Selbstständig machen mit einem Kino

Zuletzt aktualisiert: 07.07.2026

Wer eine Leidenschaft für gute Filme hat und liebend gerne ins Kino geht, kann daraus eine vielversprechende Geschäftsidee ableiten und hier praxisorientiert verfolgen: selbstständig machen mit einem Kino. Es steht außer Frage, dass eine gewisse cineastische Begeisterung notwendig ist, um ein Kino eröffnen und dauerhaft erfolgreich führen zu können. Schließlich gilt es, den Geschmack des Publikums zu treffen und so möglichst häufig für sehr gut besuchte Vorstellungen zu sorgen. 

Wer ein Kino gründen möchte, wird sich aber nicht nur mit Filmen und entsprechenden Rechten (Lizenzen und Urheberrechte) gut auskennen müssen. Es gilt, einen kompletten Betrieb mit Mitarbeitern zu führen, denn alleine wird sich ein Kino angesichts eines notwendigen Kundenservices nicht führen lassen. Insofern sollten Existenzgründer im auszuarbeitenden Businessplan die erste überzeugende Vorstellung in eigener Sache geben! Der folgende Beitrag beleuchtet, welche Themen und auch Herausforderungen für die Existenzgründung mit einem Kino im Fokus stehen sollten.

Existenzgründung mit Kino: selbstständig machen mit sehenswerten Filmen

  • Ausgangsanalyse: Kinos in Deutschland
  • Grundsatzentscheidung zu Beginn
  • Kino eröffnen: Businessplan
  • Voraussetzungen, um sich mit einem Kino selbstständig zu machen
  • Verdienst mit einem Kino: Wann ist der Betrieb rentabel?

Analyse der Ausgangslage

Die Kinobranche in Deutschland steht seit einigen Jahren unter Druck. Die Zahl der Kinobesuche liegt mittlerweile deutlich unter dem Niveau der Zeit vor der Pandemie, auch wenn sich der Markt zuletzt wieder etwas gefangen hat. Branchenkenner geben als Grund vor allem an, dass zugkräftige Kassenschlager aus der Traumfabrik in Hollywood zeitweise Mangelware sind. Dementsprechend fehlt phasenweise die große Zugkraft, um wieder mehr Menschen ins Kino zu locken.

Zahlen und Entwicklungen im Zielmarkt

Laut Filmförderungsanstalt (FFA) wurden in deutschen Kinos zuletzt rund 90 Millionen Kinobesuche pro Jahr gezählt (FFA, 2024) – das entspricht etwa einem Besuch pro Kopf und Jahr. Deutschland verfügt über mehr als 1.700 Kinos mit rund 4.800 Leinwänden; die Zahl der Standorte geht über die längere Frist leicht zurück. Der durchschnittliche Eintrittspreis ist zuletzt auf gut 10 Euro gestiegen (FFA, 2025), sodass die Bruttoeinnahmen trotz stagnierender Besucherzahlen zeitweise steigen konnten. Nach den USA und China handelt es sich in Deutschland um den drittgrößten Kinomarkt weltweit.

Einflussfaktoren zur Relativierung der Marktentwicklung

Auch wenn die Zahlen Gründer nicht unbedingt sofort veranlassen, sich selbstständig mit einem Kino zu machen, so sollten die Daten relativiert werden. So wird deutlich, dass das Geschäft von Kinobetreibern durchaus vom Wetter und von Großereignissen beeinflusst werden kann. Eine Rekordhitze im Sommer über mehrere Wochen kann für sehr geringe Umsätze sorgen, die sich negativ auf das ganze Jahr auswirken. Auch sportliche Großereignisse wie eine Fußball-WM oder -EM halten viele potenzielle Kinogänger ab. Insofern sind einzelne schwache Jahre auch als Momentaufnahme zu sehen. Von grundlegender Bedeutung in Sachen Konkurrenz sind erfolgreiche Streamingdienste wie Netflix, Amazon Prime Video oder Disney+, die die Kinobesuche generell sinken lassen. Warum sich noch auf den Weg ins Kino machen, wenn man bequem vom Sofa aus für wenige Euro im Monat beste Unterhaltung genießen kann? Wer ein Kino eröffnen möchte, sollte diesen Trend erkennen und mit einem attraktiven Angebot gegensteuern. Insofern muss deutlich werden, warum ein Besuch im neuen Kino ein Erlebnis ist und dem Streaming auf dem heimischen Sofa eindeutig vorzuziehen ist.

Zwischenfazit als Zusammenfassung der Ausgangslage

Mit Blick auf die skizzierte Ausgangslage lässt sich folgende Frage stellen: Lohnt es sich für Existenzgründer noch, angesichts rückläufiger Besucherzahlen und konkurrierender Streamingdienste ein Kino zu eröffnen? Dieser Beitrag wird zeigen, dass dies möglich ist, aber nur mit einer klugen strategischen Positionierung. Diese muss aus Kundensicht klare Alleinstellungsmerkmale erkennen lassen. Generell ist zu bedenken, dass diese Geschäftsidee recht kapitalintensiv ist. Ein hohes finanzielles Risiko gehört also dazu, wenn sich Existenzgründer mit einem Kino selbstständig machen wollen.

Kino eröffnen: Grundsatzentscheidung zu Beginn

Noch bevor der Businessplan konkrete Züge annimmt, stellt sich die Frage, wie ein Kino eigentlich eröffnet wird. Und hier stehen angehende Selbstständige vor einer ersten Grundsatzentscheidung. Wer das Risiko minimieren will, kann auf das Franchise-Angebot großer Ketten zurückgreifen und so sofort ein funktionierendes System mit hohem Bekanntheitsgrad nutzen. Das aber hat natürlich seinen Preis durch Startgebühren und Umsatzbeteiligungen. Zudem hält sich die unternehmerische Entscheidungsfreiheit in einem Franchisesystem in engen Grenzen. Wer sich cineastisch ohne Zwänge selbstständig machen will, sollte ein eigenes Konzept für ein neues Kino erarbeiten. Das setzt mehr Arbeit voraus, bietet aber die Chance, sich mit einem besonderen Angebot gezielt gegen große Kinos durchsetzen zu können. Oft nämlich ist es der Charme kleinerer Kinos, der auf Besucher eine besondere Anziehungskraft ausübt.

Ob eigenes Konzept oder Franchise – für den Betrieb ist die Rechtsform eine zentrale Weichenstellung, gerade wegen der hohen Investitionen und der Haftungsfragen. Ob Einzelunternehmen, GbR, UG oder GmbH sinnvoll ist, lässt sich strukturiert klären.

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Businessplan für ein Kino: Wichtigkeit des Standortes

Wer ein eigenständiges Kino eröffnen möchte, braucht zunächst geeignete Räumlichkeiten mit großen Sälen. Insofern werden die Räumlichkeiten die Basis für diese Geschäftsidee sein. Unter Umständen kommt auch ein Bauprojekt in Betracht, womit das unternehmerische Risiko aber noch größer wird. Zu prüfen ist, ob ein Kino übernommen bzw. gekauft werden kann. Voraussetzung ist allerdings ein Blick in die Bücher. Dieser sollte zeigen, dass das Geschäft gut läuft und somit nach der Übernahme vielversprechende Optionen eröffnet. Der Standort sollte viel Laufkundschaft anlocken können (für spontane Kinobesuche) und verkehrstechnisch sehr gut angebunden sein. Ausreichende Parkmöglichkeiten werden für viele Kunden ein Grund sein, ein Kino zu besuchen oder eben nicht. Zu prüfen ist, welches Einzugsgebiet genutzt werden kann und mit welcher Kaufkraft zu rechnen ist. Eine umfassende Konkurrenzanalyse muss zeigen, inwiefern der auserkorene Standort noch Spielräume für Wachstum zulässt.

Im Businessplan muss das Kino ein eigenständiges Profil erhalten, das eine strategisch durchdachte Platzierung angesichts der Konkurrenz erkennen lässt. Im Finanzteil muss die Basis für die ersten Jahre gelegt werden. Nur mit ausreichender Liquidität wird das Geschäftsmodell dauerhaft zu einem Erfolg werden können. Nicht zu vergessen ist, dass ein überzeugender Businessplan der Türöffner zu Banken, Geschäftspartnern oder anderen Investoren ist. Angesichts dessen wird sich die Arbeit an einem Businessplan für ein Kino in jeder Hinsicht auszahlen.

Überblick: Kostenfaktoren für ein Kino im Businessplan

  • Kosten für Gründung/notwendige Investitionen: Immobilienkauf, ggf. Baukosten, Umbaumaßnahmen, Projektions- und Tontechnik, Notarkosten, Maklergebühren etc.
  • laufende Fixkosten: Miete, Energiekosten, Versicherungen, Personalkosten, Marketingbudget, Kosten für die Finanzierung (Tilgungsraten)
  • laufende umsatzabhängige Kosten: Filmmiete, Filmabgabe, GEMA-/GVL-Gebühren, Einkauf von Waren je nach gastronomischem Angebot

Weil ein Kino hohe Fixkosten trägt und stark von der Auslastung abhängt, sollten Gründer den nötigen Mindestumsatz von Beginn an sauber durchrechnen – also die Umsatzschwelle, ab der Miete, Personal, Technik und Filmmiete gedeckt sind und ein Gewinn übrig bleibt (Zielumsatz-Rechner unten im Beitrag).

Ein Großteil der Startsumme entfällt auf Immobilie, Umbau und Kinotechnik – Investitionen, die üblicherweise fremdfinanziert werden. Wer die monatliche Belastung eines Investitionskredits im Vorfeld durchspielt, plant realistischer.

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Für ein solches Investitionsvorhaben – gerade bei kulturell wertvollen Programmkinos – lohnt es sich, frühzeitig zu prüfen, ob öffentliche Fördermittel, Kinoförderung oder zinsgünstige Darlehen in Frage kommen.

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Alleinstellungsmerkmale für die strategische Positionierung

Angesichts der eingangs skizzierten Rahmenbedingungen muss ein neues Kino aus Kundensicht eine klare Existenzberechtigung haben. Gründer sollten sich überlegen, was das Kino abgesehen vom wechselnden Programm attraktiv macht. Abgesehen von Snacks können bequeme Stühle und ein hochwertiges Soundsystem einen wahrlich spürbaren Unterschied ausmachen. Und auch über das Filmangebot lässt sich eine wirkungsvolle Differenzierung im Sinne einer Nischenstrategie fahren. In dieser Hinsicht muss ein kleines Kino mit nur einem oder sehr wenigen Sälen nicht zwingend die großen Blockbuster zeigen. Sinnvoller kann es sein, auf Filme zu setzen, die ein kleineres, aber treues Publikum ansprechen. In großen Kinos sind solche Filme meistens nicht oder nur sehr kurz zu sehen, da die Säle nicht voll werden. Eine gekonnte Programmauswahl ist die Voraussetzung, um Kunden bei Laune zu halten und so einen wirksamen Beitrag zur wünschenswerten Kundenbindung zu leisten. Das innere und äußere Design sollte ein Ambiente erzeugen, das Kinofans anspricht und sich gezielt von der großen Konkurrenz abhebt.

Kurzer Hinweis vorab: Diese Checkliste ist eine Orientierungshilfe

Der folgende Fahrplan bündelt die typischen Schritte bis zur Kinoeröffnung. Er ist eine unverbindliche Orientierung und ersetzt keine individuelle rechtliche oder steuerliche Beratung – die konkreten Auflagen hängen von Konzept, Standort und Bundesland ab.

  • Grundsatzentscheidung eigenes Konzept oder Franchise treffen.
  • Standort, Einzugsgebiet und lokale Konkurrenz analysieren.
  • Positionierung und Alleinstellungsmerkmal festlegen (z. B. Programmkino, Premium-Erlebnis).
  • Businessplan mit Finanz- und Investitionsplan ausarbeiten.
  • Kapitalbedarf für Immobilie, Umbau und Kinotechnik ermitteln.
  • Finanzierung sichern, Förder- und Kinoförderprogramme prüfen.
  • Geeignete Säle finden oder bestehendes Kino zur Übernahme prüfen.
  • Bauamt frühzeitig einbinden, Umbau- und Sicherheitsauflagen klären.
  • Projektions-, Ton- und Bestuhlungstechnik planen.
  • Gewerbe anmelden, nötige Erlaubnisse und Nachweise klären.
  • Aufführungsrechte und Verleihkonditionen mit Filmverleihen aushandeln.
  • Filmabgabe (FFG), GEMA- und GVL-Pflichten prüfen.
  • Personal für Kasse, Vorführung, Gastronomie und Service einstellen.
  • Marketing, Website und Online-Ticketing aufsetzen.
  • Probelauf, Eröffnung und laufendes Controlling starten.

Kino eröffnen: Voraussetzungen

Grundsätzlich ist ein Gewerbe anzumelden, bevor das Kino offiziell eröffnen darf. Welche Nachweise und Erlaubnispflichten einzureichen sind, hängt vom zu schildernden Leistungsspektrum ab. Sofern ein gastronomisches Angebot mit Alkoholausschank integriert werden soll, ist die Erlaubnis bzw. Anzeige nach dem Gaststättenrecht zu klären – seit der Föderalismusreform 2006 ist das Gaststättenrecht Ländersache, sodass je nach Bundesland eine Konzession oder nur eine Anzeige nötig ist. Wird mit leicht verderblichen Lebensmitteln umgegangen, ist zudem eine Erstbelehrung nach § 43 Infektionsschutzgesetz (IfSG) nachzuweisen (für Gründer und Personal). Mit Blick auf die Räumlichkeiten und notwendige Umbaumaßnahmen muss das zuständige Bauamt rechtzeitig eingebunden werden, damit es nicht zu kostenintensiven Verzögerungen kommt. In jedem Fall müssen alle Sicherheitsbestimmungen in Bezug auf Beleuchtung und Fluchtwege eingehalten werden. Was das eigentliche Kerngeschäft angeht, so sind Film- und Aufführungsrechte strikt zu beachten. Das gilt natürlich auch für Besucher, die nichts mit dem Smartphone abfilmen dürfen.

Woher und zu welchen Konditionen stammen die Filme?

Wer einen Film in einem Kino vorführen möchte, braucht temporäre Aufführungsrechte. Das gilt übrigens nicht nur für aktuelle Filme! Kinobetreiber leihen Filme in aller Regel aus, sodass die Kosten sich in einem flexiblen und berechenbaren Rahmen halten. Der Verband der Filmverleiher e. V. ist eine erste Anlaufstelle, um sich näher mit diesem erfolgskritischen Schlüsselthema zu befassen. Hier lassen sich Verleihoptionen prüfen und wirtschaftlich durchrechnen. Filmrollen gehören meistens nur noch der nostalgischen Vergangenheit an, denn in aller Regel werden Filme mittlerweile digital auf Festplatten (DCP) geliefert, was natürlich eine entsprechend moderne Technik im Kinosaal erfordert. Die Filme dürfen nur für den Zeitraum des Verleihs gezeigt werden, keinen Tag früher oder länger. Am Ende werden die Filmkopien wieder an den zuständigen Verleih zurückgegeben.

Faktoren rund um die Filmmiete

Die eigentliche Filmmiete, die für Gründer mit Blick auf die Kostenstruktur sehr wichtig ist, bemisst sich anteilig am Umsatz für den jeweiligen Film. Zu beachten ist, dass die Mietkosten auch davon abhängen, wie viele Kinobesucher den Film sehen; herangezogen wird der Nettoumsatz aus dem Ticketverkauf. Unternehmerische Spielräume ergeben sich durch ausgeprägtes Verhandlungsgeschick des Kinobetreibers, denn der prozentuale Anteil für den Filmverleih ist Verhandlungssache. Neuere und stark gefragte Filme können durchaus einen Anteil von rund 50 % verursachen. Bei kleineren Filmproduktionen ist als Richtwert eher mit etwa 40 % zu rechnen. Je länger Filme laufen, desto geringer wird meist der Anteil. Nicht unüblich in dieser Branche ist es, dass viele Filmverleihfirmen einen garantierten Mindestbetrag pro Film vorsehen. Im laufenden Betrieb müssen Kinobesitzer für jeden Film eine wöchentliche Abrechnung erstellen. Hieraus muss hervorgehen, wie oft der Film gezeigt wurde und wie viele Besucher ihn gesehen haben. Ein wenig Recherchearbeit lohnt sich schon im Vorfeld der Existenzgründung mit Blick auf die Exklusivität des Filmprogramms: Abgesehen von den großen Verleihfirmen gibt es auch spezialisierte Anbieter, die besser zum anvisierten Profil des neuen Kinos passen können.

Zusätzlich zur Filmmiete fällt die gesetzliche Filmabgabe an die Filmförderungsanstalt (FFA) an, geregelt im Filmförderungsgesetz (FFG). Befreit sind Kinos, die pro Leinwand im Vorjahr weniger als 100.000 Euro netto aus dem Ticketverkauf erzielt haben. Darüber ist die Abgabe gestaffelt (aktuell rund 1,8 bis 3,0 % der Netto-Eintrittsumsätze, je nach Umsatz pro Leinwand). Hinzu kommen GEMA- und GVL-Gebühren für die öffentliche Wiedergabe.

Kino eröffnen und Kunden gewinnen: Tipps

Der Standort selbst sollte dafür sorgen, dass das Kino mit der Zeit bekannter wird und jeden Tag Besucher anlocken kann. In Zeiten des omnipräsenten Internets gilt es, sich immer und überall in der Kundenwahrnehmung zu präsentieren. Wer nach einem Kino in der Umgebung sucht, sollte das eigene möglichst weit oben finden können. Gezielte Maßnahmen im Bereich Local SEO sorgen dafür, dass das Kino bei Suchmaschinenanfragen sehr sichtbar platziert wird. Gleiches kann eine suchmaschinenoptimierte Homepage leisten, die zudem einen Einblick in die Kinosäle gewähren kann. Auf diesem Wege ist es möglich, Alleinstellungsmerkmale direkt in den Vordergrund zu stellen und viele neue Kinobesucher mit großer Reichweite neugierig zu machen. Gerade bei einem Kino bietet es sich an, das Programm mit Bildern oder Trailern erlebbar zu machen. Zur Kundengewinnung können auch bequeme Services wie die Online-Ticketbuchung inkl. Platzwahl gehören. So kann das Kundenerlebnis vor Ort möglichst positiv ausfallen, wenn es zu keinen langen Schlangen mehr kommt und Besucher sich sofort auf ihren Wunschplatz setzen können. Serviceorientierung und Kundennähe sind sehr probate Mittel, um Kunden zu gewinnen und auch langfristig binden zu können.

Verdienst mit einem Kino?

Woran verdienen Kinobesitzer überhaupt? Wie setzen sich die Umsätze zusammen? Nach wie vor ist es so, dass das Vorführen von Filmen das Kerngeschäft ausmacht. Glaubt man Schätzungen in der Kinobranche, so macht der Umsatz mit Kinokarten ungefähr zwei Drittel aus. Der Verkauf von diversen Snacks und Getränken macht schon gut ein Viertel des Umsatzes aus – und ist wegen der hohen Marge besonders profitabel. Mit Werbeeinnahmen lassen sich noch einmal einige Prozent des Umsatzes generieren. Der eigene Kinobetrieb kann von diesen Durchschnittswerten natürlich abweichen, solange von einer grundsätzlichen Profitabilität auszugehen ist. Der Ticketpreis pro Besucher muss in dieser Hinsicht nicht nur alle Kosten decken, sondern eine zufriedenstellende Gewinnmarge eröffnen. Ist diese bekannt und kann für einen Monat eine durchschnittliche Besucherzahl ermittelt werden, so lassen sich Prognosen für den Umsatz erstellen. Abzüglich aller Kosten, die betriebswirtschaftlich so gering wie möglich ausfallen sollten, bleibt der Gewinn, aus dem sich Kinobetreiber dann ihren Lohn auszahlen können. Dieser kann je nach Geschäftsmodell, Kostenstruktur und Größe des Kinos sehr unterschiedlich ausfallen, sodass allgemeine Werte kaum als aussagekräftige Orientierung dienen können. Jedenfalls ist es ein großer Vorteil der Selbstständigkeit, den Lohn selbst bestimmen und aktiv beeinflussen zu können.

Ein wesentlicher Kostenblock ist das Personal – Kasse, Vorführung, Reinigung und Gastronomie. Wer die tatsächlichen Arbeitgeberkosten je Mitarbeiter kennt, kalkuliert die Rentabilität deutlich präziser.

Mitarbeiterkosten-Rechner: was Personal wirklich kostet

Preispolitik als Schlüssel für Gewinne mit einem Kino

Für den Verdienst mit einem Kino spielt die Preispolitik eine zentrale Rolle, wobei eine Orientierung am Markt- und Ortsüblichen erfolgen sollte. Bewährt hat sich in der Branche ein dynamisches Preiskonzept, in dem Kunden aus mehreren Preiskategorien wählen können. Für bestimmte Vorführungszeiten am Nachmittag sind Rabatte ein Mittel, um für eine hohe Auslastung zu sorgen. Zu überlegen ist ferner, welche Rabatte für welche Zielgruppe sinnvoll sind (z. B. für Studenten oder Familien). Das Preiskonzept muss aus Kundensicht stimmig und insgesamt attraktiv sein. Die große Kunst besteht darin, dass die Preise auch aus kalkulatorischer Sicht der Betriebswirtschaft tragfähig sind. Mit Blick auf den möglichen Gewinn mit einem Kino sind auch saisonale Schwankungen gerade im Hochsommer zu bedenken. Angesichts dessen kann sich eine Klimaanlage als langfristig lohnenswerte Investition erweisen, um auch im Hochsommer viele Besucher mit einem angenehmen Klima ins Kino zu locken.

Tücken & häufige Fehler beim Kino-Start

  • Kapitalbedarf unterschätzt: Immobilie, Umbau und Kinotechnik verschlingen schnell hohe Summen. Zu knappe Liquiditätsplanung ist das größte Risiko.
  • Nur auf Blockbuster gesetzt: Kleine Häuser können mit großen Multiplexen bei Mainstream-Filmen kaum konkurrieren – eine Nischen- oder Programmstrategie ist oft tragfähiger.
  • Filmabgabe und Nebenkosten übersehen: Filmmiete, Filmabgabe sowie GEMA-/GVL-Gebühren müssen von Anfang an eingeplant werden.
  • Gastronomie vernachlässigt: Ein erheblicher Teil des Gewinns entsteht am Snack- und Getränketresen – wer das unterschätzt, verschenkt Marge.
  • Streaming-Konkurrenz kleingeredet: Ohne echten Erlebnismehrwert bleiben Besucher lieber auf dem heimischen Sofa.

Aktuelle Trends in der Kinobranche

  • Erlebnis-Kino: Premium-Säle mit Loungebestuhlung, Gastronomie am Platz und hochwertiger Ton-/Bildtechnik heben sich vom Streaming ab.
  • Event-Programm: Sneak-Previews, Filmreihen, Live-Übertragungen von Konzerten oder Sport und Kooperationen mit Festivals bringen zusätzliche Auslastung.
  • Programm- und Nischenkinos: Kuratiertes Arthouse-Programm bindet ein treues Stammpublikum.
  • Digitalisierung des Vertriebs: Online-Ticketing, Platzwahl und Mitglieder-/Abomodelle verbessern Planbarkeit und Kundenbindung.
  • Nachhaltigkeit & Energie: Energieeffiziente Technik und Klimatisierung sind Kosten- und Imagefaktor zugleich.

Bevor der Geschäftsbetrieb starten kann, steht die Gewerbeanmeldung an. Welche Unterlagen und Schritte konkret nötig sind, lässt sich vorab mit einer persönlichen Checkliste vorbereiten.

Gewerbeanmeldung vorbereiten: persönlicher Plan + Checkliste

Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen mit einem Kino‘

  1. Die Zahl der Kinobesuche liegt mittlerweile unter dem Vor-Pandemie-Niveau; der Markt hat sich zuletzt aber wieder etwas erholt.
  2. Ein Grund für die Entwicklung ist, dass zugkräftige ‚Hollywood-Blockbuster‘ phasenweise fehlen bzw. nicht mehr die Anziehungskraft vergangener Jahre entfalten.
  3. Streamingdienste sind eine starke Konkurrenz für Kinos geworden, die das Interesse am Kinobesuch strukturell dämpft.
  4. Wer sich selbstständig mit einem Kino machen will, kann das Franchise-Angebot großer Ketten prüfen oder ein völlig neues, eigenes Konzept umsetzen – für Letzteres ist mehr unternehmerisches Risiko in Kauf zu nehmen.
  5. Wer angesichts der großen Konkurrenz und der schwierigen Rahmenbedingungen erfolgreich ein Kino eröffnen will, braucht ein tragfähiges Konzept mit zugkräftigen Alleinstellungsmerkmalen.
  6. Wer Filme in einem Kino zeigen will, muss ein Gewerbe anmelden und temporäre Aufführungsrechte erwirken, für die – abhängig von Film und Besucheranzahl – Gebühren anfallen.
  7. Der Verdienst mit einem Kino hängt neben der zentralen Auslastung vor allem von einer schlanken Kostenstruktur, Verhandlungsgeschick gegenüber Filmverleihen und einer durchdachten Preispolitik ab.

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