Selbstständig machen mit einem Bastelladen

Bastelbedarf

Existenzgründung mit dem eigenen Bastelgeschäft: Aus seinem Hobby einen erfüllten und vor allem selbstbestimmten Beruf machen, das ist für viele Angestellte oder auch Arbeitslose eine Traumvorstellung. Wer sich mit einem Bastelladen selbstständig machen möchte und selber eine kreativ-gestalterische Ader sein Eigen nennt, kann sein Hobby zu einem nachhaltigen Lebensunterhalt machen, sofern das Geschäftsvorhaben von Anfang an ganzheitlich geplant wird. Ganz in dieser Hinsicht möchte der folgende Beitrag auf wesentliche Handlungsfelder und Anforderungen aufmerksam machen, die interessierte Gründer fest im Blick haben sollten.

Selbstständig machen mit einem Bastelladen: Was Existenzgründer hier erfahren

  • Standort, Sortiment und Zielgruppe: die Basis für Geschäftserfolg
  • Die Rolle der Finanzen und ihre sorgfältige Planung
  • Hinweise zu möglichen Absatzwegen/Vertriebskanälen
  • Ideen für ein kreatives Marketing
  • Formalitäten im Vorfeld der Geschäftseröffnung
     

Was soll den Bastelladen aus Kundensicht einzigartig machen?

Diese zentrale Frage sollten sich Gründer direkt am Anfang der Planung stellen, denn sie ist essentiell für den angestrebten Geschäftserfolg. Hintergrund ist, dass die Konkurrenz in Form großer Ketten und vor allem durch zahlreiche Shops im Internet groß ist. Insofern sollte sich der eigene Bastelladen abheben und Kunden ein besonderes Angebot bieten. Die hier aufgeworfene Frage sollte übrigens möglichst zahlenbasiert im Businessplan beantwortet werden. Dieses Dokument bietet den wegweisenden formalen Rahmen, um alle Geschäftsbereiche ganzheitlich und zielfokussiert aufeinander abzustimmen (Produkte, Preise, Marketing und Finanzen). Die Arbeit lohnt sich in zweifacher Hinsicht: Zum einen werden Gründer gezwungen, von Anfang an alle zu treffenden Entscheidungen mit Blick auf die finanziellen Konsequenzen zu durchdenken. Zum anderen ist ein überzeugender Businessplan eine wirksame Visitenkarte, um das eigene Geschäftsvorhaben in kompakter Form zu präsentieren. Mögliche Geldgeber wollen schnell erfahren, worin sie ihr Geld investieren bzw. ob das Geschäftsvorhaben tragfähig ist. Insofern sollte im Businessplan jedes Detail stimmig sein.
 

Der geschäftliche Erfolg steht und fällt mit dem Geld

Solide Finanzen bzw. deren sorgfältige Planung spielen bei jeder Existenzgründung eine Schlüsselrolle. Je nach Größe des Bastelladens entsteht in der Startphase ein hoher Kapitalbedarf für die Einrichtung und etwaige Umbaumaßnahmen. Da das Eigenkapital in aller Regel nicht reichen wird, müssen neben möglichen Förderinstrumenten externe Geldgeber (Banken oder auch private Investoren) gewonnen werden. Ein Blick auf die Praxis zeigt, dass die Finanzen die Hauptursache für das Scheitern innerhalb der ersten beiden Geschäftsjahre sind. Daher muss auch gewissenhaft ein einer kosten- und gewinnorientierten Unternehmensführung von Beginn an ‚gebastelt‘ werden. Mittels Controlling sollten alle Kosten konsequent überwacht werden, wobei in der Kostenrechnung bzw. Preisgestaltung die Grundlagen für attraktive Gewinnmargen gesetzt werden. Die Planung der Finanzen verdeutlicht, dass das Hobby erst dann zu einem erfolgreichen Beruf werden kann, wenn neben relevantem Fachwissen auch das nötige kaufmännische bzw. betriebswirtschaftliche Knowhow vorhanden ist. Bei aller gebotenen Kreativität in diesem Bereich sollte die Geschäftsführung also eher nüchtern und vor allem zahlenbasiert erfolgen.
 

Der Standort ist eine weitere Säule für unternehmerische Nachhaltigkeit

Wer einen Bastelladen eröffnen möchte, braucht ein geeignetes Ladenlokal. Geeignet bedeutet in diesem Kontext, dass die Größe der Räumlichkeiten dem Sortiment entspricht und dass die Lage des Ladens jeden Tag viele Kunden in das Geschäft lockt. Idealerweise findet sich ein Ladenlokal, in dem nur wenige Umbaumaßnahmen erforderlich sind. Auf diese Weise können die Kosten und die finanziellen Risiken möglichst klein gehalten werden. Ein guter Standort sollte natürlich auch möglichst wenig direkte Konkurrenz in unmittelbarer Nähe aufweisen. Übrigens kann der Standort auch in finanzieller Hinsicht einen Einfluss nehmen, denn jede Stadt/Gemeinde hat einen eigenen Hebesatz, der für die Höhe der zu zahlenden Gewerbesteuer maßgeblich ist. Ein guter Standort mit hervorragender Infrastruktur kann jedoch auf lange Sicht höhere Mietpreise sowie höhere Abgaben bei der Gewerbesteuer durchaus rechtfertigen.
 

Zielgruppe und Sortiment ausrichten: Die Grundlagen für nachhaltigen Geschäftserfolg

Es liegt nahe, den Fokus auf Bastelbedarf zu legen, zu dem man selbst eine enge Verbindung hat. Doch Vorsicht, denn was einem selber zusagt, muss für die Masse an potenziellen Kunden noch lange nicht interessant sein. Insofern sollten sich Gründer fragen, wofür in der ‚Bastelszene‘ generell bzw. zurzeit eine große Nachfrage herrscht. Im Prinzip ist die strategische Grundsatzentscheidung zu treffen, ob das Sortiment eher breit angelegt sein wird (alles was sich das Bastelherz wünscht) oder eine Nische besetzen soll (denkbar wäre es, sich auf diverse Papierarten bzw. eine hauptsächliche Materialart zu fokussieren).

Letztlich kann das Sortiment nur zielorientiert bestimmt werden, wenn Klarheit über die anvisierte Zielgruppe herrscht: Sollen eher Hobbybastler oder Künstler angesprochen werden, oder beide? Oder soll der Bastelladen auf den Bedarf in Kindergärten und/oder (Grund)schulen ausgerichtet werden? Wer seine Zielgruppe kennt, kann dementsprechend auch ihre Bedürfnisse mit einem perfekt zugeschnittenen Sortiment befriedigen. Kundenzufriedenheit erweist sich im harten Wettbewerb als entscheidender Faktor für die Bindung. Zudem sind zufriedene Kunden tendenziell in einer größeren Kauflaune.
 

Tipp: ein saisonal wechselndes Sortiment kann zur Kundenbindung beitragen

Ein gewisses Standardsortiment sollte vorhanden sein, sodass Kunden ihren Grundbedarf an Bastelutensilien bei jedem Einkauf decken können. Im Trend sind aber auch saisonale Artikel in puncto Bastelbedarf. In der Weihnachtszeit etwa sollte ein spezieller Themenbereich neben dem Standartsortiment nicht fehlen. Aktionen sind auch für die Jahreszeiten oder spezielle Anlässe wie den Valentinstag denkbar. Hierbei sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt. Und welcher Kunde wird nicht gerne mit neuer Kreativität überrascht?

 

Ist neben dem stationären Handel ein weiterer Absatzweg sinnvoll?

Viele Existenzgründer wollen sich möglichst breit aufstellen, um eine nachhaltige Einnahmebasis sicherzustellen. In dieser Hinsicht kann es eine strategische Überlegung wert sein, neben dem stationären Bastelladen auch einen Onlineshop als zusätzlichen Vertriebsweg ins Leben zu rufen. Wer die Anfangskosten insgesamt niedrig halten will und/oder kein geeignetes Ladenlokal findet, kann auch ‚nur‘ einen Onlineshop für Bastelbedarf ins Leben rufen. Wer dies vorhat, sollte sich die Zeit nehmen und die Konkurrenz im Internet sorgfältig analysieren, um das eigene Angebot möglichst kundenwirksam zu platzieren.
 

Kreatives Marketing: Wie der Bastelladen in das rechte Licht gerückt werden kann

Die Kreativität sollte sich schon von außen sehen lassen, indem mit auffallenden Mitteln auf den Bastelladen hingewiesen wird. Auch im Inneren darf es kreativ zugehen, um Kunden Lust auf mehr zu machen. Allerdings sollte die Ordnung und Übersicht nicht darunter leiden, denn welcher Kunde will schon lange suchen? Abgesehen von der professionellen Inszenierung der Verkaufsräume sollte das Angebot auch mit einer Internetseite beworben werden, sodass Kunden von der Existenz des Bastelladens erfahren und auch schon das Sortiment sowie aktuelle Aktionen nachvollziehen können. Flyer, Anzeigen in Zeitungen und Prospekte sind für einen klar definierten Aktionsradius nach wie vor ein wirksames Werbemittel, um Kunden anzusprechen und in den Bastelladen zu locken. In diesem kreativen Bereich bietet es sich auch an, Social Media konsequent einzubinden und Kunden mit Aktionen bei (Kauf)laune zu halten. Denkbar wäre es etwa, Fotos oder Videos von Bastelaktionen bei Facebook hochzuladen und die besten Beiträge mit Preisen auszuzeichnen.
 

Welche Formalitäten sind vor der eigentlichen Geschäftseröffnung zu erledigen?

Wie oben bereits kurz in Bezug auf die Gewerbesteuer angedeutet, handelt es sich bei einem Bastelladen um ein Handelsgewerbe. Dabei spielt es keine Rolle, ob dieses stationär und/oder online betrieben wird. An einer Gewerbeanmeldung als formale Grundvoraussetzung für die Geschäftseröffnung führt kein Weg vorbei. Was die Räumlichkeiten angeht, so kommen das Ordnungsamt und ggf. die Gewerbeaufsicht ins Spiel, etwa wenn es um sanitäre Einrichtungen oder Aspekte der Sicherheit geht. Auch die gesetzlichen Vorschriften zu den Ladenöffnungszeiten je nach Bundesland sowie die Richtlinien für die Preisauszeichnung sind strikt zu beachten. Eine Inventarversicherung kann sinnvoll sein, um sich vor potenziellen finanziellen Schäden zu schützen. Allerdings sollte der Lagerbestand nie zu groß sein, um nicht zu viel Liquidität unnötig zu binden. Auf diese Weise werden nämlich unternehmerische Handlungsspielräume eingeschränkt.
 

Selbstständig machen mit Bastelladen: praxisorientierte Zusammenfassung in der kompakten Übersicht

  1. Der Businessplan ist gewissermaßen die zielführende ‚Bastelanleitung‘, um die Weichen von Beginn an auf Erfolg zu stellen
  2. Externe Geldgeber wollen im Businessplan kompakt erfahren, warum die Geschäftsidee profitabel ist
  3. Mit einem guten Standort wird für eine hohe Frequenz an Kunden gesorgt
  4. Wer seine Zielgruppe und deren Bedürfnisse kennt, kann das Sortiment genau ausrichten (Grundsatzentscheidung: eher breites oder spezielles Sortiment (= Nischenstrategie)?)
  5. Das Sortiment sollte je nach Saison/Anlass immer wieder neue Produkte enthalten, um Kunden bei (Kauf)laune zu halten und sie dauerhaft zu binden
  6. Neben einem Ladenlokal kann das Internet als weiterer, deutschland- oder womöglich sogar weltweiter Vertriebsweg gewählt werden. Möglich ist auch die Gründung nur mit einem Internethandel (falls kein geeignetes Ladenlokal auffindbar ist oder die Kosten insgesamt geringer gehalten werden sollen)
  7. Vor der Geschäftseröffnung muss ein Gewerbe angemeldet werden. Für den Geschäftsbetrieb sind die einschlägigen Gesetze und Richtlinien des Handels zu beachten (Öffnungszeiten und Preisauszeichnung als konkrete Beispiele).

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