Selbstständig machen als Holzspielzeugmacher

Holzspielzeug herstellen Säge

Wer kreativ sowie handwerklich geschickt ist, gerne mit Holz arbeitet und die facettenreiche Welt des Spielzeugs liebt, kann sich hier mit der beruflichen Perspektive ‚selbstständig machen als Holzspielzeugmacher‘ praxisorientiert auseinandersetzen. Neben den persönlichen, fachlichen und formalen Voraussetzungen für die Selbstständigkeit als Holzspielzeugmacher sollen auch die Rahmenbedingungen und Chancen sowie Risiken kompakt beleuchtet werden. Insofern soll dieser Beitrag eine ganzheitliche Sichtweise für die Planung der beruflichen Selbstständigkeit als Holzspielzeugmacher eröffnen.

Existenzgründung als Holzspielzeugmacher: relevante Themen und Handlungsfelder

  • Bewertung der Chancen/Rahmenbedingungen
  • Anforderungen an selbstständige Holzspielzeugmacher
  • Zielgruppe und Leistungsspektrum definieren
  • Geschäftsträume und Vertriebswege
  • mögliche Gefahren in diesem Handwerksbereich
  • formale Voraussetzungen für selbstständige Holzspielzeugmacher
     

Ausgangslage sondieren und Chancen bewerten

Nicht wenige werden Bauklötze staunen, wenn sie zum ersten Mal das Berufsbild Holzspielzeugmacher hören. Es handelt sich dabei um einen anerkannten Ausbildungsberuf, der vor allem in der Region rund um das Erzgebirge auf eine lange Tradition zurückblicken kann. Im Rest Deutschlands ist dieser handwerkliche Traditionsberuf eher unbekannt, wenngleich viele Eltern die Erzeugnisse aus Holz gerade aus ihrer Kindheit kennen und sich nicht selten auch für den eigenen Nachwuchs wünschen. Insofern sagt der mangelnde Bekanntheitsgrad zunächst noch nichts über die geschäftlichen Chancen aus, die selbstständige Holzspielzeugmacher im Falle einer ganzheitlichen Planung nutzen können. Auch wenn die Zielgruppe in Zeiten billiger Massenware nicht sehr groß sein wird, so gibt es dennoch eine Nachfrage. Viele Eltern wollen wissen, woher Holzspielzeug kommt und wie verlässlich die Qualität ist. In dieser Hinsicht haben Handwerksprodukte made in Germany sicher mit Blick auf die Vermarktung enorme Vorteile. Diese gilt es durch eine kluge Positionierung des eigenen Geschäfts zu nutzen.
 

Anforderungen an selbstständige Holzspielzeugmacher

Bevor es an die Planung erfolgskritischer Details im Businessplan geht, sollten vorab die Anforderungen an selbstständige Holzspielzeugmacher beleuchtet werden. Was die fachkundliche Seite angeht, so sind eine fundierte Ausbildung und ein hohes handwerkliches Geschick sicher eine Grundvoraussetzung. Zudem ist eine gute Materialkunde erforderlich: Welches Holz eignet sich für welche Konstruktion/Art von Spielzeug? Auch ist ein Gespür für das gefragt, was Kindern gefällt und die Fantasie anregen kann. Ladenhüter aus Holz sind in jedem Falle nicht das anzustrebende Ziel. Auf der persönlichen Ebene wird mit Blick auf eine hohe Qualität sicher ein genauer Blick für jedes Detail wichtig sein. Zu bedenken ist, dass Holzspielzeug für Kleinkinder auch gewissen Sicherheitsanforderungen gerecht werden muss.
 

Kaufmännische Fähigkeiten für eine profitable Geschäftsführung

Und dann sind auch die Fähigkeiten als Kaufmann gefragt: Wer sich als Holzspielzeugmacher selbstständig machen möchte, muss neben dem Handwerklichen immer bedenken, dass er einen gewinnorientierten Geschäftsbetrieb zu führen hat. In dieser Hinsicht sollten Defizite in Bezug auf die Betriebsführung frühestmöglich schon in der Planungsphase der Existenzgründung behoben werden. Es gilt, alle im Businessplan zu treffenden Entscheidungen mit Blick auf eine nachhaltige Geschäftsentwicklung zu treffen. Eine große Bedeutung wird mit Sicherheit die Preisgestaltung sein. Diese muss ein wirtschaftlicher Spagat zwischen der preislichen Schmerzgrenze der Zielgruppe und den angestrebten Gewinnmargen sein. Letztlich muss jeder Produktpreis sorgfältig kalkuliert werden, denn neben dem Materialeinsatz ist vor allem der Arbeitslohn angemessen zu berücksichtigen.
 

Zielgruppe suchen und Leistungsspektrum ausrichten

Zu bedenken ist, dass handwerklich gefertigtes Holzspielzeug seinen Preis haben wird. Insofern ist bei der Planung nicht damit zu rechnen, dass es sich um ein Massenprodukt handeln wird. In dieser Hinsicht wird die Zielgruppe eher klein und exklusiv sein. Dies muss aber kein Nachteil sein, denn mit einer solchen Zielgruppe lassen sich höhere Preise und somit höhere Gewinnmargen realisieren. Wer ohnehin alle Holzspielzeuge selber aufwändig herstellt, kann auf keinen Fall eine Massenproduktion auf die Beine stellen. Vielmehr wird es darum gehen, weniger, dafür aber umso lukrativere Aufträge zu erlangen. Daher muss klar sein, wer die Zielgruppe ist bzw. welche Anforderungen diese an Holzspielzeug für Kinder hat. Abgesehen von der Qualität des Naturmateriales ist an den Lernnutzen zu denken (dieser kann motorischer oder auch kognitiver Natur sein).
 

Eltern und Kinder: Im Grunde gibt es 2 Zielgruppen!

Es gilt, das Leistungsspektrum konsequent auf die anvisierte Zielgruppe abzustimmen. Insofern ist zu überlegen, welche Art von Holzspielzeug angeboten werden soll. In diesem Kontext kommt auch eine weitere Zielgruppe ins Spiel – die Kinder selbst! Insofern ist zu überlegen, für welche Altersklasse(n) Holzspielzeuge hergestellt werden soll. Je nach Analyse der Ausgangslage bzw. des Standortes kann es Sinn machen, sich auf Kleinkinder zu fokussieren. Zu überprüfen ist mit Blick auf die Einschätzung der Konkurrenz auch, was an Holzspielzeug für die jeweilige Altersgruppe im Handel (auch im Internet!) angeboten wird. So fügt sich langsam ein Bild zusammen, das die eigene, strategisch kluge Positionierung des Angebots erleichtert. Aus wirtschaftlicher Sicht der Geschäftsführung sollte nicht vergessen werden, dass die Eltern als Zielgruppe letztlich wichtiger sind: Mama und Papa werden nur Holzspielzeug für den Nachwuchs kaufen, das auch ihnen gefällt. Insofern ist bei der Produktgestaltung immer ein Spagat zwischen den Anforderungen von Eltern und Kindern hinzubekommen. Das jedenfalls ist in theoretischer Sicht der anzustrebende Idealfall…
 

Dem Megatrend der Individualisierung geschäftlich entsprechen

Wer eine Nischenstrategie fährt bzw. eine kleine Zielgruppe ansteuert, kann als selbstständiger Holzspielzeugmacher auch auf individuellem Kundenwunsch hin bestimmte Produkte fertigen (ggf. auch mit dem Namen des Kindes). Diese Option kann auch als Service bzw. Mehrwert angeboten werden, um sich wirksam von der Konkurrenz abzuheben. Zu denken wäre etwa an eine Ideenschmiede rund um den ersten und zweiten Geburtstag von Kindern. Eltern suchen ohnehin händeringend nach originellen Ideen. Insofern wären individuelle Gestaltungsmöglichkeiten mit Blick auf hochwertiges Holzspielzeug sicher eine attraktive Option.
 

Räumlichkeiten für den Geschäftsbetrieb finden

Steht das Angebot für die Zielgruppe als selbstständiger Holzspielzeugmacher, so ist über geeignete Räumlichkeiten nachzudenken. Integriert werden müssen auch Werkstatträume und Lagerkapazitäten für Holz und andere Materialien. Zu überlegen ist, in welcher Größe und Form Verkaufsräume zugänglich gemacht werden sollen. Letztlich muss das Holzspielzeug ansprechend präsentiert werden können. Aus der Sicht der ‚Zielgruppe Kinder‘ muss es natürlich auch Möglichkeiten zum Anfassen und Testen geben. Wer sich ganz auf die individuelle Anfertigung nach Kundenwunsch fokussiert, braucht unter Umständen keine großen Verkaufsräume. Ein kleines Atelier könnte dann ausreichen und fixe Kosten senken.
 

Welche Vertriebswege als selbstständiger Holzspielzeugmacher nutzen?

Abgesehen von einem stationären Geschäft kommt auch das Internet aufgrund seiner Reichweite grundsätzlich in Betracht. Zu bedenken ist aber, dass Eltern aufgrund der hohen Qualitätsansprüche das Spielzeug gerne in Augenschein nehmen wollen. Insofern ist kritisch zu hinterfragen, ob hochwertiges Holzspielzeug über das Internet erfolgreich vertrieben werden kann. In jedem Falle kann es sich dabei um einen zusätzlichen Vertriebsweg handeln, um die Reichweite zu erhöhen und Kunden in ganz Deutschland (ggf. auch in aller Welt) für professionelle Handwerkskunst zu begeistern. Letztlich muss auch analysiert werden, wie tragfähig der ausgewählte Standort auf Dauer ist. Das Internet böte flexible Möglichkeiten für eine geschäftliche Expansion, da im Grunde nur ein funktionierendes Shopsystem nötig ist.
 

Selbstständig machen als Holzspielzeugmacher: Welche Risiken gibt es?

Die Trends der Zeit sollten bei der Geschäftsausrichtung nicht verkannt werden. So wird die Zielgruppe für handwerklich hergestelltes Holzspielzeug auch deshalb klein sein, da viele Eltern mit Blick auf die Schonung von materiellen und finanziellen Ressourcen auf gebrauchtes Spielzeug zurückgreifen. Die Flohmarkt-Kultur ist insofern weit verbreitet und gesellschaftlich in der Mitte akzeptiert (auch von durchaus zahlungskräftigen Kunden). Hinzu kommt der Trend, dass Spielzeug mittlerweile auch bei diversen Anbietern auf Zeit gemietet werden kann. Damit wird der kindlichen Eigenart Rechnung getragen, dass Spielzeug (egal aus welchem Material) recht schnell seinen Reiz verliert. Diese beiden zentralen Handlungsfelder sollten Existenzgründer in diesem Bereich auf der Rechnung haben und sich ggf. mit einem ähnlichen Angebot noch breiter aufstellen. In jedem Falle sollte der zu Beginn ausgearbeitete Businessplan niemals als starres Konstrukt betrachtet werden. Strategische Anpassungen sind erforderlich, wenn sich das Geschäft nicht wie gewünscht in die richtige Richtung entwickelt.
 

Formale Voraussetzungen: Existenzgründung im Handwerk

Wer sich als Holzspielzeugmacher selbstständig machen möchte, braucht in erster Linie eine abgeschlossene Berufsausbildung. Es sollte Klarheit darüber herrschen, dass selbstständige Holzspielzeugmacher ein Handwerksgewerbe betreiben. Daher ist immer die Frage zu stellen, ob selbstständige Holzspielzeugmacher der Meisterpflicht unterliegen? Ein Blick in Anlage B der diesbezüglich relevanten Handwerksordnung zeigt, dass dies nicht erforderlich ist. Beim Holzspielzeugmacher handelt es sich um ein zulassungsfreies oder handwerksähnliches Gewerbe, das nicht der Meisterpflicht unterliegt. Dennoch ist eine Gewerbeanmeldung erforderlich, bevor der eigentliche Geschäftsbetrieb aufgenommen wird. Auf dem Formular zur Gewerbeanmeldung ist zudem das Leistungsspektrum exakt zu schildern. Hieraus können sich eventuell Hinweise für eine Erlaubnispflicht ergeben.
 

Sicherheitsanforderungen und Kennzeichnungen

Generell ist zu beachten, dass verkauftes Holzspielzeug gewissen Sicherheitsanforderungen gerecht werden muss. Als Verkäufer müssen Holzspielzeugmacher auch explizit auf die richtige Verwendung und mögliche Gefahren hinweisen. Entsprechend muss jedes einzelne Holzspielzeug mit einer Altersempfehlung versehen werden. Hier zeigt sich schon, dass selbstständige Holzspielzeugmacher ihr Handwerk in jeder Hinsicht verstehen sollten…
 

Selbstständig machen als Holzspielzeugmacher: Zusammenfassung für diese berufliche Option

  1. Im Erzgebirge hat dieser anerkannte Ausbildungsberuf eine lange Tradition, im Rest Deutschlands erfreuen sich vor allem die Erzeugnisse einer großen Beliebtheit
  2. Die Zielgruppe für handwerklich gefertigtes Holzspielzeug wird eher klein, dafür aber zahlungskräftig bzw. –willig sein. Insofern ist das Angebot mit begrenzten Fertigungskapazitäten optimal auf die Bedürfnisse der Zielgruppe abzustimmen
  3. Selbstständige Holzspielzeugmacher müssen neben den Kindern vor allem die letztlich entscheidende Zielgruppe der Eltern im Blick haben
  4. Über den wirtschaftlichen Erfolg entscheidet letztlich ein durchdachte Preiskalkulation, die angemessene Gewinnmargen und akzeptable Preise unter einen Hut bekommt
  5. Mögliche Bedrohungen für das Geschäft strategisch im Blick haben: Kauf von gebrauchten (Holz)spielwaren und neue Geschäftsmodelle für den Verleih von Kinderspielzeug
  6. Zulassungsfreies Gewerbe laut Anlage B der Handwerksordnung: selbstständige Holzspielzeugmacher unterliegen nicht der Meisterpflicht.

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