Selbstständig machen als Weber

Weberei Maschine

Hier können sich ambitionierte Existenzgründer mit dem Stoff für eine handwerkliche Geschäftsidee befassen: selbstständig machen als Weber. Wer eine entsprechende handwerkliche Ausbildung oder Begabung samt Kreativität mitbringt und dazu Kenntnisse in Bezug auf den Markt und die wirtschaftliche Betriebsführung mitbringt, wird mit einem durchdachten Businessplan den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit angehen können. Doch lohnt sich eine Existenzgründung als Weber überhaupt noch, zumal es sich um einen sehr alten Handwerksberufs handelt? Wenn ja: Welche Themen und Herausforderungen müssen aus der Agenda bzw. im Businessplan strategisch gelöst werden? Der folgende Beitrag wird diese Fragen und weitere relevante Rahmenbedingungen praxisorientiert beleuchten.
 

Bevor es losgeht: Update zu den beruflichen Rahmenbedingungen

Wer die Existenzgründung im Handwerk langfristig planen will, wird mit einer fundierten Berufsausbildung die fachmännischen Grundlagen legen wollen (wenngleich diese Geschäftsidee kreativ-begabten Quereinsteigern grundsätzlich offensteht). Seit August 2011 gibt es den Ausbildungsberuf Weber offiziell nicht mehr. An diese Stelle ist mit dem Textilgestalter ein modernes Berufsbild getreten, wobei die Fachkenntnisse der Weberei nun eine von vielen Vertiefungsmöglichkeiten ist. Insofern könnte die moderne Ausrichtung für diese handwerkliche Geschäftsidee auch ‚selbstständig machen als Textilgestalter ‘ lauten.

Grundlegend hat sich bei der Tätigkeit eines Webers nicht viel verändert, wobei Webstühle natürlich mittlerweile moderner und effizienter geworden sind. Es geht darum, aus Garnen Stoffe herzustellen. Das wird der handwerkliche Kern der selbstständigen Tätigkeit als Weber bzw. Textilgestalter mit diesem Schwerpunkt sein. Generell steht das Handwerk der Weber für den rasanten Wandel und auch Niedergang im Bereich der Textil- und Bekleidungsindustrie. Aktuell sind in dieser Branche vor allem Produktionsabwanderungen in Länder mit deutlich geringeren Kosten ein Thema. Fast kein Unternehmen lässt seine Erzeugnisse mehr in Deutschland fertigen. Selbstständige Weber/Textilgestalter werden sich also in einem sehr harten Verdrängungsmarkt befinden, in dem sie eine eher hochpreisige Nische besetzen müssen. Massenproduktion kann nicht die Devise für diese Geschäftsidee sein, als Ein-Mann-Betrieb schon gar nicht!
 

Existenzgründung als Weber : selbstständig machen mit dem richtigen Stoff

  • Analyse der Rahmenbedingungen

  • Strategische Positionierung der Geschäftsidee

  • Merkmale einer Unternehmerpersönlichkeit

  • Kunden/Aufträge gewinnen nach der Existenzgründung als Weber

  • Voraussetzungen, um sich selbstständig als Weber zu machen

  • Verdienst als selbstständiger Weber?
     

Analyse der Ausgangslage

Wer einen Blick auf den relevanten Textilmarkt in Deutschland wirft, erkennt schnell, dass es sich um einen Massenmarkt handelt. Das handwerkliche Können eines Webers wird mit niedrigpreisigen Erzeugnissen mit Sicherheit nicht mithalten können und wollen. Jedes Jahr erwirtschaftet dieser Wirtschaftssektor Umsätze in zweistelliger Milliardenhöhe. Jeder Deutsche hat durchschnittlich 60 Kleidungsstücke im Schrank, wobei sich in den letzten Jahren immer mehr das Phänomen der Kurzlebigkeit abzeichnet. Viele Textilien werden nur kurze Zeit oder nach dem Kauf gar nicht getragen. Was die Zielgruppe und die mögliche Kaufkraft angeht, die natürlich für den anvisierten Standort zu konkretisieren sind, ist folgende statistische Zahl interessant: Durchschnittlich gesehen geben die Deutschen pro Monat rund 100 Euro für Kleidung aus. In diesen Markt müssten dann auch selbstständige Weber vordringen. Mit ihren Erzeugnissen müssten sie sich aber eher an Kunden wenden, die Kleidung aus Stoffen selbst nähen bzw. nähen lassen wollen. Wer als Weber auch Musteranfertigungen anbieten will, muss ein Leistungsspektrum entsprechend ausweiten.
 

Die Auswirkungen der Globalisierung auf das Traditionshandwerk

Generell gestalten sich die Rahmenbedingungen für dieses traditionelle Handwerk als zusehends schwieriger, da die Globalisierung für einen enormen Wettbewerbsdruck sorgt. Der technische Fortschritt hat in den letzten Jahrzehnten dafür gesorgt, dass diese Tätigkeit immer mehr an Bedeutung verloren hat. Sie richtet sich eher an eine kleine Nische, die aber mit einer durchdachten Planung nichtsdestotrotz erfolgreich besetzt werden kann. Die Tatsache, dass es den Ausbildungsberuf Weber nicht mehr gibt, ist in dieser Hinsicht vielsagend. Mit dem breit gefächerten Leistungsspektrums eines Textilgestalters bietet sich aber eine moderne Auslegung für dieses Handwerk, um eine Berechtigung am Markt auch in Zeiten von industrieller Massenfertigung zu untermauern. In den letzten 15 Jahren hat sich im Textilbereich ein Strukturwandel vollzogen. So sind seit 2004 gut 33 % der Betriebe vom Markt verschwunden. Existenzgründer sollten angesichts dieser Entwicklungen gewarnt sein und die Geschäftsidee von Beginn an ehrlich und objektiv mit Blick auf ihre Tragfähigkeit prüfen.
 

Strategische Ableitungen für den Businessplan

Als chancenreiches Wachstumssegment hat sich in den letzten Jahren die Herstellung von so genannten technischen Textilien herausgestellt. Es geht also um funktionale Stoffe, die z.B. beim Arbeitsschutz eine wichtige Rolle einnehmen. Insofern kann es strategisch sinnvoll sein, sich als selbstständiger Weber auf diese Nachfrage hin zu spezialisieren und das kreativ-dekorative Element von Stoffen in den Hintergrund zu rücken. Letztlich bestimmt die Zielgruppe darüber, welche Leistung bzw. Kernkompetenz die Marketingaktivitäten in den Fokus rücken sollten. Da selbstständige Weber/Textilgestalter immer noch sehr viel per Hand arbeiten, können sie von Natur aus keine Massenproduktion bieten. Dies würde der Natur einer handwerklichen Tätigkeit zuwiderlaufen und darüber hinaus auch keine qualitative Basis eröffnen, um hohe Preise und so letztlich große Gewinnmargen gegenüber Kunden zu rechtfertigen. Natürlich müssen Weber mit den Entwicklungen und Anforderungen der Zeit gehen. So wird es unabdingbar sein, neben altbewährten Stoffen wie Baumwolle oder Seide auch auf synthetische Materialien zurückzugreifen, zumal diese mit Blick auf die genannte Funktionskleidung eine mitunter entscheidende Rolle spielen.
 

Worauf es besonders ankommt…

Im Businessplan muss demnach klar werden, wie der selbstständige Weber sein Fachwissen und seine Leistungen auf dem Markt platzieren will, um in den Augen der Zielgruppe ein Partner mit überzeugenden Mehrwerten zu werden. Je nach Geschäftsmodell und Umfang der Verkaufsaktivitäten ist ein Netzwerk mit Kooperationen sinnvoll, um für eine gute Auftragslage zu sorgen. In der Startphase wäre es konkret sehr hilfreich, eine gewisse Anzahl an Modeateliers/Designern mit hochwertigen Stoffen zu versorgen. In diesem Kontext muss die grundlegende Entscheidung getroffen werden, ob sich ein selbstständiger Weber auf Geschäfts- oder Privatkunden ausrichten möchte. Geschäftskunden ermöglichen tendenziell eine höhere Auslastung, die allerdings auch höhere Investitionen durch mehr nutzbare Ressourcen erfordert. Der finanzielle und leistungstechnische Umfang der Existenzgründung als Weber muss in dieser Hinsicht im Businessplan unmissverständlich klar werden. Nur so werden sich Geldgeber überzeugen lassen, damit der mitunter hohe Kapitalbedarf für Räumlichkeiten und Technik gedeckt werden kann. Apropos Netzwerk: Um den Geschäftsbetrieb erfolgreich aufnehmen zu können, muss vor Aufnahme der eigentlichen Tätigkeit Klarheit darüber herrschen, woher und in welcher Qualität die Grundmaterialien bezogen werden können. Die Einkaufskonditionen und die Qualität dieser Ware werden eine große Rolle für die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der eigenen Weberei spielen.

Tipp: Vorlage für den Businessplan

Wer als Existenzgründer unerfahren ist, kann mit einer Vorlage für den Businessplan (https://www.selbststaendig.de/vorlagen-und-muster/businessplan) die geforderte Struktur und Vollständigkeit der Planungsthemen für alle Geschäftsfelder sicherstellen.


Unternehmerpersönlichkeit für eine erfolgreiche Existenzgründung

Wer sich erfolgreich als Weber selbstständig machen möchte, muss neben handwerklichem Können auch fundierte Branchenkenntnisse mitbringen. Nur so lassen sich Trends erkennen und zielfokussiert nutzen. Unternehmerisches Denken wird von Beginn an ein wichtiger Erfolgsfaktor sein, um die Geschäftsidee konsequent voranzutreiben. Dies gilt umso mehr in dem schwierigen Umfeld der Textilbranche. Für eine erfolgreiche Existenzgründung braucht es frische, innovative Ideen, die dieser alten handwerklichen Tätigkeit neues Leben einhauchen. Gefragt ist insofern strategische Flexibilität, um mit den Chancen der Zeit zu gehen. Gerade funktionale Stoffe bieten Webern die Chance, neue Handlungsfelder zu erschließen. Was die Unternehmerpersönlichkeit als wichtigen Erfolgsfaktor für die Existenzgründung angeht, so rücken folgende Aspekte in den Fokus:

  1. Organisationstalent: Es gilt, alle Abläufe optimal zu planen und aufeinander abzustimmen. Ein gutes Selbst- und Projektmanagement ist die Grundlage, um niemals den Überblick zu verlieren. Wenn Kundenaufträge auf dem Schreibtisch liegen, muss das Vorgehen klar sein. Schließlich erwarten Kunden nichts anderes als gute und vor allem pünktlich abgelieferte Qualität

  2. Wille, lebenslang zu lernen: Wer in einem solch dynamischen Umfeld stehen bleibt, hat schon verloren. Auch Selbstständige sollten sich regelmäßig weiterbilden, um Kunden immer wieder neue, überzeugende Mehrwerte anbieten zu können

  3. Belastbarkeit: Gerade in der Startphase wird ein enormes Arbeitspensum auf Existenzgründer zukommen. Um Belastungen dauerhaft meistern zu können, bedarf es einer individuellen Work-Life-Balance. Hier zeigt sich der wahre Vorteil der beruflichen Selbstständigkeit, sich seine Zeit möglichst frei einteilen zu können!

  4. Flexibilität und Offenheit: Es gilt, sich auf jeden Kunden/jedes Projekt neu einzulassen. Eine umfassende Fachberatung muss zur Leistungsphilosophie gehören. Auch und vor allem, um Kunden dauerhaft zu binden.
     

Marketing bzw. Kunden gewinnen als selbstständiger Weber?

Das handwerkliche Können muss für Kunden sichtbar werden! Deshalb wird eine kleine Weberei mit Werkstatt und Verkaufsräumen ein wesentlicher Bestandteil für die Umsetzung der Geschäftsidee sein. Wer sich auf Privatkunden ausrichtet, wird Stoffe oder eigene Kreationen daraus im Schaufenster präsentieren können. Um einen gewissen Erlebnischarakter für dieses alte Handwerk zu inszenieren, kann das Atelier teilweise einsehbar sein. So kann der selbstständige Weber/Textilgestalter sein Können eindrucksvoll demonstrieren (nach dem Motto ‚hier können Sie noch echte Handwerkskunst erleben und kaufen‘). Um diesem Handwerk einen modernen und vor allem reichweitenstarken Auftritt zu verleihen, sollte mit der Eröffnung des Geschäfts auch eine suchmaschinenoptimierte Homepage online gehen. Auf dieser können Textilgestalter mit dem Schwerpunkt Weben ihr Leistungsspektrum vorstellen und durch die Integration eines Shops das Internet als vielversprechenden Vertriebsweg nutzen. Auch eine Internationalisierung lässt sich so schnell und kosteneffektiv durchführen: Sie kann sehr lohnend sein, da deutsche Handwerkkunst weltweit einen hervorragenden Ruf genießt. Insofern muss sich der geschäftliche Fokus von Beginn an nicht nur ausschließlich auf den deutschen Markt richten, zumal dieser sehr komplex ist.
 

Voraussetzungen, um sich als Weber selbstständig zu machen

Im Jahr 2004 hat es umfangreiche Änderungen an der maßgeblichen Handwerksordnung gegeben. Der bis dato geltende Meisterzwang für Webereibetriebe ist weggefallen. Wer sich jetzt als Weber/Textilgestalter selbstständig machen will, wird ein zulassungsfreies Handwerk ausüben. Ein Meistertitel ist keine formale Voraussetzung, wobei er gerade für das Marketing und die durchsetzbaren Preise am Markt sicher ein großer Vorteil sein kann. Auch die Möglichkeit, eigenen Nachwuchs ausbilden zu können, spricht für das Anstreben des Meistertitels im Handwerksbereich. Eine wichtige formale Voraussetzung für die Existenzgründung als Weber/Textilgestalter ist die Gewerbeanmeldung. Ohne den Gewerbeschein ist es nicht erlaubt, einen gewinnorientierten Geschäftsbetrieb zu führen. Zu beachten sind im Rahmen der Existenzgründung die buchhalterischen Anforderungen, die sich aus dem konkreten Geschäftsumfang ergeben. Auf jeden Fall greift mit der Gewerbeanmeldung die Pflicht, Gewerbesteuer jenseits des jährlichen Freibetrages von 24.500 Euro abzuführen. Darüber hinaus muss die gewerbliche Tätigkeit beim Finanzamt steuerlich erfasst werden. Umsatzschätzungen sind eher zurückhaltend vorzunehmen, da ansonsten hohe Vorauszahlungen für Lohn- und Umsatzsteuer die Liquidität unnötig belasten können.
 

Verdienst als selbstständiger Weber?

Wie hoch der Verdienst als selbstständiger Weber für das eigene Zufriedenheitsniveau ausfallen muss, muss jeder Existenzgründer für sich entscheiden. Letztlich muss es angesichts der Kostensituation das Ziel sein, als Selbstständiger einen deutlich höheren Bruttolohn als Angestellte im gleichen Beruf zu erwirtschaften. Für angestellte Textilgestalter wird ein durchschnittlicher monatlicher Bruttolohn von knapp unter 2.000 Euro angegeben. Um die Verdienstmöglichkeiten als Weber so attraktiv wie möglich werden zu lassen, müssen von Beginn an die richtigen Geschäftsentscheidungen getroffen werden: Die fixen Kosten müssen so niedrig wie möglich bei einer guten Auslastung gehalten werden. Bei der Kalkulation von Preisen ist so vorzugehen, dass abzüglich aller Kosten und des eigenen Lohnes noch ein Gewinn bleibt. Dieser dient dazu, die finanziellen Rücklagen zu vergrößern und so letztlich durch Investitionen den Wachstumskurs zu festigen.
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Weber‘

  1. Seit 2011 gibt es den Ausbildungsberuf Weber nicht mehr. An seine Stelle ist der Textilgestalter getreten, wobei das Weben eine von mehreren handwerklichen Vertiefungsmöglichkeiten ist

  2. Generell hat es diese traditionelle handwerkliche Tätigkeit in Zeiten der industriellen Massenproduktion schwer. Wer sich erfolgreich selbstständig als Weber bzw. Textilgestalter machen möchte, muss eine lukrative Nische finden und diese strategisch klug besetzen

  3. Marketingaktivitäten sollten das Ziel verfolgen, das handwerkliche Können sichtbar zu machen. Das Atelier kann so gestaltet werden, dass der Erlebnischarakter dieses Traditionshandwerkes auf Kunden eine magische Anziehungskraft ausübt

  4. Mit dem Internet kann eine Internationalisierung der Verkaufsaktivitäten ressourcenschonend und vor allem zeitnah vorangetrieben werden: Deutsche Handwerkskunst genießt weltweit ein hohes Ansehen, sodass sich diese Geschäftsidee nicht nur auf den heimischen Zielmarkt beziehen muss

  5. Es handelt sich seit 2004 um ein zulassungsfreies Handwerk, sodass ein Meistertitel für die Selbstständigkeit als Weber nicht mehr erforderlich ist (vergl. Anlage B der Handwerksordnung)

  6. Vor Aufnahme des Geschäftsbetriebes ist ein Gewerbe anzumelden, die Tätigkeit unterliegt der Gewerbesteuer und sie muss beim Finanzamt steuerlich erfasst werden.

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