Selbstständig machen als Maler / Lackierer

Wer im wahrsten Wortsinne mehr Farbe in sein Berufsleben bringen will, kann sich hier mit einer Geschäftsidee in einem stark gefragten Handwerk auseinandersetzen: selbstständig machen als Maler und Lackierer. Es liegt in der Natur der Sache, dass Existenzgründer ihr Handwerk verstehen sollten – und das bezieht sich nicht nur auf das handwerkliche Können, sondern auch auf das kaufmännische Wissen. Ohne dieses Knowhow wird es schwierig, einen profitablen Geschäftsbetrieb ins Leben zu rufen und ihn angesichts der Konkurrenz dauerhaft am Markt zu platzieren. Im Handwerk sehen sich Existenzgründer zudem mit zahlreichen formalen Startvoraussetzungen konfrontiert. Diese werden im folgenden Beitrag ebenso skizziert wie die strategisch relevanten Handlungsfelder als selbstständiger Maler und Lackierer.
Wie lässt sich das Geschäft solide aufbauen?
Bereits die Planungsphase entscheidet darüber, wie solide das Geschäft aufgebaut wird. Dabei haben Existenzgründer im Malerhandwerk zwei Aufgaben zu bewältigen: zum einen den eigentlichen Aufbau des Unternehmens samt Kundengewinnung, zum anderen die Vereinbarkeit mit den Ansprüchen der Familie. Wer beides in Einklang bringt, übersteht die ersten Jahre leichter und sichert seine Existenz langfristig.
Analyse der Ausgangslage
Das Maler- und Lackiererhandwerk ist eines der größeren Gewerke im deutschen Handwerk. Bundesweit gibt es derzeit rund 38.700 Betriebe mit etwa 130.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten (Destatis, Strukturdaten 2023). Die Zahl der Betriebe ist zuletzt leicht rückläufig, während die Branchenumsätze über die Jahre gewachsen sind und nach Angaben des Statistischen Bundesamts in der Größenordnung von rund 19,5 Milliarden Euro liegen. Der durchschnittliche Betrieb beschäftigt etwa fünf Personen und erzielt einen Jahresumsatz im mittleren sechsstelligen Bereich.
Diese Kennzahlen sprechen für stabile Rahmenbedingungen und eine grundsätzlich hohe Nachfrage. Die zugleich leicht sinkende Betriebszahl kann auf einen umkämpften, in Teilen gesättigten Markt hindeuten. Angehende Existenzgründer sollten daher gewarnt sein und mit einer sorgfältigen Planung ihre Hausaufgaben machen: Eine falsche Positionierung führt im harten Wettbewerb schnell dazu, dass sich der Betrieb nicht lange halten kann. Aus Kundensicht dient das Leistungsspektrum eines Malerbetriebs nicht zuletzt dazu, den Wert von Immobilien zu erhalten und von außen einen guten Eindruck zu machen – etwa beim Verkauf oder bei der Vermietung.
Kunden erwarten deutlich mehr Leistung
Interessant ist die Frage, womit Maler und Lackierer eigentlich ihre Umsätze erzielen. Das reine Streichen reicht längst nicht mehr aus, um sich am Markt zu behaupten, zumal diese Tätigkeit von Laien oft selbst übernommen wird. Maler- und Tapezierarbeiten machen nur noch einen Teil der Umsätze aus; erhebliche Anteile entfallen mittlerweile auf die zukunftsorientierte Wärmedämmung (energetische Gebäudesanierung) und die Beschichtung von Fassaden. Hinzu kommen Putz- und Trockenbauarbeiten, das Verlegen von Bodenbelägen, Betonsanierung sowie Gerüstbau und Korrosionsschutz. Das Leistungsspektrum ist also immer ganzheitlicher geworden – Kunden beziehen viele Leistungen aus einer Hand. Für die Planung der Geschäftsidee heißt das: Gegebenenfalls sind Kooperationen mit anderen Handwerkern nötig, um ein breites Spektrum in hoher Qualität anbieten zu können.
Perspektiven für die Existenzgründung
Durch den anhaltenden Bedarf an Wohnraum und einen vielerorts hohen Renovierungs- und Sanierungsrückstand gestalten sich die Aussichten generell positiv – wobei die konkreten Chancen am jeweiligen Standort zu prüfen sind. Wer sich breit aufstellt, spricht eine größere Zielgruppe an. Grundsätzlich ist zu überlegen, ob sich das Angebot an Privat- oder Gewerbekunden richten soll; die Zielgruppe entscheidet mit ihren Anforderungen über die nötigen personellen Ressourcen. Zu bedenken ist, dass die gute Auftragslage die Konkurrenzsituation angespannt hält. Eine aussagekräftige Standortanalyse ist daher die Basis für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung.
Standortanalyse als Basis für den Erfolg
Die Standortanalyse ist ein wichtiger Erfolgsfaktor und sollte Teil eines durchdachten Businessplans sein. Im Mittelpunkt stehen die Wettbewerbssituation und die potenzielle Auftragslage. Idealerweise werden auch offizielle Daten zur örtlichen Immobilienlandschaft herangezogen: Wie groß ist der Renovierungsbedarf? Wie viel wird gebaut? Sind Kooperationen möglich? Darüber hinaus spielen folgende Aspekte eine Rolle:
- Größe des Einzugsbereichs möglicher Kunden (Aktionsradius)
- Leistungen und Preisniveau der Konkurrenzbetriebe
- Angebotslücke: Lohnt sich eine Spezialisierung am Standort?
- Infrastruktur und Verkehrswege für schnelle Erreichbarkeit
- Finanzieller Aspekt: Höhe des Gewerbesteuer-Hebesatzes
- Einkaufsmöglichkeiten für Material und Utensilien
- Verfügbarkeit qualifizierter Fachkräfte im Umkreis
Businessplan als Maler und Lackierer
Der Businessplan ist das wichtigste Instrument, um die Existenzgründung zielfokussiert voranzutreiben. Darin muss deutlich werden, mit welchen Alleinstellungsmerkmalen das Geschäft erfolgreich platziert werden soll. Wer einen Malerbetrieb gründet, muss mitunter viel Kapital aufbringen; entsprechend überzeugend muss der Businessplan für potenzielle Investoren sein. Besonders bei der Finanzplanung ist genau und realistisch vorzugehen – der Erfolg steht und fällt mit soliden Finanzen. Gerade in der Anfangsphase stehen geringen Einnahmen hohe Kosten gegenüber. Die Liquidität darf auf keinen Fall gefährdet werden, sonst droht die Insolvenz.
- Gründungskosten (Behörden, Notar, Beratung)
- Ausstattung und Ausrüstung
- Fuhrpark
- Personalkosten
- Marketingbudget
- laufende Kosten für Geschäftssitz und Energie
- Versicherungen
Kostenplanung – was wird benötigt?
Bereits die Meisterausbildung ist eine hohe Investition in die Selbstständigkeit; je nach Weg können dafür mehrere Tausend Euro fällig werden. Hinzu kommt: In Deutschland erwarten viele Kunden einen Meisterbrief, weil sie ihn mit hoher handwerklicher Qualität verbinden. Bevor man also mit der selbstständigen Existenz beginnen und Geld verdienen kann, muss kräftig in die eigene Ausbildung investiert werden. Die Handwerkskammer bietet vielfältige Unterstützung für junge Unternehmer – diese Hilfe sollte sich niemand entgehen lassen. Grundsätzlich gilt: Solange der Maler als Einzelkämpfer unterwegs ist, entstehen kaum hohe Kosten, sodass sich die Leistungen relativ günstig anbieten lassen. Mit wachsendem Betrieb wird es komplizierter: Wer mehrere Mitarbeiter beschäftigt, muss sich vor allem um die Organisation der Arbeit und die Auftragsakquise kümmern.
Wer über die erste Einstellung nachdenkt, sollte die echten Personalkosten kennen – Arbeitgeberbrutto inklusive Lohnnebenkosten liegt deutlich über dem Nettolohn. Eine Orientierung gibt der Mitarbeiterkosten-Rechner.
Voraussetzungen, um sich selbstständig zu machen
Wer sich als Maler und Lackierer selbstständig machen will, kommt mit einer Berufsausbildung allein nicht weit. Ein Blick in die Handwerksordnung zeigt: Das Maler- und Lackiererhandwerk ist ein zulassungspflichtiges Handwerk der Anlage A. Für die selbstständige Ausübung ist daher grundsätzlich ein Meisterbrief vorzulegen. Zudem sind eine Gewerbeanmeldung und die Eintragung in die Handwerksrolle nötig.
Selbstständig ohne Meister als Maler und Lackierer?
Auch der Weg ohne eigenen Meistertitel ist möglich. Eine Option ist, einen Meister in leitender Position einzustellen (Betriebsleitermodell). Alternativ kommt die Altgesellenregelung nach § 7b Handwerksordnung in Betracht: Wer mindestens sechs Jahre als Geselle im zulassungspflichtigen Handwerk gearbeitet hat, davon vier Jahre in leitender Position, kann eine Ausübungsberechtigung beantragen. Die Anforderungen werden streng geprüft. Wird der Malerbetrieb als kaufmännisch eingerichteter Geschäftsbetrieb geführt, ist außerdem eine Eintragung ins Handelsregister vorgesehen. In diesem Zusammenhang ist zu überlegen, welche Rechtsform mit Blick auf Finanzierung und Haftung am vorteilhaftesten ist.
Fachkenntnisse, Ausbildung, Mitarbeiter
Wer mit eigenem Meistertitel gründet, hat in der Regel die Meisterprüfung im Malerhandwerk im Anschluss an die Gesellenprüfung abgelegt. Die Ausbildung ist umfangreich und deckt alles ab, was ein Maler wissen muss. Welche Voraussetzungen für die Zulassung zur Meisterprüfung gelten, verrät die örtliche Handwerkskammer.
- Meisterbrief, Betriebsleitermodell oder Altgesellenregelung (§ 7b HwO) klären.
- Fachliche Spezialisierung und Zielgruppe (Privat- oder Gewerbekunden) festlegen.
- Standort- und Konkurrenzanalyse für den Aktionsradius durchführen.
- Businessplan mit Leistungsspektrum, Kalkulation und Marketingstrategie erstellen.
- Kapitalbedarf (Fuhrpark, Ausrüstung, Personal) ermitteln und Finanzierung sichern.
- Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten prüfen.
- Gewerbe anmelden und steuerlich beim Finanzamt erfassen lassen.
- Eintragung in die Handwerksrolle veranlassen.
- Bei kaufmännischem Geschäftsbetrieb: Handelsregister und passende Rechtsform.
- Betriebshaftpflicht abschließen (Personen- und Sachschäden beim Kunden).
- Krankenversicherung und Altersvorsorge regeln.
- Suchmaschinenoptimierte Homepage mit Referenzprojekten aufbauen.
- Auf Handwerkerportalen sichtbar werden und lokal werben.
- Empfehlungsmarketing systematisch nutzen.
Dieser Fahrplan dient als unverbindliche Orientierung und ersetzt keine individuelle Rechts- oder Steuerberatung. Der konkrete Ablauf kann je nach Bundesland und Einzelfall abweichen.
FARBE bekennen mit dem Leistungsspektrum
Getreu diesem Motto geht es darum, das Leistungsspektrum für die anvisierte Zielgruppe so breit wie sinnvoll anzulegen. Die gefragtesten Tätigkeiten wurden oben in ihrer strategischen Bedeutung bereits skizziert. Auch bei breitem Spektrum muss eine hohe handwerkliche Qualität sichtbar werden, denn nur so behauptet sich der Betrieb über Empfehlungen am Markt. Aus Kundensicht gilt zu überlegen, warum sie sich gerade für diesen Betrieb entscheiden sollten. Neben besonderen Techniken oder funktionalen bzw. effektvollen Farben und Lacken kann der professionelle Beratungsservice den entscheidenden Mehrwert darstellen – etwa eine individuelle Beratung für moderne Raumkonzepte. Vorweisbare Erfolgsprojekte zeigen Kunden, dass sie bestens aufgehoben sind.
Kunden gewinnen als selbstständiger Maler und Lackierer
Für das Marketingbudget gilt: Je größer die Konkurrenz, desto wichtiger werden wirkungsvolle Werbemaßnahmen. Mit Blick auf die lokale Reichweite sind Flyer und Anzeigen in regionalen Medien weiterhin eine Möglichkeit, die Bekanntheit zu erhöhen. Vor allem aber muss das Internet eine strategische Schlüsselrolle spielen: Eine suchmaschinenoptimierte Homepage gehört von Beginn an dazu. Auch Werbung über Google Ads bietet den Vorteil einer regionalen Ausrichtung bei voller Kostenkontrolle. Bilder erfolgreich abgeschlossener Projekte vermarkten die eigene Fachkompetenz reichweitenstark. Um für suchende Kunden sichtbar zu sein, sind außerdem Einträge auf Handwerkerportalen prüfenswert.
Verdienst als selbstständiger Maler und Lackierer
Grundsätzlich gilt: Selbstständige Malermeister haben die Höhe ihres Einkommens selbst in der Hand. Fleiß, eine gute Auftragslage und eine wirtschaftliche Geschäftsführung – also eine durchdachte Preis- und Angebotskalkulation – sind die Basis für einen attraktiven Verdienst. Daten von Gehaltsplattformen nennen für selbstständige Malermeister eine grobe Jahresspanne von rund 39.000 bis 57.000 Euro, die stark von Standort und Betriebsführung abhängt. Im Osten Deutschlands lassen sich tendenziell niedrigere Preise erzielen, was sich durch geringere Lebenshaltungskosten relativiert.
Ein realistischer Stundenverrechnungssatz ist der Hebel für die Rentabilität: Material, Fahrzeit, Rüstzeiten, Urlaub und Leerlauf müssen einkalkuliert sein. Nicht zu leugnen ist, dass Schwarzarbeit und Billigkonkurrenz im Handwerk ein Problem bleiben. Mit Blick auf die eigene Meisterqualität sollten Betriebe deshalb nicht in einen Preiskampf einsteigen, sondern sich langfristig über Leistung und Qualität definieren.
Tücken und häufige Fehler
- Qualifikationsweg unterschätzt: Ohne Meister, Betriebsleiter oder Altgesellenberechtigung darf der Betrieb nicht eingetragen werden – das blockiert den Start.
- Stundensatz zu niedrig: Wer Material, Fahrzeit, Rüstzeiten und Leerlauf nicht einpreist, arbeitet trotz voller Auftragsbücher defizitär.
- Preiskampf mitgemacht: Sich über den niedrigsten Preis zu definieren, ruiniert die Marge – Qualität und Spezialisierung tragen weiter.
- Liquidität verkannt: Hohen Anfangskosten stehen geringe Einnahmen gegenüber – ohne Puffer droht die Schieflage.
- Alles selbst machen: Wer Akquise, Kalkulation und Organisation vernachlässigt, verschenkt trotz guter Handwerksarbeit Erfolg.
Trends im Malerhandwerk
- Energetische Sanierung: Wärmedämmung und Fassadenbeschichtung werden zum tragenden Umsatzfeld.
- Leistung aus einer Hand: Trockenbau, Bodenbeläge und Betonsanierung ergänzen das klassische Streichen.
- Fachkräftemangel: Der Engpass an Gesellen stärkt die Position gut geführter Betriebe – erschwert aber das Wachstum.
- Digitale Akquise: Homepage, Handwerkerportale und Projektfotos werden zum wichtigsten Vertriebskanal.
Kurzzusammenfassung für die Geschäftsidee „selbstständig machen als Maler und Lackierer"
- Durch Neubau- und vor allem Sanierungsbedarf besteht eine grundsätzlich gute Auftragslage.
- Angesichts der Konkurrenz ist eine aussagekräftige Standortanalyse im Businessplan erfolgskritisch.
- Mit dem Leistungsspektrum „Farbe bekennen" und Kunden ganzheitliche Leistungsstärke bieten.
- Es handelt sich um ein zulassungspflichtiges Handwerk (Anlage A) – für die selbstständige Ausübung ist grundsätzlich ein Meistertitel vorgesehen.
- Ohne eigenen Meister: über einen angestellten Betriebsleiter oder die Altgesellenregelung nach § 7b HwO (sechs Jahre Gesellentätigkeit, davon vier in leitender Position).
Was passiert mit meiner Krankenversicherung wenn ich mich selbstständig mache?
Als Selbstständige/r oder Freiberufler/in sind Sie nicht mehr automatisch in der gesetzlichen Krankenkasse (GKV) pflichtversichert. Sie müssen sich nun aktiv für eine Form der Krankenversicherung entscheiden. Die Beitragshöhe in der GKV orientiert sich am Einkommen. Die Kosten für Selbstständige betragen in diesem Jahr zwischen ...









