichkeit und Serviceorientierung, womit immer auch eine gewisse Flexibilität vorausgesetzt wird. Ziel sollte es sein, aus Kunden Stammkunden zu machen und so das eigene Geschäft langfristig auf eine nachhaltige Basis zu stellen. Ein guter Verkäufer zu sein (dies bezieht sich übrigens auch auf die verkaufsfördernde Präsentation der Ware) reicht alleine nicht aus: Es gehören auch fundierte kaufmännische bzw. betriebswirtschaftliche Kenntnisse dazu, um den eigenen Geschäftsbetrieb von Anfang an gewinnorientiert führen zu können. Sehr wichtig ist eine fundierte Planung der Finanzen, wozu auch eine ständige Kontrolle der Kosten gehört. Für die angestrebten Gewinne spielen die Preisstrategie bzw. die möglichen Gewinnmargen eine wesentliche Rolle.
 

Inhalte des Businessplans: Zielgruppe, Angebotsspektrum und Vertriebskanäle

Letztlich muss schon vor dem eigentlichen Verkaufsstart klar sein, woher und zu welchen Konditionen die Schuhe kommen sollen. Damit keine Ladenhüter eingekauft werden, ist ein gutes Gespür für Trends unerlässlich. Und letztlich muss der Inhaber eines Schuhgeschäfts seine Zielgruppe genau kennen, um dementsprechend qualitativ und designtechnisch passende Waren auswählen zu können. Aus der Zielgruppe und dem darauf ausgerichteten Angebotsspektrum können sich auch schon besagte Alleinstellungsmerkmale bzw. Mehrwerte aus Kundensicht ergeben. So wäre es denkbar, sich auf Designerschuhe eines bestimmten Labels oder aus einem bestimmten Land zu konzentrieren.

Auch könnte es Sinn machen, sich nur auf Sportschuhe oder Übergrößen bzw. besonders kleine Größen (ggf. nur Kinderschuhe) zu konzentrieren. Für den Einzelhandelsbereich ist der Verkauf in einem Ladengeschäft nach wie vor die gängigste Möglichkeit, da so auch eine persönliche und vor allem professionelle Fachberatung sichergestellt werden kann (= wichtiger Mehrwert für viele Kunden). Hiermit sind allerdings hohe monatliche Fixkosten und Anfangsinvestitionen verbunden, falls die Räumlichkeiten vor der Einrichtung erst umgebaut werden müssen. Daher kann es auch eine grundsätzliche strategische Alternative sein, ‚nur‘ einen Onlineshop zu eröffnen oder aber eine kombinierte Lösung zu wählen, sodass die Schuhe aus dem Geschäft deutschlandweit eingekauft werden können.
 

Damit es ‚läuft‘: Standortbestimmung mit einer aussagekräftigen Analyse

Sofern sich Gründer für ein Ladenlokal entscheiden, sollte dieses eine gute Lage aufweisen. Eine gute Lage ist gegeben, wenn das Geschäft automatisch viel Laufkundschaft anzieht. Optimal ist ein Geschäft in einer belebten Einkaufsstraße in der Innenstadt. In einer Seitenstraße in zweiter oder dritter Reihe kann es schwierig werden, jeden Tag genug Kunden anzulocken. Insofern kann ein guter Standort durchaus höhere monatliche Fixkosten rechtfertigen. Bei der Standortanalyse sollte die Konkurrenzsituation natürlich berücksichtigt werden: Sind ähnliche Schuhgeschäfte in direkter Umgebung vorhanden? Oder stößt das eigene Produktsortiment in eine Lücke, die vor Ort auf eine unbefriedigte Nachfrage trifft? Bei einem reinen Onlineshop sind diese Fragestellungen eher zweitrangiger Natur. Hier geht es eher darum, den eigenen Shop mit Maßnahmen der Suchmaschinenoptimierung möglichst weit oben zu platzieren. Attraktive Schuhe zu guten Preisen sind dann die wichtigsten Voraussetzungen, um mit der großen Konkurrenz im Onlinebereich mithalten zu können.
 

Finanzierung jenseits des Eigenkapitals und notwendige Investitionen in der Startphase

Die anfänglichen Investitionskosten können je nach Umfang des Geschäfts sehr hoch sein. Experten empfehlen eine Eigenkapitaldecke von mindestens 15 %. Der Rest muss über Zuschüsse, Darlehen oder Kredite gedeckt werden. Und an solche Finanzierungsmöglichkeiten kommen Gründer in der Regel nur, wenn ihr ausgearbeiteter Businessplan die Chancen des Geschäftsmodells auf den Punkt bringt. Zu bedenken ist, dass abgesehen von Umbaukosten auch erhebliche Summe für das Inventar aufgebracht werden müssen. Auch die Regale bzw. das Lager müssen gefüllt werden, wobei zu hohe Bestände zu vermeiden sind, da sie viel Kapital binden.

Praxistipp mit Blick auf nachhaltig solide Finanzen: Zudem empfiehlt es sich, direkt zu Beginn finanzielle Rücklagen anzulegen, um die Kosten für die Miete und etwaiges Personal decken zu können. Die anfängliche Geschäftsentwicklung kann nicht genau vorausgesagt werden. Viele Geschäfte werfen erst nach einigen Wochen gute Gewinne ab, sodass finanziell heikle Phasen durch vorhandene Puffer überstanden werden müssen.

Externe Geldgeber werden beim Blick in den Businessplan gerade auf den Bereich der Finanzplanung ein sehr kritisches Auge werfen. Insofern steht und fällt der Geschäftserfolg in jeder Hinsicht mit einem professionellen Businessplan, der auf belastbaren/realistischen Zahlen beruht.
 

Alle Fördermöglichkeiten sollten konsequent ausgeschöpft werden

Die Darstellungen zu möglichen Kosten in der Anfangszeit und für den laufenden Geschäftsbetrieb (Miete, Personal, Einkauf etc.) legen nahe, dass sich Gründer rechtzeitig mit allen Fördermöglichkeiten bzw. –programmen auseinandersetzen sollten. Hier auf selbststaendig.de finden sich viele praxisorientierte Tipps und Hinweise diesbezüglich. Auch aus der Arbeitslosigkeit heraus ist die Existenzgründung mit einem Schuhgeschäft nicht unmöglich. Insofern lohnt es sich, sich mit dem Gründungszuschuss der Bundesagentur für Arbeit zu befassen, um wenigstens die grundlegendsten Lebenshaltungskosten in der Startphase zu sichern.
 

Zu erledigende Formalitäten vor der Eröffnung eines Schuhgeschäfts

Wer sich mit einem Schuhgeschäft selbstständig machen möchte, wird dies im Bereich des Einzelhandels tun. Insofern ist vor der Aufnahme der Geschäftstätigkeit ein Gewerbe anzumelden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um ein Ladenlokal oder einen Onlineshop handelt. Die Anmeldung erfolgt unter Schilderung des Leistungsspektrums beim zuständigen Gewerbeamt. Mit dem Erhalt des Gewerbescheines beginnt auch die Pflicht zur Abführung von Gewerbesteuer jenseits des jährlichen Freibetrages. Hier kommt wieder der bereits angesprochene Standort ins Spiel, denn jede Stadt/Kommune hat ihren eigenen Hebesatz, der maßgeblich über die Höhe der Gewerbesteuer entscheidet. Was die Formalitäten in Bezug auf die Eröffnung eines Schuhgeschäfts betrifft, so ist an die Einhaltung der gesetzlichen Öffnungszeiten im jeweiligen Bundesland zu denken. Auch in Bezug auf die Bereitstellung von Parkplätzen und sanitären Einrichtungen (je nach Größe des Ladenlokals) sind die spezifischen Vorgaben zu beachten (hier kommt ggf. die Gewerbeaufsicht ins Spiel). Um sich vor finanziellen Risiken zu schützen, sollte eine Betriebshaftpflichtversicherung auf jeden Fall abgeschlossen werden.

Praxistipp zur Reduzierung finanzieller Risiken: Je nach Preissegment bzw. Menge der Schuhe kann über eine separate Inventarversicherung nachgedacht werden, die auch Schäden durch Einbruch, Feuer oder Wasser abdeckt. Existenzgründer sollte eine unabhängige Fachberatung nutzen.
 

Praxisorientierte Zusammenfassung: selbstständig machen mit einem Schuhgeschäft

  1. Standortanalyse, Zielgruppenbestimmung und eine dementsprechende Sortimentsausrichtung sind erfolgskritische Hausaufgaben, die im Businessplan erledigt werden sollten
  2. Der Schuheinzelhandel ist von einer starken Konkurrenz gekennzeichnet. Daher muss das eigene Angebot strategisch wirkungsvoll platziert werden: Wo liegen Alleinstellungsmerkmale und konkrete Mehrwerte aus Kundensicht?
  3. strategische Grundsatzentscheidung: Ladenlokal vs. Onlineshop (oder kombinierte Lösung)?
  4. eine nachhaltige Finanzierungsstrategie sollte alle verfügbaren Förderprogramme und Zuschüsse konsequent nutzen
  5. Vor der eigentlichen Geschäftseröffnung muss ein Gewerbe angemeldet werden, da die Tätigkeit dauerhaft mit dem Ziel der Gewinnerreichung ausgeübt wird. Die spezifischen Rechtsvorschriften des Einzelhandels in Bezug auf Öffnungszeiten etc. sind strikt zu beachten
  6. Finanzielle Risiken durch eine gewissenhafte Planung im Businessplan und sinnvolle Versicherungspolicen minimieren (Betriebshaftpflichtversicherung und Inventarversicherung).

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