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Selbstständig machen als Dermatologe

Dermatologe bei Laserbehandlung

Spätestens mit der Spezialisierung im Medizinstudium stellt sich die Frage nach beruflichen Perspektiven: Soll es eine Anstellung mit erhofften Karriereoptionen sein oder doch lieber der Weg in die Selbstständigkeit als Facharzt mit einer eigenen Praxis? In diesem Beitrag soll die letzte Option in jeder Hinsicht Praxis orientiert beleuchtet werden.

Wer sich für die Fachrichtung Dermatologie entscheidet, kann mit der Option ‚selbstständig machen als Hautarzt‘ attraktive Verdienst- sowie Selbstverwirklichungsmöglichkeiten nutzen. Doch was ist mit Blick auf die Niederlassung als Facharzt zu beachten? Welche formalen Voraussetzungen sind zu erfüllen? Welche strategischen Optionen gibt es generell für die Selbstständigkeit als Hautarzt (Dermatologe)? Diese Fragen und folgende Themen werden in diesem Beitrag beleuchtet.
 

Existenzgründung als Hautarzt (Dermatologe): selbstständig machen mit PRAXISorientierung!

  • Sondierung der Ausgangslage

  • Praxisgründung: Standortanalyse und Finanzierungsstrategie

  • Themen für die erfolgsorientierte Praxisorganisation

  • Formale Voraussetzungen, um sich als Hautarzt selbstständig zu machen

  • Die Rolle des Internets im zeitgemäßen Marketing

  • Telemedizin: neue Chancen ergreifen
     

Niederlassung als Hautarzt (Facharzt): mögliche Behandlungsschwerpunkte

Wer sich als Hautarzt (Dermatologe) nach der Facharztausbildung niederlassen möchte, muss schon im Studium die Grundlagen für das spätere Behandlungsspektrum legen. Insofern wird deutlich, dass der Weg in die Selbstständigkeit langfristig geplant werden sollte. In dieser Hinsicht gilt es, während des Studiums und der Facharztausbildung möglichst viele PRAXISerfahrungen zu sammeln, damit später eine eigene Praxis mit fundierten Erfahrungswerten hochgezogen werden kann. Generell wird in diesem Bereich zwischen folgenden Schwerpunkten unterschieden:

  1. Konservativ-kurativer Schwerpunkt (operative Dermatologie): Behandlung von akuten Krankheitsbildern einschließlich operativer Eingriffe in ambulanter Form

  2. Ästhetisch-kosmetischer Bereich: z.B. Entfernung von Warzen, Lasertherapie (kann auch medizinisch sinnvoll sein) oder Botox-Behandlungen

Innerhalb dieser Richtungen kann das Behandlungsspektrum durchaus breit gefächert sein. Idealerweise ist es konsequent an den Bedürfnissen der Patienten am Standort ausgelegt. Zu bedenken ist, dass eine medizinische Grundversorgung im Fachbereich immer gegeben sein muss (man denke etwa an das Thema Hautkrebsvorsorge). Da Millionen Menschen von einer Kontaktallergie oder sonstigen Unverträglichkeiten betroffen sind, bedienen viele niedergelassene Hautärzte auch das Feld der Allergologie.
 

Perspektiven: Was bedeutet die Praxisgründung als Hautarzt?

Zu Beginn müssen nicht nur die fachlichen, sondern auch die persönlichen Voraussetzungen geklärt werden, damit nachhaltigem Erfolg nichts im Wege steht. Zu bedenken ist, dass eine selbstständige Tätigkeit als Hautarzt nicht mit dem Alltag in einer Klinik zu vergleichen ist. In erster Linie herrscht gerade in der Startphase eine nicht zu leugnende finanzielle Unsicherheit. Die große Gestaltungsfreiheit erfordert es, dass Personal zielorientiert und motivierend zu führen ist. Zuvor muss natürlich geeignetes Personal erst gefunden werden, wofür ausreichend Zeit einzuplanen ist. Natürlich sollte gerade bei einem kleinen Team darauf geachtet werden, dass die Chemie stimmt. Ansonsten kann es schwierig werden, für Patienten selbst in freundlichen gestalteten Räumen ein Wohlfühlflair zu erzeugen (sofern dies beim Arzt überhaupt möglich ist). Alle Prozesse in der eigenen Hautarztpraxis müssen von der Abrechnung bis hin zum generellen Praxismanagement selber bewältigt werden. Es gilt, sich schon in der Frühphase der Existenzgründung Klarheit darüber zu verschaffen, wie die tägliche Arbeitsroutine aussehen soll.

Praxistipp: Niederlassungsseminare für eine ganzheitliche Vorbereitung

Gerade junge und unerfahrene Fachärzte fühlen sich nicht selten angesichts der Flut an Themen und Planungsaufgaben überfordert. Ein Niederlassungsseminar beim Berufsverband der Deutschen Dermatologen (BVDD) ist eine praxisorientierte Möglichkeit, um sich ganzheitlich auf alle bevorstehenden Aufgaben und Herausforderungen vorzubereiten.


Standortanalyse & Finanzierungsstrategie

Ziel einer eigenen Hautarztpraxis muss es sein, eine gute Auslastung sicherzustellen. Nur so kann ein wirtschaftlicher Betrieb mit einem möglichst hohen Einkommen erzielt werden. In dieser Hinsicht haben Hautärzte sehr gute Karten, zumal Mediziner hierzulande generell zu den am besten verdienenden Berufsgruppen zählen. Die Basis für den Erfolg als niedergelassener Hautarzt muss mit einem guten Standort gelegt werden. Dieser sollte sich dadurch auszeichnen, dass ein akuter Bedarf an hautärztlicher Versorgung vorhanden ist. Aktuellen Zahlen zufolge ist dies vor allem im ländlichen Raum der Fall, da sich die große Mehrheit der Hautärzte in größeren Städten niederlässt. Die Standortanalyse muss mit belastbaren Zahlen zeigen, dass eine Praxiseröffnung auf Dauer vielversprechend erscheint. Durch den demografischen Wandel wird der Bedarf an Fachärzten auch in diesem Bereich in den kommenden Jahren steigen. Neben dem Standort müssen natürlich auch attraktive Räumlichkeiten gefunden werden. Sie müssen groß und funktional aufgebaut sein, möglichst mit einem großen Empfangsbereich. Es müssen mehrere Räume für Behandlungen und ggf. auch ein Labor vorhanden sin. Und schließlich müssen die Räumlichkeiten sich durch gute Erreichbarkeit auszeichnen. Beliebt sind auch Räumlichkeiten in einem Ärztehaus.
 

Hoher Kapitalbedarf erfordert ganzheitliche Planung

Aktuelle Zahlen zeigen, dass für die Gründung einer Arztpraxis schnell Kosten im sechsstelligen Bereich entstehen. Abgesehen von der Renovierung und Einrichtung sind es vor allem die notwendigen technischen Geräte, die die Kosten in die Höhe treiben. Insofern wird ein professioneller Businessplan auszuarbeiten sein, um an Kredite oder Darlehen zu kommen. Generell dürften es Hautärzte leichter haben, an externes Kapital zu gelangen, da der Praxisbetrieb in aller Regel profitabel ist. Dennoch werden Geldgeber vor allem beim Standort und bei den zugrunde gelegten Kalkulationen zum Finanzbedarf sehr genau hinschauen. Um größtmögliche Handlungsspielräume zu nutzen, sollten im Vorfeld alle Finanzierungsoptionen (auch solche jenseits von Banken) ernsthaft geprüft werden.
 

Zentrale Themen für die Praxisgründung als Dermatologe/Hautarzt

Praxis (gemeinsam) gründen oder übernehmen?

Zu Beginn muss Klarheit darüber herrschen, ob eine neue Praxis eröffnet oder eine vorhandene übernommen wird. Von der Kostenseite her sind die Unterschiede nicht gravierend, wobei eine Übernahme tendenziell teurer ist. Demgegenüber steht aber der klare Vorteil, dass ein sofort laufender Praxisbetrieb mit vorhandenem Patientenstamm übernommen werden kann. Insofern ist bei der Standortanalyse auch zu erörtern, ob es Optionen für die Übernahme einer Hautarztpraxis gibt. Unter Umständen müssen Kalkulationen zeigen, welche dieser Optionen im konkreten Fall die bessere ist. Letztlich hängt es auch vom Gründer selbst ab. Wer alles von Grund auf selber in die Hand nehmen möchte, wird mit einer Übernahme ggf. nicht glücklich. Zu bedenken ist, dass der vorhandene Patientenstamm mit einer gewissen Erwartungshaltung agieren wird. Im Trend liegen Gemeinschaftspraxen: Auf diesem Wege lässt sich für den Arzt das wirtschaftliche Risiko minimieren und Patienten genießen den Vorteil eines breiteren Behandlungsspektrums in nur einer Praxis. Sofern ein Zusammenschluss mit anderen Hautärzten angestrebt wird, ist eine entsprechende funktionale Rechtsform zu wählen.
 

Zielgruppe/Auslastung: gesetzlich und/oder privat Versicherte?

In der Regel nehmen Facharztpraxen beide Zielgruppen auf. Aus wirtschaftlicher Sicht sind Privatpatienten natürlich attraktiver, da sie wesentlich höhere Honorare ermöglichen. Für gesetzlich Versicherte gibt es in der Regel nur ein begrenztes Budget pro Quartal. Trotzdem will es wohl überlegt sein, sich zu 100 % auf Privatpatienten zu fokussieren. Denn je nach Standort kann es sein, dass die Auslastung aufgrund der fehlenden Nachfrage nicht gut ist. Dann würden auch die höheren Honorare verpuffen. In der Praxis erweist sich eine gesunde Mischung als gangbar.
 

Behandlungsspektrum: Grundversorgung, Spezialgebiete und…?

Das Behandlungsspektrum gibt niedergelassenen Hautärzten die Chance, sich gezielt von der Konkurrenz abzuheben und für eine bestimmte Zielgruppe attraktiv zu sein. Insofern kann es Sinn machen, eine Hautarztpraxis mit allergologischem Schwerpunkt ins Leben zu rufen. Durch die Grundversorgung (akute Krankheitsbilder, Krebsvorsorge etc.) wird die Basis für einen nachhaltigen Praxisbetrieb gelegt. Zu überlegen ist ferner, inwiefern IGEL-Leistungen (für Selbstzahler) angeboten werden sollen. Welchen Nutzen können sie mit Blick auf das Behandlungsspektrum stiften? Wie lassen sich diese Zusatzangebote diskret vermarkten? Natürlich kann sich das Leistungsspektrum auch auf den Bereich der Hautpflege erstrecken. Sofern der Bereich der Selbstzahler strategisch stärker gewichtet werden soll, können entsprechende Behandlungsmethoden gezielt forciert werden. Es versteht sich von selbst, dass die benötigte fachliche Expertise im gesamten Team vorhanden sein muss. Niedergelassene Fachärzte in diesem Bereich haben idealerweise ein Gespür für Trends mit Blick auf kosmetische Hautbehandlungen. Sehr beliebt und effektiv zugleich sind Laserbehandlungen. Entsprechende Technik ist zwar teuer, sie lässt sich aber ggf. im medizinischen und ästhetischen Bereich einsetzen, um das Hautbild in vielerlei Hinsicht zu verbessern.
 

Professionelle Praxisorganisation sicherstellen

In den Nachrichten ist immer öfter davon zu hören, dass Patienten Monate auf einen Facharzttermin warten müssen. Im Vorfeld der Gründung lassen solche Meldungen in Bezug auf einen konkreten Standort den Schluss zu, dass ein akuter Behandlungsmangel herrschen muss. Im späteren Praxisbetrieb können verärgerte Patienten aber ein Problem werden, wenn sie sich negativ über die Praxis äußern (z.B. auf Bewertungsportalen). Insofern sollte die Terminvergabe so geordnet werden, dass Termine (ggf. nach Dringlichkeit) zeitnah vergeben werden. Eine morgendliche Notfallsprechstunde kann jeden Tag sicherstellen, dass Patienten schnell eine professionelle hautärztliche Behandlung genießen können. Wartezeiten bei Terminen lassen sich nicht immer vermeiden, selbst bei der besten Organisation. Daher gilt es, wartenden Patienten die Zeit so angenehm wie möglich zu gestalten. Hier sind der Kreativität kaum Grenzen gesetzt, um sich gegenüber der Konkurrenz abzuheben. Immer mehr Praxen gehen auch dazu über, dass Termine (zumindest ein Teil aus dem gesamten Kontingent) flexibel online gebucht werden können. Die Praxisorganisation ist aber vor allem auch in betriebswirtschaftlicher Hinsicht professionell zu gestalten, vor allem was erforderliche Abrechnungen und einzuhaltende Formalien und Fristen anbelangt. Als Arbeitgeber müssen niedergelassene Hautärzte natürlich auch dafür sorgen, dass sie die Gehälter und Sozialversicherungsbeiträge von Mitarbeitern rechtzeitig überweisen. Auch die gesetzlich vorgeschriebenen Buchhaltungspflichtigen müssen eingehalten werden.
 

Formale Erfordernisse im Vorfeld der Praxisgründung

Wer sich als Hautarzt selbstständig machen bzw. niederlassen will, muss die Facharztausbildung (Approbation) erfolgreich hinter sich haben. Hierzu ist je nach Gebiet/Vertiefung eine Weiterbildungszeit von bis zu 60 Monaten einzuplanen. Erneut wird deutlich, dass der Weg in die Selbstständigkeit als Hautarzt eher langfristiger Natur ist. Wer in seiner Praxis gesetzlich versicherte Patienten behandeln will, muss einen Antrag bei der Kassenärztlichen Vereinigung stellen. Hierbei handelt es nicht im Falle der abgeschlossenen Facharztausbildung in aller Regel nur um eine Formalie. Zu überlegen ist, ob eine Facharztausbildung mit vollem oder halbem Versorgungsauftrag angestrebt wird. Der niedergelassene Hautarzt muss dann für mindestens 20 oder 10 Sprechstunden pro Woche zur Verfügung stehen. Mit Blick auf die Abrechnung mit gesetzlichen Krankenkassen ist die Gebührenordnung maßgeblich. Entsprechende Softwarelösungen sind zuverlässig im Praxisbetrieb zu implementieren.

Hautärzte zählen mit Blick auf das Einkommenssteuergesetz zu den Heilberufen, sodass der Status des Freiberuflers genutzt werden kann. Eine Gewerbeanmeldung ist grundsätzlich nicht nötig. Je nach Ausrichtung und Behandlungsspektrum kann es aber durchaus der Fall sein, dass sich gewerbliche Tätigkeitsanteile ergeben. Dies ist immer dann der Fall, wenn der Kern der eigentlichen Fachtätigkeit verlassen wird. Eine Gewerbepflicht für Hautärzte könnte sich z.B. dann ergeben, wenn keine eigenen und vor allem keine medizinischen Produkte verkauft werden. Aussagekräftige Entscheidungen können immer nur im konkreten Fall getroffen werden.
 

Die Rolle des Internets für das Image von niedergelassenen Ärzten

Was das Marketing für niedergelassene Ärzte angeht, so spielt das Internet in Form von Bewertungsportalen mittlerweile eine wichtige Rolle. Hintergrund ist der, dass sich viele Patienten mittlerweile vorher ein Bild vom Facharzt machen wollen. Jenseits einer für die Praxiseröffnung ebenfalls zu empfehlenden Homepage, die für notwendiges Vertrauen werben kann, rücken Bewertungsportale in den Fokus: Dort bewerten Patienten Ärzte in vielen Bereichen mit Noten. Wer hier im Vergleich zur Konkurrenz schlecht abschneidet, hat langfristig gesehen das Nachsehen. Insofern sollte ein professionelles Monitoring betrieben werden, ggf. mit externer Unterstützung. Auf jeden Fall sollten negative Bewertungen nicht unkommentiert bleiben. Eine professionelle Praxisorganisation ist das beste Rezept für gute und letztlich imagewirksame (!) Bewertungen auf besagten Portalen wie beispielsweise jameda.
 

Neue Chancen/Trends strategisch auf dem Bildschirm haben

In den letzten Monaten wurde immer wieder über neue Behandlungsmöglichkeiten geredet, vor allem in Regionen, in denen ein akuter Ärztemangel herrscht. In diesem Kontext rückt die so genannte Telemedizin vermehrt in den Kontext. Hieraus können sich für niedergelassene Hautärzte in naher Zukunft durchaus neue Betätigungsfelder ergeben, die die komplexe Standortsuche vereinfachen könnten. Denkbar wäre beispielsweise eine persönliche Videosprechstunde in einem gesicherten virtuellen ‚Behandlungsraum‘. Im Bereich der Dermatologie könnten Patienten Bilder von Hautkrankheiten schicken und der Arzt dann zeitnah seine fachliche Meinung abgeben. Wer sich möglichst breit und zukunftsorientiert als niedergelassener Facharzt aufstellen will, sollte die Option Telemedizin strategisch auf der Rechnung haben.
 

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Hautarzt (Dermatologe)‘

  1. Alle strategischen Optionen mit Blick auf das Behandlungsspektrum, die Zielgruppe die Praxisgründung prüfen: ggf. kommt auch eine Praxisübernahme oder die Gründung einer Gemeinschaftspraxis in Betracht (hierfür sind schon während des Studiums Kontakte zu knüpfen)

  2. Das Auffinden eines geeigneten Standortes (inkl. funktionaler Räumlichkeiten) und das Aufstellen einer belastbaren Finanzierungsstrategie erweisen sich für den Schritt in die Selbstständigkeit als erfolgskritisch

  3. Formale Voraussetzung für die Niederlassung als Hautarzt (Dermatologe) ist die Facharztausbildung bzw. Approbation

  4. Das wahrgenommene Image, das stark durch Bewertungen auf Arztportalen beeinflusst wird, sollte durch strategische Maßnahmen in diesem Bereich gezielt optimiert werden

  5. Telemedizin: Neue Trends nutzen, um sich für die Zukunft breiter aufzustellen.

Was passiert mit meiner Krankenversicherung, wenn ich selbstständig bin?

Als Selbstständiger sind Sie nicht mehr ohne weiteres in Ihrer gesetzlichen Krankenkasse pflichtversichert. Sie müssen sich dort nun auf Antrag befreien lassen. Die künftige Beitragshöhe richtet sich hier nach Ihrem Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in 2018 zwischen ... [ weiter... ]

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