Selbstständig machen in der Systemgastronomie?

Wer den Sprung in die berufliche Selbstständigkeit wagt, steht zu Beginn vor vielen Fragen und wirtschaftlicher Unsicherheit: Welche Geschäftsidee ist geeignet, um sich selbst zu verwirklichen und vor allem in finanzieller Hinsicht durchzustarten? Gerade die Suche nach einer profitablen Geschäftsidee kann in einem umkämpften Bereich wie der Gastronomie zu einem Problem werden. Insofern liegt es nahe, an eine Lösung im Bereich der Systemgastronomie zu denken. Gründer können auf ein funktionierendes Netzwerk und einen starken Namen zurückgreifen und quasi sofort loslegen. Aber natürlich hat dieser Komfort seinen Preis. In diesem Beitrag sollen die Eigenarten der Systemgastronomie beleuchtet werden. Ob es sich um eine attraktive Alternative zur klassischen Existenzgründung handelt, muss jeder Gründungswillige am Ende selber entscheiden.
 

Überblick: Was Existenzgründer hier über die Systemgastronomie erfahren

  • Merkmale und Chancen in der Systemgastronomie

  • Welche Vorteile bieten Franchisekonzepte in der Gastronomie?

  • Handelt es sich um eine attraktive Alternative für Gründer?

  • Wie hoch ist der Verdienst in der Systemgastronomie?
     

Was ist das Besondere an der Systemgastronomie?

Im Gegensatz zur Individualgastronomie, für die sich auf selbststaendig.de zahlreiche Geschäftsideen finden, ist die Systemgastronomie durch eine hohe Standardisierung gekennzeichnet. Dadurch lässt sich ein wirtschaftlicher Wareneinsatz bei gleichbleibender Qualität sicherstellen. Auf der anderen Seite aber sind die eigenen Handlungsmöglichkeiten extrem eingeschränkt. Wer sich für eine Franchiselösung in der Gastronomie entscheidet, muss sich an die Vorgaben halten. Es handelt sich also um keine wirkliche Alternative, falls ein Gründer schon ein eigenes, sehr individuelles Gastronomiekonzept im Hinterkopf hat. Das Streben nach individuellen Entscheidungen lässt sich mit der Systemgastronomie nur schwer vereinen. Der eigene Betrieb wird sich kaum von anderen abheben können und so im Einheitsbrei mitschwimmen. In betriebswirtschaftlicher Hinsicht ist die Systemgastronomie aber dennoch interessant, da sehr viele Konzepte als praxiserprobt gelten dürfen. Es liegen belastbare Zahlen vor, sodass sich realistische Rechenspiele vornehmen lassen. Ohne einen guten Standort allerdings ist auch das beste Franchisekonzept zum Scheitern verurteilt: Ohne Kunden keine Umsätze. Die Faktoren zeichnen einen funktionalen Standort aus:

  • Einzugsgebiet, Erreichbarkeit (Infrastruktur)

  • Kaufkraft

  • Wettbewerb

  • Höhe der Gewerbesteuer (Hebesatz)
     

Bewerbung für eine Existenzgründung!?

Wer sich in der klassischen Individualgastronomie selbstständig macht, kann nach der Planung loslegen. In der Systemgastronomie muss der Gründer sich bewerben und sein Können zeigen! Es besteht trotz vorhandenem Startkapital keine Garantie darauf, einen Vertrag für ein Franchise-Restaurant zu erhalten. Letztlich muss ein guter Standort als Ausgangsbasis vorhanden sein, damit dieses Geschäftsmodell auch funktionieren kann. Franchisegeber haben ein Interesse daran, dass die neue Filiale einen Beitrag zum Gesamterfolg leistet. Bei einem Gespräch werden Gründer neben der persönlichen Eignung auch ihre fachliche unter Beweis stellen müssen. Auch wenn in der Systemgastronomie Vieles vorgegeben wird: Ohne Fachwissen und Erfahrungen wird es nicht möglich sein, Mitarbeiter und vor allem einen ganzen Betrieb zu führen. An diesem Punkt wird besonders deutlich, dass sich Gründungswillige in der Systemgastronomie in eine gewisse Abhängigkeit begeben und besonders zu Beginn eben nicht alles in der Hand haben.
 

Merkmale der Systemgastronomie in der Zusammenfassung

Standardisierte Organisationsstrukturen sorgen dafür, dass sich Franchisebetriebe einer Kette kaum unterscheiden lassen. Was für Gründer eintönig ist, kann für Kunden durchaus attraktiv sein, denn sie können an jedem Standort mit dem gleichen Leistungsspektrum rechnen (dies unter Umständen sogar weltweit). Die Einheitlichkeit zeigt sich vor allem mit Blick auf die Corporate Identity bzw. das äußere Erscheinungsbild. Ein bekanntes Logo sorgt auf den ersten Blick für einen hohen Wiedererkennungswert, der auf Kunden im Idealfall anziehend wirkt. Zum Vergleich: Bei der Umsetzung eines eigenen Konzepts müssen Kunden erst davon überzeugt werden, es wird quasi bei null angefangen. Marketing-, Vertriebs- und Einkaufsprozesse sind ebenfalls standardisiert, sodass der Betrieb sofort auf ein funktionales Umfeld bauen kann. Zudem müssen sich Gründer in der Systemgastronomie weniger Gedanken um Kalkulationen und Margen machen, denn alles wird in der Regel vorgegeben. Das kann so weit gehen, dass die Anzahl der Gurkenscheiben auf einem Burger für maximale Wirtschaftlichkeit vorgegeben werden. Vom Angebot her wird in der Systemgastronomie zwischen folgenden Bereichen unterschieden:

  • Full- oder Quickservice (Fastfood)

  • Außer-Haus-Service

  • getränkebetonte Freizeitgastronomie

  • Freizeitgastronomie (in Parks)

  • Handelsgastronomie

  • Verkehrsgastronomie (an Bahnhöfen etc.)

Wer noch keine konkrete Vorstellung in Bezug auf einen Anbieter für die Systemgastronomie hat, sollte zu den oben genannten Konzepten recherchieren und sich einen Überblick verschaffen. Dies gilt insbesondere für die Kosten, die mit einem Franchisesystem verbunden sind. Neben der Startgebühr (eine Art Startkapital) fallen vor allem Umsatzbeteiligungen und monatliche Gebühren ins Gewicht. Diese können sich je nach Anbieter und Marktmacht deutlich unterscheiden. Deshalb sollten verschiedene Angebote zu Beginn verglichen werden. Die Gebühren können in einem Rahmen von 5 bis 10 % liegen, Umsatzbeteiligungen sind meistens geringer.
 

Einheitliche Strukturen als Erfolgsfaktor?

Das, was auf den ersten Blick langweilig und eintönig aussieht, ist betriebswirtschaftlich sehr sinnvoll. Denn durch genaue Festlegungen und standardisierte Prozesse lässt sich einer hoher Ökonomisierungsgrad erreichen. Durch die Vorgaben wird sichergestellt, dass sich Existenzgründer nicht verrennen. Dies kann mit einem individuellen Konzept schnell passieren, wenn der Wareneinsatz nicht optimiert ist. Denn damit sinkt automatisch die Gewinnmarge. Insofern könnten auch Gründer in der Individualgastronomie von dieser Standardisierung profitieren, vor allem mit Blick auf eine gleichbleibend hohe Qualität.
 

Überblick: Welche Vorteile bietet die Systemgastronomie?

+ zeit- und ressourcenraubende Vorarbeiten entfallen, da sofort auf ein funktionierendes System zurückgegriffen werden kann

+ In der Regel liegt die Basis für einen Businessplan bereits vor, sodass das Einsammeln von Fremdkapital bei einem bekannten Markennamen deutlich einfacher wird

+ Durch klare Strukturen, Vorgaben und standardisierte Prozesse besteht der große Vorteil der Planbarkeit. Somit fällt es gerade in der Startphase einfacher, den Einsatz von Waren- und Mitarbeitern zu planen. Hinzu kommt, dass auf die Erfahrungswerte aus anderen Filialen zurückgegriffen werden kann

+ Die einheitliche Inneneinrichtung sorgt für einen professionellen und für Kunden wiedererkennbaren Auftritt. Existenzgründer müssen sich keine Gedanken für das Verkaufskonzept machen: Es steht ab dem Zeitpunkt der Vertragsunterschrift bereit

+ Gleichbleibende Qualität für die Kundenbindung: Können Kunden immer mit einer guten Qualität rechnen, so werden sie dem Unternehmen langfristig treu bleiben
 

Kosten und Verdienstmöglichkeiten in der Systemgastronomie

Die Höhe der Einstiegsinvestitionen lässt sich nicht pauschalisieren, aber Kosten um 20.000 Euro sind keine Seltenheit. Letztlich haben bekanntere und erfolgreichere Konzepte für die Systemgastronomie auch einen höheren Preis. Das sind die Preisfindungsmechanismen der Marktwirtschaft. Die potenziellen Gewinne werden durch monatliche Gebühren und Umsatzbeteiligungen gemindert. Das fällt aber nicht sehr stark ins Gewicht, wenn die Umsätze bzw. Gewinne sofort hoch ausfallen.
 

Verdienst als Franchisenehmer in der Gastronomie?

Auswertungen in der gesamten Franchisebranche zeigen, dass mit einem Verdienst zwischen 80.000 und 120.000 Euro vor Steuern zu rechnen ist. Kleinere Systemlösungen spielen Gewinne von etwa 45.000 Euro pro Jahr ein. Auf lange Sicht gesehen erlaubt eine Franchiselösung in der Gastronomie im Falle eines gut laufenden Betriebes sehr gute Verdienstmöglichkeiten. Erfahrungswerte aus der Branche zeigen, dass Verluste im ersten Jahr auch in einem Franchisesystem nicht unüblich sind. Während im zweiten Jahr die schwarze Null stehen sollte, ist ab Jahr 3 bereits mit sehr guten Umsätzen bzw. Verdienstmöglichkeiten zu rechnen. Insofern kann die anfängliche finanzielle Durststrecke, wie sie für eine Existenzgründung normal ist, im Bereich der Systemgastronomie deutlich kürzer ausfallen. Dies setzt allerdings einen hervorragenden Standort voraus. Das anfangs eingebrachte Kapital ist in der Regel nach etwa 5 Jahren amortisiert, wobei es sich um einen guten Wert handelt.
 

Welche Faktoren entscheiden über den Verdienst in der Systemgastronomie?

Im Vergleich zu vielen anderen Branchen finden sich in der Systemgastronomie vergleichsweise hohe Gewinnmargen. In Kombination mit standardisierten Abläufen lässt sich so eine Gewinnmaximierung vornehmen. Besonders bei der Höhe der anfänglichen Investitionskosten zeigen sich deutliche Unterschiede. Zu hinterfragen ist, welche Kosten für die Einrichtung bzw. Bestückung abgesehen von der Startgebühr bestehen. Je nach Anbieter können sich die Kosten auf 50.000 belaufen oder aber in die Dimensionen um 500.000 Euro hochschnellen. Wer derart hohe Kosten zu bedienen hat, wird naturgemäß weniger verdienen können. Die laufende Franchisegebühr ist auf das Jahr hochgerechnet sicher ein zentraler Faktor für die Verdienstmöglichkeiten in der Systemgastronomie. Wenn bis zu 12 % des Umsatzes fällig werden, dann sollte das auch in irgendeiner Weise gerechtfertigt sein. Konkret sollten Existenzgründer (ggf. vergleichend) darauf achten, welche Dienstleistungen und Hilfestellungen sie für diese Gebühr erwarten dürfen. Welche Marketinginstrumente lassen sich beispielsweise nutzen? Mit welchen Maßnahmen wird das System konsequent bzw. umsatzorientiert weiterentwickelt? Wer diese und weitere Fragen beantwortet und langfristige Effekte berücksichtigt, wird die Berechtigung der Kosten bessern einschätzen können.
 

Tipp: Gut zu wissen!

In Franchisesystemen muss über die Verdienstchancen aufgeklärt werden. Im Rahmen der vorvertraglichen Aufklärung besteht die Verpflichtung, den potenziellen Verdienst transparent darzustellen. Insofern sollten solche Gespräche nicht nur als Bewerbung genutzt werden. Auch die langfristige Vorteilhaftigkeit der Entscheidung für einen Franchiseanbieter sollte fokussiert werden.


Fazit: Lohnt sich der Weg über die Systemgastronomie?

Wer eine Existenzgründung in erster Linie betriebswirtschaftlich sieht und an ökonomischen Variablen festmacht, kann in der Systemgastronomie durchaus erfolgreich durchstarten. Auch das geringere finanzielle bzw. wirtschaftliche Risiko ist ein starkes Motiv für risikoaverse Existenzgründer. Durch das formale Korsett und das hohe Maß an Standardisierung wird es sich allerdings kaum um ein eigenes Projekt mit Herzblut handeln. Es handelt sich vielmehr um eine Existenzgründung nach Plan, die festen Vorgaben folgt. Zwar gibt es diese mit einem Businessplan in der Individualgastronomie ebenfalls: Von einem derart hohen Standardisierungsgrad kann aber keine Rede sein.
 

Zusammenfassung zum Thema ‚selbstständig machen in der Systemgastronomie‘

  1. Konzepte in der Systemgastronomie sind durch Standardisierung und einen hohen Grad an Ökonomisierung gekennzeichnet. Das sind die Hauptfaktoren für ihren zweifelsohne vorhandenen Erfolg

  2. Der Standort spielt für den Erfolg in der Systemgastronomie eine große Rolle. Ohne eine fundierte Standortanalyse funktioniert auch das beste Konzept nicht

  3. Im Gegensatz zu einer klassischen Existenzgründung ist eine Bewerbung erforderlich. Es gibt keine Garantie, von einem Anbieter in der Systemgastronomie eine Zusage zu bekommen

  4. Neben vorhandenem Kapital spielen daher vor allem Fachkenntnisse und relevante Berufserfahrungen eine wichtige Rolle

  5. Die Verdienstaussichten in der Systemgastronomie sind nicht zuletzt dank hoher Gewinnmargen sehr gut, wobei nennenswerte Gewinne in der Praxis erst ab dem dritten Geschäftsjahr erwartbar sind

  6. Zu den vorvertraglichen Pflichten des Franchisegebers gehört es, Transparenz in Bezug auf die Verdienstmöglichkeiten herzustellen.

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