Selbstständig machen als Crowdworker

Crowdworkerin mit Notebook und Handy

Die hier diskutierte Geschäftsidee selbstständig machen mit Crowdworking/als Crowdworker‘ präsentiert eine flexible und ortsunabhängige Arbeitsform der Zukunft. Gerade in Anbetracht der Erfahrungen rund um die Corona-Pandemie kann es sich bei dieser modernen Form des digitalen Arbeitens um eine nachhaltige Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit handeln. Wer Geld im Internet verdienen möchte, findet mit Crowdworking vielversprechende Optionen. Zur Fundierung soll u.a. auf die Ergebnisse einer aktuellen Studie zum Crowdworking in Deutschland zurückgegriffen werden.

Dieser Ratgeberbeitrag möchte mit folgenden Themen praxisorientiert die wichtigsten Planungsaspekte und mögliche strategische Ausrichtungen vorstellen:

  • Ausgangslage: Warum selbstständig machen mit Crowdworking?

  • Businessplan: Welche strategischen Optionen gibt es?

  • Was muss das Marketing für Crowdworking leisten?

  • Wie viel kann man mit Crowdworking verdienen?


Crowdworking, was bedeutet das?

Unternehmen und selbstständige Crowdworker haben die Möglichkeit, über Plattformen so genannte Mikrojobs abzuwickeln, die unterschiedlichste Branchen sowie Fähigkeiten ansprechen können. Es geht um das Auslagern von Tätigkeiten (Crowdsourcing), wodurch Unternehmen auf einen Pool an Arbeitskräften flexibel zurückgreifen können. Deren Lebens- und Qualifikationshintergründe können sehr unterschiedlich sein, somit auch die potenziellen Verdienstmöglichkeiten als Crowdworker. Von Fotoerstellung, Datenkategorisierung, Texterstellung bis hin zu anspruchsvollen Makroaufgaben im Bereich der Programmierung ist vieles vorstellbar. Nicht selten wird Kritik laut, dass es sich um digitale Tagelöhner handelt. Im Falle einer gefragten Fachqualifikation jedoch lässt sich auch als Crowdworker gutes Geld verdienen.
 

Gut zu wissen!

Mit Blick auf eine Existenzgründung bietet Crowdworking mehr als nur die Perspektive, sich selbstständig als Crowdworker zu machen. Mit dem notwendigen IT-Fachwissen ist es ebenfalls denkbar, eine neue Crowdworking-Plattform zu gründen.
 

Voraussetzungen, um sich mit Crowdworking selbstständig zu machen:

Um ein hohes Maß an Planungssicherheit zu erlangen, sind für die eigene Ausrichtung (selbstständig machen als Crowdworker oder Crowdworking-Plattform gründen) die persönlichen Voraussetzungen frühestmöglich in Erfahrung zu bringen. In jedem Fall sind die Einnahmen aus dieser Tätigkeit steuerpflichtig. Eine steuerliche Erfassung beim Finanzamt ist also notwendig. Wer eine Crowdworking-Plattform ins Leben ruft und somit ein Unternehmen gründet, wird ein Gewerbe anmelden müssen. Wer als Crowdworker selbstständig ist, muss ein Gewerbe anmelden, sofern es sich nicht um eine freiberufliche Tätigkeit handelt. Diese ist vor allem im künstlerisch-textuellen Bereich zu prüfen, vor allem in Kombination mit einem Hochschulabschluss. Die letztliche Einstufung übernimmt das zuständige Finanzamt.
 

Crowdworking als nebenberufliche Selbstständigkeit: Das ist zu beachten!

Sofern es sich beim Crowdworking um einen Nebenverdienst handelt, muss der Arbeitgeber um sein Einverständnis gebeten werden. Die Regeln der Portale sind für alle Beteiligten bindend, was vor allem für das strenge Urheberrecht und den Datenschutz gilt. Es ist zu prüfen, ob die wesentlichen Vertragsbedingungen schriftlich fixiert sind und mit Blick auf wünschenswerte Planungssicherheit keine Fragen offen lassen.


Ausgangsanalyse: Warum selbstständig machen mit Crowdworking?

Wer mit Crowdworking Geld verdienen bzw. eine Existenzgründung (langfristig) anstrebt, sollte sich zu Beginn über die persönlichen Ziele vollends im Klaren sein. Prinzipiell handelt es sich um eine sehr flexible Hinzuverdienstmöglichkeit (Stichwort Nebenerwerb). Darüber hinaus kann Crowdworking auch eine Option für die hauptberufliche Selbstständigkeit sein. Sei es als Freelancer auf einer Crowdworking-Plattform oder als Gründer einer solchen. Das bietet sich vor allem an, wenn notwendige Programmierkenntnisse und eine gute Vernetzung vorhanden sind. Beide grundlegenden Optionen sollen in diesem Beitrag in wesentlichen Zügen skizziert werden.
 

Status beim Crowdworking: Diese Rahmenbedingungen sind zu beachten!

Einem Urteil des Landesarbeitsgerichts München zufolge sind Crowdworker selbstständig. Die Richter argumentieren im Urteil, dass ein Arbeitsvertrag nur dann vorliegt, wenn Crowdworker zur Erbringung von Leistungen verpflichtet werden können. Davon kann auf einer freien Plattform mit Wahlmöglichkeiten nicht die Rede sein, sodass nicht von Weisungsgebundenheit auszugehen ist. Diese Rahmenbedingungen sind sowohl für Crowdworker selbst als auch die Betreiber der Plattform von zentraler Bedeutung. Handelte es sich um Angestellte im rechtlichen Sinne, so würden Personalkosten die eigentliche Flexibilität des Geschäftsmodells in Frage stellen.
 

Entwicklungen: Wie viele Crowdworker gibt es in Deutschland?

Auch wenn es nicht DIE einheitliche Zahl gibt, scheint es Stand 2020 bereits deutlich über eine Million aktive Crowdworker zu geben. Glaubt man dem ‚Crowdworking Monitor‘ des Bundesministeriums für Arbeit/Soziales, so haben bereits 2018 knapp 5 % der Wahlberechtigten als Crowdworker gearbeitet. In jedem Fall gehen Experten unisono davon aus, dass sich die Zahl der Crowdworker und somit auch Plattformen in den nächsten Jahren erhöhen dürfte. Insofern handelt es sich um einen klaren Wachstumsmarkt.
 

Wie viele Crowdworker sind tatsächlich aktiv?

Die absolute Zahl der Crowdworker ist aber insofern zu relativieren, als die in den Quellen angegebene Studie nur von etwa 25 % aktiven Crowdworkern ausgeht. Wer eine solche Plattform betreiben will, sollte bereits in der Startphase großen Wert auf Aktivität und Beteiligung legen und ein entsprechend professionelles Management betreiben. Denn letztlich verzerren solche Karteileichen das Bild. Plattformen werden sicher mit der Anzahl an klugen Köpfen werben. In Wirklichkeit können die verfügbaren Ressourcen aber weitaus geringer sein, was für das Image sicher nicht hilfreich ist.
 

Welche Herausforderungen gibt es beim Crowdworking (noch)?

In Deutschland handelt es sich im Gegensatz zu den USA noch um ein recht neues Feld. Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) weist daher darauf hin, dass es noch keine wirklich belastbaren Regeln und somit fairen Rahmenbedingungen gibt. Das sollte für beide hier diskutierten Ausrichtungsformen klar sein. Wer eine Crowdworking Plattform gründet, sollte nicht den Eindruck erwecken, eine virtuelle Form der prekären Arbeit schaffen zu wollen. Denn alle, die als Crowdworker Geld verdienen möchten, sind an einer fairen Vergütung interessiert. Das gilt vor allem, wenn sie eine hohe Qualifikation oder gefragtes Expertenwissen mit einbringen. Während das Bundesministerium für Arbeit und Soziales vor wenigen Jahren mit Blick auf Crowdworking noch von einem Nischenphänomen sprach, wird es mittlerweile als Arbeitswelt der Zukunft gesehen. Die Folgen des Coronavirus auf die reale Arbeitswelt dürften diese Entwicklung weiter befeuern.
 

Überblick: Diese Themen spielen bei der Planung eine Rolle

  • Welche Vorgaben und Richtlinien gibt es/soll es geben? Passen diese zu (meinen) Vorstellungen als Freelancer?

  • Wie sollen zeitliche Vorgaben und Einschränkungen organisiert werden?

  • Wie kann ein faires und transparentes Vergütungsmodell aussehen?

  • Wie soll für Anreize und Motivation gesorgt werden (z. B. mit einem Bewertungs- und Bonussystem)?

  • Welche Unternehmen sollen/können regelmäßig auf die Crowdworking-Plattform zugreifen? Kann so für Freelancer immer ein attraktiver Pool an Aufträgen gesichert werden?


Crowdworking Plattform gründen: Das ist zu beachten!

Wie viele Crowdworking-Plattformen gibt es bereits und in welchen Bereichen herrscht eine Angebotslücke? Stand 2020 gibt es in Deutschland mehr als 30 Plattformen, die sich thematisch vor allem um die folgenden Bereiche drehen:

  • Contenterstellung

  • Design

  • Marktplätze

  • Produkttests

  • Mikrotasking (z. B. Fotos erstellen etc.)

  • Marktforschung und Kundenberatung

Zu prüfen ist nach einer eingehenden Marktanalyse, in welchen Bereichen jetzt und in Zukunft eine Crowdworking-Plattform vielversprechend ist. Das Thema E-learning/Wissensvermittlung könnte eine Rolle spielen, da digitales Lernen ganz klar ein zukunftsträchtiges Thema ist. Ist ein Thema gefunden, geht es an die technische Umsetzung. Rechtliche Aspekte, vor allem auch mit Blick auf den Datenschutz, gehören von Beginn an in den Fokus der Aufmerksamkeit.

Was die Konkurrenzanalyse angeht, so rücken folgende Werte laut Studie in den Fokus: Im Schnitt weisen Plattformen über 90.000 Crowdworker auf und sie beschäftigen intern durchschnittlich 23 Mitarbeiter. Das gibt wichtige Dimensionen vor, wenn es um die Planung eines eigenen Unternehmens geht. Schließlich handelt es sich beim Personal um den größten Kostenfaktor. Der Businessplan für eine Crowdworking-Plattform muss in Bezug auf diese Frage klare und planbare Antworten geben.

Die Umsatzentwicklungen und Zukunftsaussichten von befragten Crowdworking-Unternehmen sprechen ganz klar für die Potenziale dieser Geschäftsidee: Alleine von 2015 auf 2016 verzeichneten Unternehmen im Schnitt ein kräftiges Umsatzwachstum von knapp 90 %. Die große Mehrheit aller Crowdworking-Unternehmen beurteilt die Zukunftsaussichten kurz- und selbst langfristig als sehr gut.
 

Marketing für Crowdworking: Möglichst viel(e) erreichen!

Wer als selbstständiger Crowdworker Geld verdienen möchte, muss sich nur auf der Plattform registrieren. Nach einem ersten Textprojekt (ggf. auch für eine Qualitätseinstufung) stehen Möglichkeiten für die Eigenvermarktung zur Verfügung. In der Regel ergeben sich schnell Kooperationen mit festen Kunden, wobei viele Plattformen individuelle Optionen jenseits der verfügbaren Aufträge zur Verfügung stellen. Je nach Qualifikation kann es sinnvoll sein, sich selber mit einer Homepage zu vermarkten und sich so insgesamt breiter aufzustellen. Zu prüfen ist je nach Plattform, welche Optionen es gibt, um möglichst viele Auftraggeber für sich zu gewinnen.
 

Wie Unternehmen als Auftraggeber gewinnen?

Wer eine Crowdworking-Plattform gründet, wird vor allem Unternehmen bzw. Geschäftskunden gewinnen müssen, die dann sehr regelmäßig Aufträge einstellen. Um das zu erreichen, muss die Plattform mit entsprechend suchmaschinenoptimiertem Content mit maximaler Reichweite und Sichtbarkeit positioniert werden. Für erfolgreiches Marketing für eine Crowdworking-Plattform wird es vor allem darauf ankommen, die Vorteile und Mehrwerte selbstbewusst in den Fokus zu rücken.
 

Diese Vorteile bietet Crowdworking Unternehmen:

+ Kostengünstige Auslagerung von Arbeiten ohne Schaffung unternehmensinterner Ressourcen

+ Schnelle Erledigung von hunderten von Aufträgen

+ Erhöhung der Innovationskraft durch Schwarmintelligenz

+ Schnellere Anpassungsfähigkeit und Erhöhung der Wettbewerbsfähigkeit


Wie viel verdient man mit Crowdworking?

In erster Linie hängt der Verdienst von der Auslastung, dem täglichen Arbeitspensum und sicher auch dem eigenen Qualifikationsniveau ab. Je höher alle Kriterien ausgeprägt sind, desto mehr wird ein selbstständiger Crowdworker verdienen können. Wichtig ist, dass Crowdworker ihre Fähigkeiten und vor allem Arbeitsgeschwindigkeit vor Aufnahme eines Auftrags richtig einschätzen. Je besser das gelingt, desto realistischer können sie die Verdienstchancen für jeden Auftrag einschätzen. Wer einen attraktiven Verdienst als Crowdworker erzielen möchte, sollte also nicht ohne zu überlegen jeden Auftrag sofort annehmen. Das kann allenfalls in der Startphase eine zeitlich beschränkte Option sein, um sich ein Netzwerk und einen gewissen Status aufzubauen. Denn damit steigen auch die Verdienstmöglichkeiten auf Crowdworking-Plattformen.
 

Wie viel Gewinn wirft eine Crowdworking Plattform ab?

Der Verdienst mit einer eigenen Crowdworking-Plattform hängt ebenfalls von der Auslastung ab: Wie viele Auftraggeber stellen Projekte ein, und zu welchen Konditionen? Diesbezüglich zeigt ein Blick auf die bereits angesprochene Studie zu Crowdworking-Plattformen, dass durchschnittlich mit einer Provision von etwa 22 % zu rechnen ist. Wer also mit einem gewissen Umsatz für einen Monat kalkuliert, wird daraus unmittelbar den Gewinn ableiten können. Mit Blick auf einen möglichst hohen Verdienst mit einer Crowdworking-Plattform muss es das Ziel sein, die Gewinnmarge so hoch wie möglich anzusetzen. Zu bedenken ist, dass im kreativen Bereich von der Marge auch Abgaben an die Künstlersozialversicherung zu zahlen sind.
 

Zusammenfassung/FAQ für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit Crowdworking‘

  1. Warum selbstständig machen mit Crowdworking?

Weil es sich um ein orts- und zeitunabhängiges Arbeitsmodell der Zukunft handelt, das für Auftraggeber und Crowdworker zahlreiche Vorteile bietet. Es zeichnet sich ab, dass Crowdworking in der Zukunft eine größere Rolle spielen wird. Gründer dürfen somit auf einen nachhaltigen Wachstumskurs hoffen.

  1. Wie selbstständig machen mit Crowdworking?

Es besteht die Option, neben- oder hauptberuflich als Crowdworker im Internet Geld zu verdienen, wobei die Themen und gefragten Qualifikationen sehr unterschiedlich sein können. Auf der anderen Seite besteht die Option, eine eigene Crowdworking-Plattform zu gründen und daraus ein größeres Unternehmen mit einigen Mitarbeitern wachsen zu lassen.

  1. Hat die Corona-Krise einen Einfluss auf Crowdworking?

Der Lockdown hat zu einem Digitalisierungsschub geführt, der nachhaltig sein dürfte. Durch den krisenfesten Charakter von Crowdworking handelt es sich um eine zukünftig sehr attraktive Option für Unternehmen, um sich besser auf solche Ausnahmesituationen einstellen zu können.

  1. Wie viel lässt sich mit Crowdworking verdienen?

Die wichtigsten Variablen wurden oben im letzten Kapitel diskutiert. Zudem sollten Existenzgründer diese Frage im Businessplan selber anhand realistischer Annahmen beantworten können.

 

Quellen:

Arbeitspapier zu Crowdworking Plattformen in Deutschland, online abrufbar unter https://www.alexandria.unisg.ch/250739/1/JML_615.pdf [zuletzt verwendet am 14.7.2020].

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