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Selbstständig machen als Schuster

Schuster bei der Arbeit

Existenzgründung als Schuster: „Schuster, bleib bei deinen Leisten“ besagt ein altbekanntes Sprichwort. Wer mit dem Gedanken spielt, sich als Schuster bzw. Schuhmacher selbstständig zu machen, sollte dieses Sprichwort durchaus ernsthaft in Betracht ziehen und die notwendigen Zugangsvoraussetzungen prüfen, um beruflich erfolgreich agieren zu können. Dies soll im folgenden Beitrag praxisorientiert geschehen, wobei am Ende ein kompaktes Fazit in Form einer übersichtlichen Liste angeboten wird.
 

Ein traditionelles Handwerk im Wandel: ein Blick auf die Ausgangslage

Ja, diesen Schuh müssen sich angehende Selbstständige anziehen, denn ein Blick auf die Entwicklungen in diesem traditionellen Handwerk zeigt, welche Chancen und auch Gefahren mit Blick auf das Vorhaben der beruflichen Selbstständigkeit als Schuster offenbar werden. Niemandem dürfte entgangen sein, dass Schuhe zu einer recht günstigen Massenware geworden sind, die online und in Fachgeschäften allerorts erworben werden können. Das eigentliche Hauptaufgabenfeld der individuellen Schuhherstellung werden Schuster heute nicht mehr schwerpunktmäßig abdecken können, da die Bereitschaft, viel für hochwertige Schuhe zu zahlen, tendenziell gering ist. Allerdings ist es durchaus möglich, eine profitable Marktlücke zu bedienen, falls sich der angehende selbstständige Schuster mit einem Alleinstellungsmerkmal strategisch wirksam platzieren kann (z.B. maßgeschneiderte Schuhe mit diversen Lederarten). Neben diesem möglichen Aufgabenbereich kommt heute auch der Reparatur von Schuhen ein eher geringer Stellenwert zu, da es rein ökonomisch für Kunden keinen Sinn macht, einen Schuh mit einem Preis von 19,99 Euro reparieren zu lassen.
 

Schuhe sind zu einem billigen Massenprodukt geworden, aber…

Es zeigt sich also, dass die Massenproduktion den Aufgabenbereich des Schusters auf eine kleine Kundennische zusammengestaucht hat. Je nach Standort und günstiger Konkurrenzsituation ist es aber durchaus möglich, erfolgreich als Schuster selbstständig zu arbeiten. Nicht vergessen werden sollte direkt zu Beginn der Überlegungen, dass das Internet Bedrohung und Chance zugleich für diesen traditionellen Handwerksberuf ist: Mit einem Onlineshop können eigene Schuhkreationen in ganz Deutschland oder in aller Welt verkauft werden. Auch ein deutschlandweiter Reparaturservice ist auf dem Versandweg problemlos möglich. Auch wenn es früher wesentlich mehr Schuster gab, so ist dieser Handwerksberuf keineswegs ausgestorben. Eine Chance für ein eigenes Geschäft besteht vor allem darin, dass viele Menschen bereit sind, für echte und hochwertige Handarbeit tiefer in die Tasche zu greifen. Auch im orthopädischen Bereich ergeben sich mit einer entsprechenden Berufsqualifikation Wachstumschancen. Das Erfolgsrezept lautet demnach: Schuster, finde deine Nische auf dem Markt und sorge mit realer (Fachgeschäft) und virtueller Präsenz (Homepage und Onlineshop) für einen wachsenden Kundenstamm und eine profitable Ertragsbasis! Nach wie vor ist das Handwerk in Deutschland sehr stark in der mittelständisch geprägten Wirtschaft verankert, dementsprechend genießt es hierzulande sowie weltweit ein gutes Image, das es marketingtechnisch klug zu nutzen gilt. Argumentative Gründe für maßgefertigte Schuhe vom Schuster gibt es genug, denn in den seltensten Fällen passen Schuhe von der Stange perfekt. Der steigende Gesundheitstrend in unserer Gesellschaft verkörpert eine weitere Chance für die berufliche Zukunft.
 

Schritte in eine erfolgreiche Selbstständigkeit als Schuster

Wer sich in Deutschland im handwerklichen Bereich selbstständig machen möchte, muss die Meisterpflicht beachten, die für viele Berufe gilt. Mit Blick auf den Schuster (Schuhmacher) ist sie allerdings gekippt worden, sodass die Zulassungsvoraussetzungen recht gering sind. Eine staatlich anerkannte Fachausbildung sollte aber auf jeden Fall den Grundstein legen, auch berufliche Erfahrungen erscheinen für eine hohe Qualität von Nöten. Nicht außer Acht gelassen werden sollte, dass ein Meisterbrief immer noch eine starke Überzeugungskraft auf Kunden ausüben kann. Auch wenn kein formaler Zwang dazu besteht, so ergeben sich mit dieser Zusatzqualifikation sicher bessere Chancen. Informationen erhalten Existenzgründer auch bei der örtlichen Handwerkskammer, die neben Seminaren auch bei behördlichen Gängen behilflich ist. Selbstständige Schuster werden ‚automatisch‘ und kostenpflichtig Mitglied der Handwerkskammer. Neben der Interessensvertretung kümmert sich die Handwerkskammer aktiv um die Belange ihrer Mitglieder, sodass gerade in der Startphase alle möglichen Hilfestellungen konsequent genutzt werden sollten. In diesem Sinne sollte ferner geprüft werden, ob spezielle Förderungen in Anspruch genommen werden können. Wer ein Ladenlokal eröffnet, muss mit notwendigen Investitionen buchstäblich rechnen.
 

Ein wichtiger Schritt für passende Schuhe: den Markt ganzheitlich analysieren

Die einleitenden Betrachtungen dürften verdeutlicht haben, dass das Berufsbild des Schusters heutzutage keinen Massenmarkt mehr bedienen kann. Rein technisch ist es auch gar nicht möglich, täglich hunderte von Schuhen per Hand zu reparieren bzw. professionell zu fertigen. Natürlich rechtfertigt die Handarbeit höhere Preise und somit eine attraktive Einkommenssituation, die tendenziell sehr viel besser ist als in einem Angestelltenverhältnis. Wichtig zu beachten ist, dass ein Schuster eher regional stark eingebunden ist. Wie groß ist also der konkrete Bedarf vor Ort? Gibt es Konkurrenz? Wo ließe sich ein Ladenlokal mit viel Laufkundschaft eröffnen? Ins Kalkül sollte auch gezogen werden, dass mittels Internet und boomendem Onlinehandel auch eine größere Kundschaft gezielt anvisiert werden kann. Ein Blick ins Branchenbuch oder in Telefonbücher reicht meistens aus, um sich einen ersten Eindruck zu verschaffen.
 

Ein überaus wichtiger Schritt: Businessplan ausarbeiten

Ist die Entscheidung für die Selbstständigkeit gefallen und sind alle wesentlichen Aspekte der Ausgangslage beleuchtet, so muss in einem professionellen Businessplan die Geschäftsidee strategisch komprimiert zu Papier gebracht werden. Existenzgründer werden so formal gezwungen, alle wichtigen Weichenstellungen ganzheitlich zu bedenken. Neben dem Angebots- und Produktspektrum, den Preisen und der Umfeldanalyse inklusive Standortwahl kommt der Finanzierung eine Schlüsselrolle zu. Hier drückt erfahrungsgemäß der Schuh in den ersten zwei Jahren am stärksten, zumal Investitionen in das Ladenlokal und die Werkstatt ein großes Loch reißen können. Ein guter Businessplan erlaubt es aber, Banken von der Geschäftsidee zu überzeugen und sich so frische Liquidität zu holen. Zu bedenken ist auch die Wahl der Rechtsform, da sich hieraus Haftungsverhältnisse ergeben. Ein wichtiger formaler Schritt für die Aufnahme der Geschäftstätigkeit sind die Gewerbeanmeldung sowie die steuerliche Anmeldung beim Finanzamt zwecks Umsatzsteuer.
 

Nach der gewissenhaften Planung geht es an die nachhaltige Umsetzung

Neben der realen Präsenz vor Ort sollte das Internet für Marketing- und Verkaufszwecke von Beginn an konsequent eingebunden werden, alleine schon, um suchende Kunden auf sich aufmerksam zu machen und professionelle Handwerksleistungen auch über den regionalen Standort hinaus anbieten zu können. Eine professionelle Homepage kann als ‚virtueller Schuhanzieher‘ dienen und Kunden vom Können des Handwerksprofis überzeugen. Nicht zu vergessen ist, dass neben der handwerklichen Arbeit im Rahmen der Selbstständigkeit auch das Thema Buchhaltung idealerweise täglich auf dem Arbeitsplan stehen sollte. Neben dem Schreiben von Rechnungen und der Kontrolle von Zahlungseingängen sollten alle Einnahmen so dokumentiert werden, dass ein zwangsläufig erforderlicher Jahresabschluss schnell und korrekt abgewickelt werden kann. Auch sorgt ein häufiger Blick in die Zahlen dafür, dass mögliche Fehlentwicklungen und Liquiditätsengpässe frühzeitig entdeckt werden können, um gegenzusteuern. Aus der formalen Pflicht kann so im Sinne eines strategischen Controllings eine sinnvolle Tugend gemacht werden. Existenzgründer, die wenig buchhalterische Vorkenntnisse haben, sollten sich gezielt fortbilden oder fachliche Hilfe zu Rate ziehen. Es mag schwer fallen, aber ein guter Handwerker muss auch ein guter Kaufmann sein: Preise sollten sich neben dem Marktüblichen am Faktor Arbeitszeit und am Materialeinsatz orientieren und letztlich eine lohnenswerte Gewinnmarge erlauben.
 

Fazit und Perspektiven zum Thema ‚selbstständig machen als Schuster‘

Wer arbeitslos ist oder mit seinem Gehalt nach der Ausbildung zum Schuster unzufrieden ist, findet mit der Selbstständigkeit eine grundsätzlich attraktive Handlungsoption vor. Gezielte Anpassungs- oder so genannte Aufstiegsweiterbildungen können neue berufliche Perspektiven eröffnen (man denke an Methoden zur Lederverarbeitung, Orthopädietechnik, Arbeitssicherheit o.ä.). Generell kann auch ein Studium mit entsprechendem Schwerpunkt im Bereich Textil- und Bekleidungstechnik den Einstieg in die berufliche Selbstständigkeit in diesem Bereich ermöglichen. Die Überlegungen haben gezeigt, dass dieser traditionelle Handwerksberuf auch in Zeiten von globaler Massenproduktion durchaus Zukunft haben kann, sofern Existenzgründer mit handwerklichem Knowhow, Kreativität, betriebswirtschaftlichem Geschick und gutem Service eine zu findende Marktlücke bedienen. Dabei ist der Wunsch nach Individualität in der Gesellschaft sicher eine große Hilfe, denn handgefertigte Einzelstücke erfreuen sich großer Beliebtheit. Insofern erscheint der Kauf eines handgemachten Schuhs in jeder Hinsicht tragbar. Erfolg wird aber langfristig nur durch gleichbleibend hohe Qualität möglich sein, zumal sich so durch Fuß-zu-Fuß Propaganda das Marketing durch einen wachsenden Kundenstamm nahezu verselbstständigt. Wer sein Geschäft auf eine breitere Einnahmebasis stellen möchte, kann neben Ladenlokal und Onlinehandel ggf. auch bestimmte höherpreisige Markenschuhe verkaufen, woraus sich Folgeaufträge mit Blick auf Reparaturen ergeben können. Der Meistertitel als Zulassungsvoraussetzung ist jedenfalls nicht mehr nötig, wenngleich er auf Kunden im handwerksbewussten Deutschland eine nicht zu verachtende Wirkung hat.
 

Zusammenfassung und Checkliste: erfolgreich selbstständig machen als Schuster (Schuhmacher)

  • Ausgangslage sorgfältig prüfen (das berufliche Umfeld hat sich durch die Massenproduktion nachhaltig verändert)
  • Gewerbe anmelden und obligatorische Mitgliedschaft in der Handwerkskammer für die Phase der Existenzgründung nutzen
  • Zulassungsvoraussetzung: es besteht keine Meisterpflicht mehr für einen selbstständigen Geschäftsbetrieb
  • Businessplan ausarbeiten und alle wesentlichen Geschäftsfaktoren beleuchten (=> wichtig auch für benötigte Kredite)
  • Ladenlokal mit günstiger Lage (Laufkundschaft!) wählen
  • das Internet von Beginn an konsequent einbinden, um die Bekanntheit und die Absatzmöglichkeiten zu erhöhen (die Schuhfertigung und Reparatur vor Ort kann u.U. nicht mehr ausreichend sein)
  • der passsende Schuh zum Erfolg: die richtige bzw. zahlungswillige Kundschaft muss gefunden und überzeugt werden
  • Grundsatzausrichtung: ein professionelles Handwerk kann und darf preislich nicht mit Massenprodukten konkurrieren. Der Preis steht für Qualität und er muss ansprechende Margen erlauben

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