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Selbstständig machen mit einem Spielwarengeschäft

Mann im Spielwarengeschäft

Wer träumt nicht davon, spielerisch Geld zu verdienen und Kinderträume wahr werden zu lassen? Das jedenfalls stellt der Plan der beruflichen Selbstständigkeit mit einem Spielwarenhandel in Aussicht, ganz so spielerisch wird es aber nicht werden: Das Geschäft sollte sorgfältig geplant und somit klug auf dem Markt platziert werden. Die potenziellen Umsätze sind vielversprechend, denn die Deutschen geben mittlerweile jedes Jahr über 3 Milliarden Euro für Spielwaren aus. Dementsprechend groß ist auch die Konkurrenz, zumal jeder große Supermarkt heutzutage eine gut sortierte Spielwarenabteilung hat. Ganz zu schweigen vom boomenden Onlinehandel, der in der Regel weitaus günstigere Preise anbieten kann. Insofern führt kein Weg daran vorbei, die Selbstständigkeit mit einem Spielwarenhandel von Anfang an ganzheitlich und zielorientiert voranzutreiben. Dieser Beitrag möchte dazu praxisorientierte Hilfestellungen leisten.
 

Existenzgründung mit einem Spielwarenhandel: Was Gründer wissen sollten

  • Bestimmung der Vertriebswege bzw. des generellen Geschäftsmodells
  • Erfolgsfaktoren für einen gut laufenden Spielwarenhandel
  • Gefahren und Chancen konsequent beachten
  • formale Voraussetzungen für die Selbstständigkeit mit einem Spielwarenhandel
  • Der Kampf gegen das Internet: Fachberatung gegen Gebühr?
     

Vertriebswege als Grundlage für die Geschäftsausrichtung

Zunächst sollte Klarheit darüber herrschen, welche Form der Spielwarenhandel annehmen soll. Danach kann das Produktspektrum auf die anvisierte Zielgruppe abgestimmt werden. Zu überlegen ist, so ein klassischer Spielwarenladen in guter Lage eröffnet werden soll oder ‚nur‘ ein Onlinehandel betrieben wird. Je nach Standort und Größe der Geschäftsräume kann ggf. auch eine Kombination beider Vertriebswege sinnvoll sein, um die Absatzbasis nachhaltig zu erhöhen. Für einen Onlineshop braucht es im Wesentlichen Lagerräume, eine gute Organisation der Logistik und einen professionellen Webshop, der gut rankt und Kunden ein angenehmes Einkaufserlebnis beschert. Es liegt in der Natur der Sache, dass ein Ladenlokal mehr finanzielle Ressourcen verschlingen wird, zumal Umbaumaßnahmen und Kosten für die Einrichtung in aller Regel unvermeidlich sind.
 

Standort und Warenpräsentation im Spielwarenhandel

Für ein Ladenlokal ist ein guter Standort sehr erfolgskritisch. Ideal ist eine direkte Lage in belebten Einkaufsstraßen, wobei große Schaufenster genügend Raum bieten sollten, um die Spielwaren anzupreisen (ggf. auch Sonderpreise oder Aktionen). Da der Standort für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung eine enorm wichtige Rolle spielt, kann eine gute Lage auch durchaus eine höhere Miete und somit monatliche Fixkosten rechtfertigen. Wird ein vorhandenes Ladenlokal oder ein sogar ein Spielwarenhandel übernommen, so sollte neben den Geschäftszahlen auch ein kritischer Blick auf den Standort geworfen werden.

Egal, ob Ladenlokal oder Onlinehandel, einer ansprechenden Warenpräsentation kommt eine Schlüsselrolle zu. Aus Kunden- bzw. Elternsicht sehr sinnvoll ist es, die Spielwaren nach Altersstufen zu gliedern. So entfällt das lange Suchen und Geschenksuchende finden meistens ganz schnell eine Inspiration, statt Frustration zu erleben. Insofern sollte bei der Warenpräsentation professionelle Hilfe genutzt werden, um nichts dem Zufall zu überlassen. Der stationäre Handel hat den Vorteil, dass die Waren hier direkt in Augenschein genommen werden können. Insofern kann und sollte es ‚Erlebnis-Bereiche‘ geben, in denen Kinder und Eltern Spielwaren testen können. Dies kann in nicht wenigen Fällen verkaufsentscheidend sein! Im Internet können aussagekräftige Beschreibungen und Produktvideos wirksame Verkaufshilfen sein.
 

Businessplan ausarbeiten: Alleinstellungsmerkmale und Planung der Finanzen

Mit der grundlegenden Geschäftsausrichtung und geeigneten Räumlichkeiten fängt die Planung erst so richtig an! Es gilt, im Businessplan alle wesentlichen Geschäftsbereiche auszuarbeiten und diese strategisch aufeinander abzustimmen. Der Planung der Finanzen kommt eine Schlüsselrolle zu, denn diese entscheiden über Erfolg oder Scheitern. Und auch externe Geldgeber, die mit einem solchen Businessplan überzeugt werden wollen, legen das Hauptaugenmerk eigentlich immer auf solide und vor allem realistische Finanzen.


Erfolg ganzheitlich planen: Fragen und Themen im Businessplan

Deutlich werden sollte auch, welche Art von Spielwaren für welche Zielgruppe angeboten werden? Zu welchen Preisen bzw. Gewinnmargen? Woher und zu welchen Konditionen sollen die Spielwaren kommen? Welche Qualitätsaspekte spielen eine Rolle, zumal viele Eltern bei der Auswahl von Spielwaren sehr wählerisch sind? Wie kann die Vermarktung vorangetrieben werden? Und vor allem: Was bietet dieser Spielwarenladen, was andere oder das Internet nicht können? Wo liegen die zentralen Alleinstellungsmerkmale, die in betriebswirtschaftlicher Hinsicht Wettbewerbsvorteile darstellen? In dieser Hinsicht kann es auch Sinn machen, eine Nischenstrategie zu fahren und sich auf eine bestimmte Marken oder bestimmte Spielzeuge zu spezialisieren. Zu denken wäre etwa an Modelleisenbahnen oder Holzspielzeug.
 

Mögliche Gefahren und auch Chancen auf dem Bildschirm haben

Neben dem omnipräsenten Internet und der möglichen Konkurrenz vor der Haustür sind neue Geschäftsmodelle zu beachten, die in der Fernsehwerbung recht präsent sind. So gibt es immer mehr Anbieter, die Spielzeug kostengünstig vermieten. Hintergrund ist der, dass es in der kindlichen Natur liegt, gewisse Spielsachen schnell langweilig zu finden. Warum also alles neu kaufen? Spielwarenhändler sollten diese Entwicklung sehr genau im Auge behalten und ggf. strategisch rechtzeitig gegensteuern, indem ein ähnliches Angebot für bestimmte Produkte neben einer Kaufoption angeboten wird. Insofern empfiehlt es sich, neben der Umsetzung des Businessplanes auch an der einen oder anderen Stelle nachzujustieren, wenn das Geschäft nicht wie erhofft läuft.
 

Und woher sollen die Kunden kommen?

Eine gute Lage ist die halbe Miete für viel Laufkundschaft. Darüber hinaus sollte das Geschäft von außen ins Auge springen und einen einladenden Charakter aufweisen. Werbung in Form von Flyern für einen definierten Umkreis ist eine kostengünstige und effektive Möglichkeit, um Kunden bei (Kauf)laune zu halten und immer wieder auf sich aufmerksam zu machen. Gleiches kann durch regelmäßige Annoncen in Printmedien erreicht werden.

Fehlen darf auch für ein Ladengeschäft auf keinen Fall eine suchmaschinenoptimierte Homepage. Hier kann das Sortiment entdeckt und idealerweise schon virtuell durch den Spielwarenladen gegangen werden. Sonderangebote, Aktionen und Serviceleistungen können präsentiert werden.

Praxistipp: Service macht aus Kundensicht den Unterschied!
Gerade Serviceleistungen sind bedeutende Mehrwerte, die den stationären Handel deutlich vom Internet unterscheiden. Neben Umtauschmöglichkeiten sollten auch für technische Spielwaren kundenorientierte Reparaturmöglichkeiten angeboten werden.


Aus der aktuellen Praxis: Sollte die Fachberatung etwas kosten?

Immer mehr Spielwarenhändler gehen dazu über, für eine Fachberatung Geld zu verlangen. Wenn der Kunde dann aber ein Produkt kauft, ist die Beratung kostenlos. Der Hintergrund ist, dass nicht wenige Kunden die Fachberatung im Handel nutzen, um ein Produkt dann im Internet günstiger zu bestellen. Der Preis im Spielwarenladen ist ja auch deshalb höher, weil er die Beratung bzw. die dahinterstehenden Personalkosten abdeckt. Insofern sollte geprüft werden, inwiefern dieser Ansatz für das eigene Geschäft genutzt werden kann/soll und vor allem wie die Kunden ein solches Vorgehen bewerten.
 

Was Eltern wollen: Sicherheit geht vor im Spielwarenhandel!

Mit Blick auf oftmals sehr anspruchsvolle und wählerische Eltern sollte genau überlegt werden, welche Waren (ggf. Marken) verkauft werden. Über welche Sicherheitsstandards verfügen diese Waren? Sind diese hierzulande anerkannt? Zudem sollte darauf geachtet werden, dass alle Waren relevante Sicherheitshinweise enthalten. Diese sollten sich auf das Mindestalter und die sachgemäße Benutzung beziehen.
 

Formale Grundlagen für die Selbstständigkeit mit einem Spielwarengeschäft

Die Einstiegshürden sind recht gering, persönliche Fähigkeiten bzw. besondere Qualifikationen sind in der Regel nicht nachzuweisen. Grundsätzlich muss ein Gewerbe angemeldet werden, bevor der Spielwarenladen eröffnet wird. Im Zuge der Gewerbeanmeldung ist das Leistungsspektrum möglichst exakt und umfassend zu beschreiben. Hieraus können sich in Einzelfällen bestimmte Nachweispflichten ergeben. Was die Räumlichkeiten angeht, so sind Sicherheitsvorschriften (Stichwort Brandschutz) und Auflagen in Bezug auf sanitäre Anlagen zu berücksichtigen. Für den eigentlichen Geschäftsbetrieb sind neben Preisauszeichnungsregeln vor allem die gesetzlichen Öffnungszeiten zu beachten. Je nach Größe und Standort des Geschäfts muss auch eine bestimmte Anzahl an Parkplätzen zur Verfügung gestellt werden. Was diese und Fragen von Umbaumaßnahmen angeht, so sind das Ordnungsamt und die Gewerbeaufsicht die richtigen Ansprechpartner.
 

Versicherungsschutz für einen Spielwarenhandel?

Was die finanzielle Absicherung angeht, so empfiehlt sich eine Inventarversicherung, um die Lagerbestände bzw. das darin gebundene Kapital zu schützen. Generell empfiehlt es sich mit Blick auf die Liquidität aber, dass die Lagerbestände nie allzu hoch sein sollten. Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist ebenfalls unabdingbar, um mögliche (Personen)schäden zu begleichen, die durch die Nutzung womöglich defekter Spielwaren entstehen.
 

Praxisorientierte Kurzzusammenfassung: selbstständig machen mit Spielwarenhandel

  1. Grundsatzentscheidung zu Vertriebswegen: stationärer Handel oder Onlineshop, ggf. eine Kombination aus beidem?
  2. Nachhaltigkeit: Für den stationären Handel ist ein guter Standort nach wie vor extrem wichtig
  3. Online wie offline kommt der ansprechenden Präsentation von Spielwaren eine große Bedeutung zu
  4. Im Businessplan ist das gesamte Geschäftsmodell mit Blick auf Alleinstellungsmerkmale und solide Finanzen sorgfältig zu planen
  5. Mögliche Gefahren auf der strategischen Rechnung haben: Billigkonkurrenz aus dem Internet und neue Mietmöglichkeiten für Spielzeug
  6. Vor der Geschäftseröffnung ist ein Gewerbe anzumelden. Dies gilt auch für einen Onlineshop, auch wenn dieser nur im Nebenerwerb betrieben wird
  7. Schutzvorkehrungen in finanzieller Hinsicht treffen durch eine Betriebshaftpflicht- und eine Inventarversicherung.

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