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Die Einkommenssteuer

Bei der Einkommenssteuer handelt es sich um eine so genannte Gemeinschaftssteuer, wodurch das gesamte Aufkommen dem Bund und den Ländern zusteht. Aus den Einnahmen werden staatliche Aufgaben wie Sicherheit, Infrastruktur oder Bildung finanziert. In Deutschland ist die Einkommenssteuer neben der Umsatzsteuer die wichtigste Stütze der Steuereinnahmen (das Volumen beträgt ungefähr 33 % am Gesamtanteil). Die rechtliche Grundlage bildet das Einkommenssteuergesetz (EStG). Diese Steuerart stellt für die meisten Selbstständigen und auch Angestellten einen der größten Abzüge auf der Lohnabrechnung neben den Abgaben für die Sozialversicherung dar. Generell gilt: Je höher das Einkommen, desto höher der Satz an zu zahlender Einkommenssteuer. Insofern wohnt dieser Steuerart auch eine sozial gewichtete Komponente inne.

Was Selbstständige und Arbeitnehmer in diesem Beitrag über die Einkommenssteuer erfahren:

Nach einer Einführung in die gesetzlichen bzw. formalen Grundlagen wird es vor allem um relevante Faktoren gehen, die unmittelbar mit der Einkommenssteuer in Verbindung stehen. Hier ist etwa an die Steuererklärung, Steuerklassen, die Ermittlung des Einkommens und persönliche Sparmöglichkeiten zu denken. Ganz in diesem Sinne enthält dieser Beitrag auch eine kompakte Darstellung mit Tipps, um weniger Einkommenssteuer zahlen zu müssen.
 

Grundprinzipien der Einkommenssteuer in Deutschland: Wer muss sie zahlen?

Einkommenssteuer muss hierzulande jeder zahlen, der über selbstständige oder abhängige Einkünfte verfügt, die den aktuellen jährlichen Grundfreibetrag überschreiten. Dieser liegt 2015 bei 8.354 Euro, er wird regelmäßig mit Blick auf das Existenzminimum nach oben angepasst. Für in Deutschland lebende Menschen gilt diese Steuerart auch für Einkommen, das weltweit erwirtschaftet wird. Entscheidend ist der permanente Aufenthaltsort. Mit der Einkommenssteuer wird noch der Solidaritätszuschlag erhoben, der einst zur Finanzierung der deutschen Einheit ins Leben gerufen wurde. Der Zuschlag beträgt 5,5 % des Bruttogehaltes. Grundsätzlich zahlen Menschen mit geringen Einkommen weniger bzw. unter der Jahresfreibetragsgrenze überhaupt keine Einkommenssteuer, sondern nur Sozialabgaben. Der momentane Höchstsatz liegt bei 45 % (inklusive ‚Reichensteuer‘ für hohe Einkommen), sodass sich bei hohen Einkommen die gesamten Abzüge um die Hälfte herum bewegen können.
 

Steuerpflicht: Wer wird per Gesetz von der Steuerpflicht erfasst?

Die Einkommenssteuer gilt für natürliche Personen, also Einzelpersonen oder auch Mitunternehmer von Personengesellschaften. Für so genannte natürliche Personen, die ihren Wohnsitz im Inland haben, gilt die unbeschränkte Steuerpflicht. Die beschränkte Steuerpflicht nach Paragraf 49 EStG greift, wenn inländische Einkünfte vorhanden sind, der dauerhafte Wohnsitz aber im Ausland liegt. Allerdings gibt es in der Praxis zahlreiche Sonderregeln im Sinne von Doppelbesteuerungsabkommen, sodass im Einzelfall abweichende Regelungen greifen. Grenzpendler sind typische Beispiele für solche Sonderregelungen.
 

Die Besteuerungsgrundlage: Wie berechnet sich die Steuerlast?

Das Einkommen wird aus den Einkunftsarten berechnet, die das Einkommenssteuergesetz kennt. Grundsätzlich spielt es keine Rolle, ob es sich um selbstständige oder nicht selbstständige Einkünfte handelt. Allerdings sind die Einkünfte rein formal bei der Steuererklärung als solche zu kennzeichnen und je nach Berufsgruppe gelten zum Teil andere Freibeträge. Das Bruttoeinkommen bzw. die im Jahr erzielten Umsätze werden um Freibeträge und mögliche Sonderausgaben gesenkt, sodass letztlich das zu versteuernde Einkommen übrig bleibt. Je nach Steuerklasse und Familienstand wird die persönliche Steuerlast sodann in Abzug gebracht. Während die Lohnsteuer bei Angestellten automatisch vom Lohn abgezogen wird, müssen Selbstständige selber Überweisungen an das Finanzamt tätigen (je nach Höhe der Einkünfte auch öfter im Jahr).

Bei Selbstständigen offenbart die jährliche Steuererklärung, wie hoch der Gewinn (Einnahmen minus Ausgaben) und dementsprechend das zu versteuernde Einkommen ist. Das zu versteuernde Einkommen ist also die konkrete Besteuerungsgrundlage, auf die der Einkommenssteuertarif angewendet wird. Wie erwähnt, bleiben die Einkünfte bis zum Grundfreibetrag steuerfrei. Danach beginnt die so genannte untere Proportionalgröße mit einem festen Steuersatz von derzeit 14 %. Gemäß der Progression im Steuersystem steigt der Steuersatz dann allmählich, bis der Höchstsatz erreicht wird. Der persönliche Steuersatz wird auf dem Steuerbescheid des Finanzamtes jedes Jahr ausgewiesen. In diesem Kontext ist seitens der Politik oft von der "kalten Progression" gesprochen worden: Hiermit ist gemeint, dass z.B. Lohnsteigerungen fast komplett weggefressen werden, da mit einem steigenden Lohn auch der Steuersatz steigt. Netto bleibt somit von einer Lohnerhöhung meistens deutlich weniger als die Hälfte übrig.
 

Einkünfte aus selbstständiger oder abhängiger Beschäftigung: Inanspruchnahme von Freibeträgen und Pauschalen

Grundlegend gilt bei der Bestimmung der Einkommenssteuer das Nettoprinzip: Die Steuer wird also nicht direkt aus allen Einkünften berechnet, da erst noch verschiedenste Abzüge gemacht werden. Und genau bei diesen Abzügen lassen sich Sparpotenziale nutzen, indem nicht nur vorgesehene Pauschalen, sondern auch so genannte außergewöhnliche Belastungen (etwa für die Altersvorsorge) geltend gemacht werden. Damit die Besteuerungsgrundlage korrekt bestimmt wird, müssen Selbstständige genau wie Angestellte prüfen, welche der Einkommensarten für sie relevant sind. Neben den Einkünften aus der selbstständigen Arbeit, aus Forst- und Landwirtschaft sind auch Einnahmen aus Vermietung und Verpachtung, aus Gewerbebetrieben, Kapitalvermögen sowie sonstige Einkünfte zu berücksichtigen. Hieraus ergibt sich die Summe aller Einkünfte, von der Freibeträge und Ausgaben abgezogen werden dürfen. Selbstständige können z.B. eine Pauschale für die Ausgaben ansetzen oder sie aber einzeln geltend machen. In bestimmten Berufsbereichen wie der Land- und Forstwirtschaft können darüber hinaus spezifische Freibeträge geltend gemacht werden. Im Rahmen der Steuererklärung können dann noch Vorsorgeaufwendungen und eventuelle Sonderausgaben/außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden. Als Ergebnis erhält man das zu versteuernde Einkommen.
 

Einkommenssteuer und Steuerklassen

Einen weiteren wichtigen Faktor für die Höhe der zu zahlenden Einkommenssteuer bilden die Steuerklassen. Ledige haben in der Regel die Steuerklasse I, die mit recht hohen Abzügen verbunden ist. Alleinerziehende kommen in der Regel in Steuerklasse II, Nebenjobber in Klasse VI. Wenn ein Paar heiratet, stuft das Finanzamt beide automatisch in Klasse IV ein, sodass sich zunächst kaum eine Senkung der Steuerlast bemerkbar macht. Dies ist meistens erst im Rahmen der jährlichen Steuererklärung der Fall.
 

Die Wahl der Steuerklassen und das Ehegattensplitting

Wenn beide Partner ungefähr gleich verdienen, ist die Kombination Steuerklasse IV/IV empfehlenswert. Verdient ein Partner jedoch deutlich besser, so sollte dieser in Steuerklasse 3 wechseln (hier verdoppelt sich der Grundfreibetrag), wohingegen er in Steuerklasse V wegfällt. Unter dem Strich aber bleibt netto mehr übrig. Übrigens haben Ehepaare die Möglichkeit, auf Antrag bis jeweils zum 30. November die Steuerklassen einmal pro Jahr zu wechseln, sodass Anpassungen an sich ändernde Einkommensverhältnisse flexibel möglich sind. In der Regel ist es auch buchstäblich günstiger, wenn Ehepaare eine Zusammenveranlagung in puncto Einkommenssteuer vornehmen. Im Zuge des so genannten Ehegattensplittings wird das gesamte zu versteuernde Einkommen betrachtet. Da durch diese Berechnung die Steuerprogression abgemildert wird, hat der Partner mit den höheren Einkünften üblicherweise geringere Abzüge. Mit jedem geborenen Kind sinkt ferner die Höhe der Einkommenssteuer, da in diesem Fall höhere Grundfreibeträge angesetzt werden.
 

Abgabe der jährlichen Einkommenssteuererklärung

Viele Selbstständige und Angestellte haben wenig Lust, sich mit der Steuererklärung auseinanderzusetzen. Doch abgesehen davon, dass es sich in vielen Fällen um eine Pflicht handelt, kann sich die Mühe im wahrsten Wortsinne auszahlen. Untersuchungen zeigen, dass im Durchschnitt Erstattungen in Höhe von 800 Euro möglich sind. Grundsätzlich ist zwischen der Pflichtveranlagung und der Antragsveranlagung zu unterscheiden. Bei letzterer kann freiwillig eine Steuererklärung abgegeben werden. In den folgenden Fällen jedoch ist die Abgabe einer Steuererklärung bis zum 31. Mai des Kalenderjahres verpflichtend (Details regelt Paragraf 46 des Einkommenssteuergesetzes):

  • es liegen monatliche Einkünfte über 410 Euro vor
  • wenn mehrere Arbeitseinkünfte erzielt werden (Abrechnung mit Lohnsteuerklasse VI)
  • wenn Freibeträge in Anspruch genommen werden
  • wenn beide Eheleute einen Lohn bezogen haben und die Kombination III/V bzw. IV der Steuerklassen mit eingetragenem Faktor innehatten
     

Einkommenssteuer sparen: einige Tipps mit praktischem Bezug

Abgesehen von der Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung, die in den meisten Fällen vorliegt, lohnt sich die Arbeit, da oft Tarifanpassungen oder die Erhöhung des Grundfreibetrages geschehen. Bei Selbstständigen können sich außergewöhnliche Belastungen ergeben, die zu einer Verringerung der Einkommenssteuerlast führen. Folgende Tipps können bei der Suche nach möglichen Sparpotenzialen hilfreich sein:

  • alle Ausgaben, die in Zusammenhang mit der Arbeitstätigkeit stehen, sind zu dokumentieren und zu prüfen. Vor allem Vorsorgeaufwendungen für Renten oder auch Spenden können das zu versteuernde Einkommen senken. Auch Ausgaben für Fortbildungen (inkl. Reisekosten) können abgesetzt werden, wenn ein beruflicher Bezug erkennbar ist.
  • Fachliteratur, die im Zusammenhang mit der Tätigkeit steht, kann in der Regel ohne Belege von der Steuer abgesetzt werden. Auch Kosten für die Berufsbekleidung oder deren Reinigung können grundlegend abgesetzt werden.
  • Handwerksleistungen im Haushalt können in einer Höhe von bis zu 3.000 Euro geltend gemacht werden. Hier haben Selbstständige in diesem Bereich eine gute argumentative Grundlage, um Projekte/Modernisierungen bei Kunden umzusetzen (win-win-Situation).
  • Hilfe zum Sparen: eine Fachberatung kann sich trotz zusätzlicher Kosten immer auszahlen, wenn die eigenen Kenntnisse in der komplexen Materie nicht sehr ausgeprägt sind.
     

Alle wichtigen Faktoren zur Einkommenssteuer kompakt zusammengefasst

  • die Einkommenssteuer ist eine Gemeinschaftssteuer, die Bund und Ländern zur Erfüllung ihrer Aufgaben zukommt
  • die gesetzliche Grundlage bildet das Einkommenssteuergesetz (EStG)
  • Einkommenssteuer muss in Deutschland jeder entrichten, der über Einkünfte verfügt, die den aktuellen Grundfreibetrag (8.354 Euro im Jahr) überschreiten
  • zur Einkommenssteuer kommt noch der Solidaritätszuschlag in Höhe von 5,5 % des Bruttogehaltes
  • grundlegend gilt bei der Bestimmung der Einkommenssteuer das Nettoprinzip: von allen möglichen Einkünften werden Freibeträge, Ausgaben, Pauschalen und Aufwendungen abgezogen (das Ergebnis ist das zu versteuernde Einkommen)
  • das zu versteuernde Einkommen ist die konkrete Besteuerungsgrundlage, auf die der Einkommenssteuertarif angewendet wird
  • die Steuerklasse hat einen direkten Einfluss auf die Höhe der Steuerlast
  • Ehepaare können die Steuerklassen einmal pro Jahr wechseln und mit dem Ehegattensplitting eine gemeinsame Veranlagung vornehmen
  • in den meisten Fällen (wenn ein Einkommen erzielt wird) besteht eine Pflicht zur Abgabe der Steuererklärung bis zum 31. Mai des Kalenderjahres

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