Selbstständig machen als Tätowierer

Tätowierer bei der Arbeit

Wer selber eine Leidenschaft für Tattoos und somit eine gewisse Körperkunst hat, kann sich daraus durchaus ein zweites oder hauptberufliches Standbein aufbauen. Voraussetzung ist natürlich, dass ein unabdingbares handwerkliches Geschick vorhanden ist, schließlich werden sich die Ergebnisse jeden Tag sehen lassen. Und die meisten Tattoo-Träger wollen diese mit Stolz präsentieren. Insofern soll es in diesem Beitrag praxisorientiert um die Gründungsidee ‚selbstständig machen als Tätowierer‘ gehen.

Tattoo Studio eröffnen: Was angehende Existenzgründer hier erfahren

  • kurze Analyse der Rahmenbedingungen (Nachfragesituation)
  • Geschäftsausrichtung und Grundsatzentscheidungen
  • Anregungen zum Leistungsspektrum
  • kompakter Überblick in Bezug auf formale Voraussetzungen
  • Marketing und Kundengewinnung
  • Hinweise zu einem sinnvollen Versicherungsschutz
     

Bevor es an die geschäftlichen Details geht: ein Blick auf die Rahmenbedingungen

Generell erscheinen die Ausgangsbedingungen gut, denn mittlerweile haben Tattoos einen festen Platz in unserer Kultur. Was vor wenigen Jahren noch eher als hip zum Teil verachtet wurde, ist heute ein Massenphänomen, denn ca. 8 Millionen Deutsche tragen ein Tattoo (also in etwa jeder 10.). Die gesellschaftliche Akzeptanz für diesen Körperkult ist mittlerweile so hoch, dass der Anblick von Tattoos zur Normalität geworden ist. Die Nachfrage ist somit potenziell sehr gut, zumal viele Tattoo-Fans sich nicht mit einem Kunstwerk auf der Haut begnügen wollen. Hinzu kommt, dass nicht wenige Menschen für besondere Lebensereignisse ein neues Tattoo wünschen.
 

Notwendige Qualifikation und persönliche Anforderungen als Tätowierer

Beim Tätowierer handelt es sich nicht um einen klassischen Ausbildungsberuf, sodass es von dieser Seite her keine strikten Zugangsvoraussetzungen gibt. Fachkenntnisse in Bezug auf die Techniken sind aber unerlässlich, schließlich kann das Stechen mit der feinen Nadel potenziell gesundheitliche Risiken hervorrufen. Und letztlich wollen Kunden überzeugende Qualität tragen und sehen, sodass fundierte Fachkenntnisse unabdingbar sind. Es handelt sich typischerweise um einen learning by doing Beruf, sodass angehende selbstständige Tätowierer meistens in einem Studio erste Erfahrungen sammeln. Vor dem Weg in die berufliche Selbstständigkeit mit einem eigenen Studio sollten also eingehende Berufserfahrungen gesammelt werden. Dies betrifft nicht nur die reine technische Arbeit, sondern auch das erfolgsorientierte Führen eines möglichst profitablen Geschäftsbetriebes.

Neben der Arbeit mit Tinte und Nadel werden sich Tätowierer jeden Tag auf neue Charaktere und mitunter ausgefallene Kundenwünsche einlassen können müssen. Hinzu kommt, dass ein gewisses Feingefühl in jeder Hinsicht erforderlich ist, schließlich ist das Stechen von Tattoos nicht völlig schmerzfrei. Neben einer guten Kommunikationsfähigkeit ist eine gesunde Portion Empathie sicher eine wichtige Grundvoraussetzung, um dauerhaft erfolgreich als selbstständiger Tätowierer arbeiten zu können.
 

Geschäftsräume und der richtige Standort für das Tattoo-Studio

Um Kunden anzulocken und die Arbeit mit Fingerspitzengefühl in einem angenehmen Ambiente durchführen zu können, sind funktionale Geschäftsräume in guter Lage zu finden. Eine gute Lage zeichnet sich aus geschäftlicher Sicht dadurch aus, dass keine direkte Konkurrenz vorhanden ist und jeden Tag möglichst viel Laufkundschaft das Geschäft erreichen kann. Ein solcher guter Standort will sorgfältig gefunden werden, da es sich um eine fundamentale Voraussetzung für geschäftlichen Erfolg handelt. Ein guter Standort kann langfristig gesehen auch eine höhere Miete rechtfertigen. Zu bedenken oder besser gesagt kalkulieren ist aber auch von Beginn an, dass die Miete einen großen Teil der monatlichen Fixkosten ausmachen wird. In diesem Sinne sollte eine professionelle Standortanalyse durchgeführt werden, bei der diverse Geschäftsfaktoren mit individueller Gewichtung berücksichtigt werden sollten.
 

Stimmen die Finanzen? Der Businessplan weist den Weg

Sind Geschäftsräume gefunden, so muss das gesamte Tattoo Studio mit einem professionellen Businessplan ganzheitlich erfolgsorientiert ausgerichtet werden. Diese Arbeit ist für jeden Gründer eine zu erfüllende Pflichtaufgabe, um die Chancen und die Einzigartigkeit des Geschäftsmodells überzeugend auf den Punkt zu bringen. Der Businessplan sollte in diesem Sinne positiv als Visitenkarte gesehen (und gelesen!) werden: Außenstehende sollen sich in wenigen Minuten einen Eindruck über die Nachhaltigkeit des entwickelten Geschäftsmodells verschaffen können. Nur wer dies schafft, wird externe Geldgeber mit ins Boot holen können. Und dies erscheint nötig, da die Finanzierung über den klassischen Hausbankkredit in den letzten Jahren immer schwieriger geworden ist. Insofern sind Gründer gut beraten, alle möglichen Finanzierungshilfen frühzeitig zu prüfen, um die eigenen Handlungsspielräume so groß wie nur möglich zu gestalten. Hier auf selbststaendig.de finden interessierte Gründer viele praktische Informationen in Bezug auf dieses Thema.
 

Das kann sich sehen lassen: Leistungsspektrum und Service für Kunden

In diesem Bereich trennt sich die unternehmerische Spreu vom Weizen! Insgesamt soll eine möglichst große Zielgruppe angesprochen werden, um für eine hohe Auslastung zu sorgen. Nur so kann eine dauerhaft zufriedenstellende Einnahmebasis erreicht werden. Insofern sollten Kunden aus einem breiten Spektrum an Motiven, Farben und Techniken wählen können. Gefragt ist unternehmerische Flexibilität, um Kunden Individualität zu eröffnen: In dieser Hinsicht werden nicht wenige Kunden ihr eigenes Wunschmotiv mitbringen. Natürlich gehört auch eine individuelle Fachberatung zum Serviceumfang, denn nicht jeder Kunde kennt sich aus: Welches Motiv macht sich an welcher Körperstelle gut? Wie passen Farben, Muster und Proportionen zusammen etc.?

Natürlich sollte das Tattoo Studio selber auch eine gewisse Quelle der visuellen Inspiration sein: Bilder mit Motiven (ggf. von eigenen Kunden mit deren Einverständnis) an den Wänden können den Weg für Unentschlossene in die eine oder andere kreative Richtung weisen. Und letztlich sollte eine relaxte Atmosphäre dafür sorgen, dass Kunden die Angst vor dem eigentlichen Stechen genommen wird. Auch hier ist wieder in jeder Hinsicht ein professionelles Fingerspitzengefühl gefragt.
 

Option "mobiles Tattoo Studio" als strategische Alternative

Wer kein Geschäft eröffnen will, kann für den Einstieg in die berufliche Selbstständigkeit als Tätowierer auch andere Optionen prüfen und diese ggf. zunächst nur im Nebenerwerb ausüben. Zu denken ist etwa an ein Engagement auf Honorarbasis in einem Studio oder ein mobiler Tattooservice, der zu den Kunden kommt. Bei dieser Variante gestaltet sich die Einhaltung von Hygienevorschriften allerdings schwieriger. Eine Gewerbeanmeldung ist in jedem Falle Pflicht, wobei bei der mobilen Variante ein Reisegewerbe in Betracht kommt. Um eine Entscheidung über die eigene grundlegende Geschäftsausrichtung treffen zu können, muss natürlich von Beginn an Klarheit über die eigenen Ziele und Wünsche herrschen.
 

Marketing und Kundengewinnung als selbstständiger Tätowierer

Die beste Werbung sind sicherlich gelungene Tattoos, die idealerweise jeden Tag viele hunderte potenzielle Kunden erreichen. Insofern kann über Mund-zu-Mund Propaganda und persönliche Empfehlungen das Geschäft auf lange Sicht gesehen angekurbelt werden. Eine ansprechende Außengestaltung des Tattoo Studios ist eine wichtige Voraussetzung, um Laufkundschaft neugierig zu machen. Fehlen darf von Beginn an keine optimierte Webseite, um für suchende Kunden auffindbar zu sein und schon einen virtuellen Blick in das Studio werfen zu erlauben: Wie sehen die Räumlichkeiten aus? Welche Leistungen werden zu welchen Preisen angeboten? Auf der Internetseite kann der Tätowierer auch sich und seine Leidenschaft wirkungsvoll vermarkten. Bilder von verschiedensten Motiven sollten sein Können eindrucksvoll unter Beweis stellen, sodass eine Kontaktaufnahme via Internetseite wahrscheinlicher wird.
 

Tattoo Studio eröffnen: zu erledigende Formalitäten im Gründungsprozess

Generell muss vor der Eröffnung des Tattoo Studios ein Gewerbe angemeldet werden, wobei Paragraf 14 der Gewerbeordnung alle Details regelt. Mit einer erweiterten Erlaubnispflicht ist in der Regel nicht zu rechnen, sodass neben einem aktuellen Personalausweis das ausgefüllte Formular zur Gewerbeanmeldung eingereicht werden muss. Darin wird u.a. das angebotene Leistungsspektrum umfassend geschildert. Hieraus könnten sich im Einzelfall Nachweispflichten ergeben, sodass die persönlichen Voraussetzungen möglichst frühzeitig geklärt werden sollten. Wichtig für die Gewerbeanmeldung und den späteren professionellen Geschäftsbetrieb ist die Einhaltung strenger Hygienevorschriften, wobei das Gesundheitsamt auch unangemeldete Kontrollen durchführt. Zu beachten ist insbesondere die Verordnung zur Verhütung von Blutkontaktinfektionen‘. Im Arbeitsalltag wird es bei jedem Kunden auf ein hohes Maß an Hygiene ankommen, zumal die meisten auch sehr genau und kritisch darauf achten werden.

Zu beachten sind ggf. ferner baurechtliche Vorschriften, sofern eine Nutzungsänderung für die gemieteten Räumlichkeiten vorliegen sollte. Etwaige Umbaumaßnahmen sollten frühzeitig mit dem Bauamt und ggf. der Gewerbeaufsicht geklärt werden. Generell müssen die Geschäftsräume so beschaffen sein, dass die strikte Einhaltung aller geltenden Hygienevorschriften zu jeder Zeit gegeben ist.
 

Notwendiger und sinnvoller Versicherungsschutz für selbstständige Tätowierer

Sparen sollten selbstständige Tätowierer nicht an der falschen Stelle bzw. konkret am Versicherungsschutz. Wo Menschen arbeiten, passieren Fehler, die beim Tätowieren schnell gesundheitliche Folgen haben können (man denke etwa an entzündete Haustellen oder Verletzungen). Insofern ist eine Betriebshaftpflichtversicherung unabdingbar, um sich vor möglichen hohen finanziellen Forderungen zu schützen. Auch eine Rechtschutzversicherung kann sinnvoll sein, falls es zu Rechtstreitigkeiten kommt. Zu empfehlen ist eine individuelle Fachberatung, im Rahmen derer der individuelle Versicherungsschutz erörtert und durch maßgeschneiderte Versicherungslösungen optimal abgedeckt wird.
 

Selbstständig machen als Tätowierer: Zusammenfassung auf einen Blick

  1. Tattoos erfreuen sich mittlerweile einer breiten gesellschaftlichen Akzeptanz, sodass die langfristige Nachfragesituation (je nach Standort!) als gut einzuschätzen ist. Ca. 8 Millionen Deutschen haben ein oder mehrere Tattoos
  2. Mit einem professionell ausgearbeiteten Businessplan werden alle Geschäftsbereiche erfolgsorientiert ausgerichtet und externe Geldgeber von den Chancen überzeugt
  3. Formale Einstiegshürden gibt es für die Selbstständigkeit als Tätowierer nicht, allerdings sind fundierte Kenntnisse für eine sichtbare (!) Profiqualität unabdingbar
  4. Im Arbeitsalltag müssen strenge Hygienevorschriften eingehalten werden, zumal unangemeldete Kontrollen durch das Gesundheitsamt drohen
  5. Vor der Aufnahme der selbstständigen Tätigkeit muss ein Gewerbe angemeldet werden (auch wenn es sich nur um eine nebenberufliche Tätigkeit handelt).

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