Versicherungsschutz für selbstständige Trockenbauer

Trockenbauer spachtelt Gipswand

Als Selbstständiger tragen Sie nicht nur das finanzielle Risiko für Ihre Unternehmung. Sie sind auch für viele weitere Bereiche verantwortlich, beispielsweise für das Thema Steuern, Verantwortung für Mitarbeiter oder Schäden gegenüber Dritten. Als Arbeitnehmer machen Sie sich um diese Themen nicht viel Gedanken, das übernimmt der Chef. Wenn Sie selbstständig sind, sind Sie der Chef und tragen diese Verantwortung. Es gibt diverse Versicherungen, die Ihnen einige Sorgen abnehmen. Entsteht bei Ihnen ein finanzieller oder materieller Schaden, springt die Versicherung ein und übernimmt den Schaden – vorausgesetzt, Sie sind richtig versichert. Es gibt Risiken, die jeder Unternehmer hat, und es gibt tätigkeitsbezogene Risiken. Sie selbst müssen abwägen, welches Risiko bei Ihnen besonders existenzbedrohend werden kann, wenn tatsächlich ein Schaden eintritt. Einige Versicherungen sollten Sie auf jeden Fall abschließen, dazu zählen die Kranken- und die Berufsunfähigkeitsversicherung. Auch eine Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung sowie eine Berufsrechtschutzversicherung empfehlen sich.
 

Die Krankenversicherung

Ihre Gesundheit ist ein wichtiges Gut, das Sie entsprechend versichern sollten. Ob Sie sich privat absichern oder Mitglied der gesetzlichen Krankenversicherung werden, müssen Sie selbst entscheiden. Dabei können ein paar Fragen weiterhelfen:

  • Wie wichtig sind Ihnen umfangreiche Leistungen?

  • Wie viel Geld haben Sie monatlich zur Verfügung, um den Versicherungsbeitrag zu bezahlen?

  • Genügt Ihnen der Basisschutz oder wollen Sie den bestmöglichen Versicherungsschutz?

  • Wie sieht Ihre individuelle Situation aus? Sind Sie verheiratet und haben Kinder?
     

Risiko Berufsunfähigkeit richtig absichern

Die Berufsunfähigkeitsversicherung ist eine Versicherung, auf die keiner verzichten sollte, weder Arbeitnehmer noch Selbstständige. Arbeitnehmer sind zwar über die gesetzliche Erwerbsminderungsrente abgesichert. Dabei handelt es sich allerdings um einen Mindestschutz für den Fall der Erwerbsunfähigkeit. Als Selbstständiger sind Sie hier nicht automatisch versichert. Im Ernstfall tragen Sie das vollständige finanzielle Risiko der Erwerbsunfähigkeit. Insbesondere im Baugewerbe, mit schweren körperlichen Tätigkeiten, ist das Risiko für eine Berufsunfähigkeit sehr groß. Hauptursachen für Berufsunfähigkeit sind Nervenkrankheiten sowie psychische Erkrankungen, Erkrankungen des Skeletts und des Bewegungsapparates. Nur ein geringer Anteil entsteht durch einen Unfall.

Wichtig ist, dass der Versicherer auf das sogenannte abstrakte Weisungsrecht verzichtet. Steht das nicht in der Police, kann der Versicherer verlangen, dass Sie einen anderen Beruf ausüben und sich somit von der Leistung befreien. Sie erhalten erst Geld, wenn Sie komplett erwerbsunfähig sind. Erst durch den Verzicht haben Sie eine echte Berufsunfähigkeitsversicherung. Im Idealfall haben Sie die Berufsunfähigkeitsrente so gewählt, dass Sie im Ernstfall etwa die Höhe Ihres durchschnittlichen monatlichen Einkommens haben.
 

Die Berufs- oder Betriebshaftpflichtversicherung

Sie fragen sich jetzt wahrscheinlich, ob im Trockenbau tatsächlich eine Betriebshaftpflichtversicherung notwendig ist. In keiner Branche sind Sie vor Fehlern oder Fahrlässigkeit gefeit. Schäden können schnell eine Höhe erreichen, die Ihre Existenz bedroht.
 

Welche Tätigkeiten sollten in der Berufshaftpflicht Trockenbau eingeschlossen sein?

Bei der Absicherung geht es nicht darum, pauschal zu sagen, welche Tätigkeiten als Trockenbauer anfallen. Sie müssen genau abwägen, welche Tätigkeiten Sie tatsächlich durchführen. Wenn Sie beispielsweise als ergänzende Tätigkeit auch Elektro- und Sanitärinstallationen sowie Montagearbeiten vornehmen, sollten diese explizit in Ihrem Versicherungsvertrag erwähnt sein. Dabei spielt es keine Rolle, was in Ihrer Gewerbeanmeldung steht, sondern nur, was Sie tatsächlich an Arbeiten anbieten. Wenn sich Ihr Tätigkeitsbild verändert und Sie weitere Leistungen hinzunehmen, sollten Sie das umgehend der Versicherung melden. Nicht jede Erweiterung des Versicherungsumfang hat direkt eine Beitragserhöhung zur Folge.
 

Was könnte passieren? Beispiele für Schäden im Trockenbaubetrieb

In einem Großraumbüro stellen Sie dünne Trennwände auf, um kleinere Büroeinheiten zu erhalten. Sie sind bei dieser Routinearbeit stellenweise unachtsam und beschädigen Decken und Wände beim Einlassen der Metallschienen für die Trockenbauwände. Die Kosten für Ausbesserung und Reparatur verlangt der Auftraggeber von Ihnen.

Sie haben den Auftrag, in einem Lager Deckeneinbauten zu machen, die pro Raum bis zu 400 kg Tragkraft haben sollen. Sie haben Ihre Arbeit beendet und der Auftraggeber nutzt die Böden, um Werkzeug und Materialien zu lagern. Nach kurzer Zeit bricht die gesamte Tragevorrichtung zusammen. Das oben liegende Werkzeug und die Materialien sowie die unten verstauten Güter werden zerstört. Der Auftraggeber verlangt Schadenersatz von Ihnen.

Um bei den Arbeiten keine Schäden an Einbauten, dem Fußboden oder Mobiliar zu verursachen, haben Sie bei einem Kunden alles mit Folie ausgelegt. Jemand kommt herein, rutscht auf Ihrer Folie aus und bricht sich das Bein. In der Folge drohen Ihnen Schadenersatz- und Schmerzensgeldforderungen.
 

Die richtige Versicherungssumme für die Betriebshaftpflichtversicherung

Bei der Entscheidung für die richtige Versicherungssumme ist es in erster Linie ausschlaggebend, welche Arbeiten im Trockenbau Sie ausführen. Die Haupttarife der Versicherungen beinhalten eine Summe von zwei bis drei Millionen Euro für Personen- und Sachschäden. Kooperieren Sie häufiger mit öffentlichen Auftraggebern, sind Sie in der Regel vertraglich verpflichtet, eine Police mit fünf Millionen Euro Versicherungssumme nachzuweisen. Dabei können Sie die Versicherungssumme jederzeit an geänderte Umstände anpassen und zunächst mit einer geringeren Summe beginnen. Das macht sich an der jährlich zu entrichtenden Prämie bemerkbar.
 

Ist Selbstbeteiligung empfehlenswert?

Die Betriebshaftpflichtversicherung gibt es immer auch mit einer geringen Selbstbeteiligung pro Schadensfall, sodass die Versicherung für Bagatellschäden in Höhe von 150 bis 250 Euro nicht aufkommen muss. Die Betriebshaftpflichtversicherung soll Sie in erster Linie vor existenzbedrohenden Schäden schützen. Je nachdem, wie die Selbstbeteiligung ausgestaltet ist, können Sie damit Rabatte von bis zu 20 Prozent auf die Versicherungsprämie bekommen. Selbstbeteiligungen sind bis zu 1000 Euro denkbar. Sie müssen selbst entscheiden, wo Ihre Schmerzgrenze liegt und kalkulieren, ob die Ersparnis bei der Prämie diese Selbstbeteiligung aufwiegt. Dazu ist es ebenfalls wichtig, zu wissen, wie wahrscheinlich ein Schadensereignis ist.
 

Sparen Sie nicht an der falschen Stelle

Bei Fragen rund um Ihre Existenzsicherung sollten Sie nicht an der falschen Stelle sparen. Die Betriebshaftpflicht muss sämtliche Bereiche Ihrer unternehmerischen Tätigkeit abdecken. Das bedeutet, dass Sie den Versicherungsvertrag gründlich prüfen müssen, ob er Ihren Bedürfnissen genau entspricht. Die Versicherer bieten in der Regel Bedingungserweiterungen an. Wichtig ist beispielsweise, dass Bearbeitungsschäden – sogenannten Tätigkeitsschäden –ebenfalls eingeschlossen sind, und zwar in derselben Höhe wie die Sachschäden. Die genaue Höhe der Absicherung finden Sie in der Leistungsübersicht oder Sie fragen Ihren Ansprechpartner bei der Versicherung.
 

Die Rechtsschutzversicherung – sichern Sie sich für den Fall von Rechtsstreitigkeiten ab

Gegen Rechtsstreitigkeiten sind Sie nicht gefeit. Deshalb ist es sinnvoll, dass Sie sich als selbstständiger Trockenbauer mit einer Berufsrechtsschutzversicherung absichern. Wenn Sie ohnehin eine private Rechtsschutzversicherung haben, können Sie diese einfach um die Berufsrechtsschutzversicherung gegen einen Mehrbeitrag erweitern. Wenn Sie viel mit Kunden zu tun haben, was als Trockenbauer sicher der Fall ist, ist das Risiko besonders groß, dass jemand sie verklagt.
 

Beispiele:

Sie haben in einem Einfamilienhaus Zwischenwände in Trockenbauweise aufgestellt. Der Kunde ist mit der Ausführung total unzufrieden und fordert, dass Sie nachbessern. Das bedeutet für Sie einen erheblichen Mehraufwand. Mit einer Berufsrechtsschutzversicherung haben Sie die Möglichkeit, einen aus Ihrer Sicht unberechtigten Vorwurf zurückzuweisen und sich dagegen zu wehren.

Sie streiten mit einem Kunden über die Bezahlung einer Rechnung. Die Firmenrechtsschutzversicherung übernimmt hier die Kosten für die Erstberatung, Anwalts- und Gerichtskosten und auch für die Beauftragung eines Inkassounternehmens.

Die Berufsrechtsschutzversicherung kann Ihnen auch in steuerlicher Hinsicht hilfreich sein. So kann es beispielsweise mitten im Geschäftsjahr passieren, dass Sie noch keine genaueren Angaben zu Ihren Einkünften machen können. Daraufhin wird das zuständige Finanzamt eine Steuerschätzung vornehmen. Ist diese Ihrer Meinung nach zu hoch angesetzt, können Sie sich dagegen wehren. Die Anwaltskosten dafür übernimmt dann Ihre Rechtsschutzversicherung. Ohne Versicherung können Sie die Anwaltskosten vielleicht gar nicht bezahlen, sodass Sie davon absehen müssten, sich zu wehren. Schlimmstenfalls müssten Sie die so festgesetzten Steuern bezahlen. Das kann existenzgefährdend sein, wenn Ihre finanzielle Situation noch nicht stabil ist.
 

An die allgemein wichtigen Versicherungen denken

Jeder, unabhängig davon, ob er selbstständig ist oder nicht, sollte bestimmte Versicherungen haben, um sich vor dem finanziellen Ruin zu schützen. Wenn Sie schon dabei sind, Ihre Existenz abzusichern, dürfen Sie nicht vergessen, dass im privaten Bereich auch immer wieder Risiken lauern, die Sie ruinieren können. Folgende Versicherungen sollten Sie dabei unbedingt überprüfen:

  • die Privathaftpflichtversicherung

  • die Hausratversicherung

  • die private Unfallversicherung

  • bei vorhandenem Wohneigentum: die Wohngebäudeversicherung
     

Welche Policen könnten noch sinnvoll sein?

Bereits zu Beginn Ihrer Selbstständigkeit sollten Sie sich Gedanken über Ihre Geschäftstätigkeit machen. Mitunter brauchen Sie noch weitere Policen neben den üblichen Versicherungen, die erst mit Beginnt der Selbstständigkeit für Sie bedeutend werden. Am besten ist es, sich neutral zu informieren, damit Sie sich schließlich optimal gegen Ihre individuellen Risiken absichern können.

So kann es beispielsweise sinnvoll sein, das Risiko „Einbruch-Diebstahl aus dem Fahrzeug“ speziell abzusichern. Das ist dann der Fall, wenn Sie Werkzeuge, Maschinen und Materialien regelmäßig im Fahrzeug lassen. Die Versicherung sollte auch dann den Schaden regulieren, wenn die Sachen aus dem Baucontainer, dem Bauwagen oder den Gebäuden auf der Baustelle gestohlen wurden.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr ohne weiteres in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich hier nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in 2019 zwischen ... [ weiter... ]

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