Selbstständig machen als Werkstoffprüfer

Werkstoffprüfer untersucht Maschine

Wir verlassen uns jeden Tag darauf, dass Materialien halten: Wer sich auf sein Motorrad setzt, geht davon aus, dass alle Teile halten. Gleiches gilt für passionierte Skater, die gerne mit ihrem Board waghalsige Manöver mit hohen Belastungen für das Material durchführen. Die Beispielliste von täglichen Gebrauchsgegenständen ließe sich unendlich fortführen. Wer aus der notwendigen Belastbarkeit von Materialien eine Geschäftsidee ableiten möchte, kann dies hier in praxisorientierter Form tun: selbstständig machen als Werkstoffprüfer.
 

Was machen eigentlich Werkstoffprüfer?

Durch die Analyse vornehmlich von Stahl und diversen Verfahren zur Wärmebehandlung stellen Werkstoffprüfer sicher, dass eingesetzte Materialien halten und spezifischen Anforderungen gerecht werden. Ein großer Teil der Tätigkeit als Werkstoffprüfer findet daher im Labor statt. In der Produktion eingesetzte Werkstoffe müssen mit verschiedenen Prüfverfahren auf Festigkeit, Härte, Verformbarkeit und Zähigkeit getestet werden. Auch äußere Einflüsse wie Kälte oder Hitze müssen analysiert werden. Nur so lässt sich langlebige und im wahrsten Wortsinne belastbare Qualität sicherstellen. In der staatlich anerkannten Berufsausbildung lernen Werkstoffprüfer, selbstständig metallische Werkstoffe zu analysieren und gezielte Veränderungen in die gewünschte Richtung durch bestimme Verfahren zu erreichen. In der Ausbildung stehen Themen wie Wärmebehandlung (inkl. chemische und physikalische Grundlagen), Werkstofftechnik und Metallografie auf dem Lehrplan. Werkstoffprüfer arbeiten üblicherweise in Metallbaubetrieben oder in so genannten (Lohn)härtereien. Das wird das berufliche Umfeld sein, auf das die Existenzgründung als Werkstoffprüfer auszurichten ist. Der folgende Beitrag möchte dazu mit ausgewählten Themen inspirierende Hilfestellungen leisten und zentrale Rahmenbedingungen und Voraussetzungen beleuchten.
 

Existenzgründung als Werkstoffprüfer: selbstständig machen in der Lohnhärterei

  • Analyse der Ausgangslage

  • Erfolg ist planbar: Existenzgründung mit einem ausgereiften Businessplan

  • Kunden gewinnen als selbstständiger Werkstoffprüfer

  • Voraussetzungen, um sich als Werkstoffprüfer selbstständig zu machen

  • Verdienst als selbstständiger Werkstoffprüfer
     

Analyse der Ausgangslage

Am Beginn einer Existenzgründung steht erfahrungsgemäß die Frage nach beruflichen Alternativen. Wer sich für den Weg in die Selbstständigkeit entscheidet, wird eventuell in seinem Beruf keine guten Bedingungen für eine Anstellung vorfinden. Für Werkstoffprüfer gilt diese Ausgangslage aber nicht, denn es handelt sich um stark begehrte Fachkräfte. Durch den Fachkräftemangel sollte es keine Probleme geben, eine attraktive Stelle zu finden, zumal es sich um einen recht gut bezahlten Job handelt (zu Details siehe den Abschnitt zu den Verdienstmöglichkeiten). Wer sich als Werkstoffprüfer selbstständig machen möchte, sollte dies aus innerer Überzeugung mit dem Wunsch tun, alle Geschicke und Entscheidungen selbst in die Hand zu nehmen. Eine ganzheitliche Planung, für die im Folgenden wichtige Themen angeführt werden sollen, kann beruflichen Erfolg als selbstständiger Werkstoffprüfer sicherstellen.
 

Kurze Analyse zum relevanten Wettbewerbsumfeld

Grundsätzlich wird sich die Existenzgründung als Werkstoffprüfer in der metallbe- sowie verarbeitenden Industrie anzusiedeln. Es handelt sich um stark spezialisierte Betriebe, die sich auf Werkstofftechnik bzw. Wärmebehandlung ausgerichtet haben. Ein typischer Betrieb für Werkstoffprüfer ist eine Härterei. Auch in Betrieben des Metallbaus sind die Fachkenntnisse gefragt. Da Materialien mit einer bestimmten Beschaffenheit für finale Erzeugnisse gefertigt werden, handelt es sich um eine Zuliefererindustrie. Als Abnehmer spielt die Autoindustrie hierzulande eine große Rolle. Je nach Standort können aber auch andere produzierende Betriebe in den Fokus rücken. Aktuell gibt es in Deutschland knapp 170 Härtereien. Knapp 7.000 Mitarbeiter erwirtschafteten in dieser Branche 2017 deutlich über 1 Milliarde Euro Umsatz. Viele Lohnhärtereien sind dem industriell geprägten Mittelstand zuzuordnen und meistens inhabergeführt, wodurch die Geschäftsstrukturen grob skizziert sind. Die durchschnittliche Zahl der Mitarbeiter liegt etwas über 30. Was die Standorte bzw. Konkurrenzsituation angeht, sei darauf verwiesen, dass sich 40 % der Härtereibetriebe in NRW befinden. 25 % haben sich in Baden-Württemberg, 10 % in Bayern und 15 % in den neuen Bundesländern angesiedelt. Dies zeigt ganz deutlich, wo mit der größten Nachfrage (aber auch Konkurrenz) zu rechnen ist und wo mit einer Unternehmensgründung als Werkstoffprüfer neue Geschäftsfelder erschlossen werden können.
 

Zukunftsaussichten: selbstständig machen als Werkstoffprüfer?  

Experten schätzen, dass von der Rohteilfertigung bis zum Fertigprodukt eine Wertschöpfungskette von etwa 10 Milliarden Euro Umsatz zwischengeschaltet ist. Auf Lohnhärtereien als mögliche Betriebsform für Werkstoffprüfer entfallen etwa 7 bis 8 % dieser Wertschöpfungskette. In anderen Ländern liegt dieser Anteil teils deutlich über 10 %, sodass sich hierzulande eine gewisses Nachholpotenzial bei der Wärmebehandlung abzeichnet. Dadurch ergeben sich in den kommenden Jahre neue Wachstumsperspektiven, wozu aber der Betrieb sehr wirtschaftlich aufgestellt sein muss. Letztlich sorgt der internationale Wettbewerb für einen hohen Kostendruck, der sich als Erfolgsfaktor für die Existenzgründung als Werkstoffprüfer erweisen wird.

Innovationen sind ein strategisches Mittel, um die eigene Marktposition zu behaupten respektive auszubauen und neue Geschäftsfelder zu erschließen. Wer ein Unternehmen als Werkstoffprüfer gründen will, wird dieses im internationalen Wettbewerb gut aufstellen müssen. Ansonsten besteht der Zwang, alle Geschäfte nur mit deutschen Kunden abwickeln zu müssen, was sich je nach Standort als komplexe Herausforderung erweisen kann. Wer sich angesichts dessen als Werkstoffprüfer selbstständig machen will, sollte das internationale Umfeld genau analysieren und daraus Chancen ableiten. Eine SWOT-Analyse ist ein zielführender Rahmen, um Chancen sowie Risiken für ein Geschäftsmodell im Zielmarkt zu identifizieren.
 

Erfolg langfristig mit einer Berufsausbildung planen

Eine Berufsausbildung und einschlägige Berufserfahrungen sind die besten Voraussetzungen für eine perspektivische Existenzgründung. Viele junge Menschen fragen sich, was sie nach der Ausbildung machen sollen. Wer weiß, dass er irgendwann sein eigener Chef sein will, kann mit der Vertiefung während der Ausbildung schon die Grundlagen legen. Bei der Wahl der Vertiefung als Spezialisierung sollten jetzige und künftige Chancen am Markt beleuchtet werden. Werkstoffprüfer können sich in diesen Bereich vertiefen: Metalltechnik, Halbleitertechnik und Wärmebehandlungstechnik. Aus der Vertiefung erwächst das Leistungsspektrum für spätere Kunden und es ergibt sich die Chance, eine profitable Nische am Markt zu besetzen.
 

Erfolg mit dem Businessplan sicherstellen: Handlungsfelder

Die Entscheidung für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit als Werkstoffprüfer ist gefallen. Nun muss dieser Weg im Businessplan konkrete Formen annehmen. Angesichts der skizzierten Rahmenbedingungen müssen die Dimensionen der Geschäftsidee deutlich werden, da hiervon der planerische sowie der finanzielle Umfang im Wesentlichen abhängen. Grundsätzlich ist es möglich, als Freelancer auf Projektbasis mit Unternehmen in der Zielbranche zu arbeiten. Diese Option ist für einen bestimmten Aktionsradius zu prüfen: Wie viele Unternehmen gibt es und wie viele davon arbeiten auf Projektbasis mit Fachexperten zusammen? In dieser Branche werden die meisten Unternehmen Fachkräfte aufgrund des Mangels fest an sich binden wollen, sodass die Projektarbeit sich als sehr mühsam und ungewiss erweisen kann.
 

Unternehmen gründen als selbstständiger Werkstoffprüfer

Insofern wird die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Werkstoffprüfer‘ es je nach ausführlicher Standortanalyse notwendig machen, ein Unternehmen im Bereich Werkstofftechnik zu gründen (z.B. eine Härterei oder Lohnhärterei). Wer ein Unternehmen im Bereich Werkstoffprüfung gründen will, bringt idealerweise abgesehen von der fachlichen Qualifikation relevante Berufserfahrungen mit. Die Gründung eines Betriebes ist mit hohen Kosten verbunden. Abgesehen von Personal- und Gründungskosten (Kosten für Notar etc.) sind vor allem Kosten für Räumlichkeiten und die gesamte Einrichtung zu kalkulieren. Die Personalgewinnung kann sich angesichts des Fachkräftemangels als schwierig erweisen, sodass mit dieser erfolgskritischen Aufgabe schon in einer frühen Phase begonnen werden sollte.
 

Themen und zu beantwortende Fragen im Businessplan

Im Businessplan sind alle Geschäftsfelder ganzheitlich zu planen und zielfokussiert auszurichten:

  • Welche Chancen ergeben sich am Standort?

  • Welche Zielgruppe soll mit welchem Leistungsspektrum angesprochen werden?

  • Wie werden Angebote kalkuliert?

  • Welche strategische Position soll der Betrieb in der Zuliefererbranche einnehmen?

  • Wie kann die Finanzierung sichergestellt werden und mit welchen Kosten sowie Einnahmen ist in den ersten Geschäftsjahren zu rechnen?
     

Insbesondere bei den Finanzen sollten Existenzgründer ihre Hausaufgaben ganz genau machen, denn an unrealistischen Zahlen und Szenarien sind schon viele ambitionierte Selbstständige gescheitert. Wer zudem den hohen Kapitalbedarf decken will, wird externe Geldgeber und/oder Investoren mit dem Businessplan überzeugen müssen. Nur so lässt genügend Fremdkapital nutzen, um das Unternehmen langfristig am Markt zu platzieren. Da die Finanzen naturgemäß bei jeder Existenzgründung erfolgskritisch sind, sollten alle Fördermöglichkeiten konsequent ausgeschöpft werden. Hier auf diesem Portal können sich Gründer zu diesem Thema zielfokussiert informieren. Mit einer Vorlage für einen Businessplan im industriellen Bereich können unerfahrene Gründer einen professionellen Rahmen nutzen, um ihre Geschäftsidee ganzheitlich sowie potenzialorientiert auf den Punkt zu bringen.
 

Kunden gewinnen als Werkstoffprüfer: Marketing

Um Kunden überhaupt gewinnen zu können, muss die Nachfrage für den definierten Aktionsradius belastbar sein und langfristig Wachstumsperspektiven eröffnen. Idealerweise bringen Gründer schon eine gewisse Bekanntheit und eine gute Vernetzung in der Branche mit, sodass die Startphase aufgrund zahlreicher Geschäftsbeziehungen leichter fallen kann. Da sich Werkstoffprüfer zumeist in der Zuliefererindustrie bewegen, sind Kooperationen und etwaige Verträge zu prüfen. Mit welchen Unternehmen lässt sich langfristig eine strategische Partnerschaft eingehen, um für eine hohe Auslastung zu sorgen? Es versteht sich von selbst, dass die Konditionen einer Kooperation für das eigene Unternehmen möglichst vorteilhaft sein sollten. Einseitige Kooperationen sind zu vermeiden, um sich nicht nur von einem großen Abnehmer abhängig zu machen. Geschäftsaktivitäten sollten vielmehr so ausgerichtet werden, dass Risiken gestreut werden können.
 

Bekanntheit als Kundenmagnet…

Wer Kunden als Werkstoffprüfer mit seinem Betrieb gewinnen will, muss Bekanntheit erlangen. Es gilt, gerade im Internet auffindbar zu sein und die eigene Reichweite zu erhöhen. Für eine internationale Geschäftsausrichtung bietet sich das Internet als multifunktionale Marketingwaffe geradezu an. Zu Beginn sollte nicht an einer modernen, suchmaschinenoptimierten Homepage gespart werden, zumal sich in diesem Bereich gerade im Mittelstand teils Nachholbedarf abzeichnet. Insofern gilt es für neue Unternehmen, der Konkurrenz in diesem Bereich von Beginn an einen entscheidenden Schritt voraus zu sein.
 

Voraussetzungen, um sich selbstständig als Werkstoffprüfer zu machen

Generell darf eine absolvierte Berufsausbildung als Voraussetzung gelten, denn ohne das notwendige Fachwissen wird sich diese komplexe Geschäftsidee nicht umsetzen lassen. Für eine erfolgreiche Existenzgründung dürfen natürlich auch kaufmännische Kenntnisse nicht fehlen. Abgesehen von allen Pflichten rund um die Buchführung gilt es, für wirtschaftliche bzw. kostenorientierte Strukturen zu sorgen. In den Anlagen A und B der Handwerksordnung wird die Tätigkeit Werkstoffprüfer nicht aufgeführt, sodass von dieser Seite her grundsätzlich nicht mit nennenswerten Hürden zu rechnen ist. Jedoch wird der Metallbauer als sehr verwandter Beruf in Anlage A der zulassungspflichtigen Gewerbe mit Meisterpflicht geführt.
 

Voraussetzungen sind im Einzelfall in Erfahrung zu bringen

Je nach Leistungsspektrum und einer eventuellen handwerklichen Ausrichtung kann es durchaus sein, dass ein Meistertitel für die konkrete Geschäftsidee vorzuweisen ist. Verallgemeinern lassen sich die Voraussetzungen für eine Existenzgründung nicht. Maßgeblich sind der Qualifikationshintergrund des Gründers und das Leistungsprofil der beruflichen Selbstständigkeit. Durch ganzheitliche Leistungsspektrum verschmelzen die Grenzen zwischen einzelnen Bereichen zusehends, sodass die individuellen Voraussetzungen für eine Existenzgründung als Werkstoffprüfer schon in der Anfangsphase der Planung in Erfahrung gebracht werden müssen. Die Gewerbeanmeldung wird aber unabhängig von der konkreten Geschäftsausrichtung eine zu erledigende Formalität sein.
 

Verdienst als Werkstoffprüfer nach Existenzgründung?

Für angestellte Werkstoffprüfer wird ein durchschnittliches Monatsbruttogehalt von knapp 3.000 Euro angegeben. Je nach Position, Erfahrungen und besonderen Qualifikationen kann dieses Gehalt deutlich höher ausfallen. Ganz in diesem Sinn muss es das Ziel eines selbstständigen Werkstoffprüfers sein, ein deutlich höheres Gehalt zu erzielen, zumal die Kostenstruktur eine andere ist. Selbständige müssen alle Kosten für Sozialversicherungen und die Rentenvorsorge selbst aufbringen, es gibt keinen 50%-tigen Arbeitgeberzuschuss. Mit der Existenzgründung haben Werkstoffprüfer die Höhe des Verdienstes im Wesentlichen in den eigenen Händen: Je besser die Auftragslage und je wirtschaftlicher und kostenorientiert die Geschäftsführung ist, desto höher kann der Verdienst als selbstständiger Werkstoffprüfer ausfallen. Nachhaltig denkende Geschäftsleute haben neben der Höhe des Verdienstes vor allem die Entwicklung des Unternehmens im Kopf. Daher ist es in der Startphase nach der Existenzgründung nicht unüblich, auf Lohn zu verzichten und gewonnene finanzielle Mittel direkt wieder in den Betrieb zu investieren.

 

Kurzzusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Werkstoffprüfer‘

  1. Werkstoffprüfer behandeln Metalle und andere Materialien nach einer technischen Analyse so, dass sie dauerhaft halten und funktional sind

  2. Es handelt sich um eine zukunftsorientierte Branche mit stabilem Wachstum, die in den Bundesländern unterschiedlich stark verteilt und überwiegend mittelständisch geprägt ist

  3. Eine Unternehmensgründung vollzieht sich in einem international hart umkämpften Wettbewerb

  4. Angesichts der guten Chancen am Arbeitsmarkt stellt sich zu Beginn die Frage nach der Motivation für die Existenzgründung als Werkstoffprüfer

  5. Eine gute Vernetzung in der Branche, langfristige Kooperationen und ein reichweitenstarkes Internetmarketing sind wichtige Voraussetzungen, um Kunden gewinnen zu können

  6. Eine Berufsausbildung darf als wesentliche Voraussetzung gelten, um sich erfolgreich als Werkstoffprüfer selbstständig zu machen

  7. Maßgeblich für eventuelle Hürden und Auflagen sind das konkret angebotene Leistungsspektrum und der Qualifikationshintergrund des Gründers

  8. Die Gewerbeanmeldung und die steuerliche Erfassung der selbstständigen Tätigkeit beim Finanzamt sind wichtige Formalien, die vor Aufnahme des Geschäftsbetriebes erledigt werden sollten.

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