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Nebenberuflich selbstständig: Neuer Trend mit vielen Vorteilen

Frau am Schreibtisch sichtet Unterlagen

Seit Jahren zeigt der viel beachtete Gründungsmonitor, dass die Anzahl der Existenzgründungen rückläufig ist. Generell zeigen die Zahlen aber auch, dass Existenzgründer den Weg in die Selbstständigkeit in der Mehrheit zunächst im Nebenerwerb wagen. Im Jahr 2016 waren so insgesamt 424.000 Nebenerwerbsgründer zu verzeichnen. Demgegenüber standen knapp 250.000 Gründer im Vollerwerb. Was die Branchen angeht, so nehmen Existenzgründer im digitalen Bereich mit 140.000 die Spitzenposition ein. Experten machen für die recht schwachen Zahlen mit Blick auf Existenzgründungen die seit Jahren stabile Wirtschaftslage verantwortlich.
 

Motive für den Nebenerwerb: Markttest und geringeres Risiko

In der Tat geben viele Gründer an, dass sie die Sicherheit des Jobs nicht aufgeben möchten. Hinzu kommt, dass sich viele Existenzgründer angesichts der Flut an Vorgaben und Bestimmungen nicht selten gehemmt fühlen und sich so für die sicherere und weniger aufwändige Gründung im Nebenerwerb entscheiden. Ungeachtet dessen nutzen Existenzgründer den Weg über den Nebenerwerb, um ihre Geschäftsidee zunächst unter realen Bedingungen testen zu können: Wie kommen die Produkte/Dienstleistungen am Markt an? Wie sieht die tatsächliche Nachfrage aus? Gibt es nachhaltige Entwicklungspotenziale, die den endgültigen Schritt in die berufliche Selbstständigkeit rechtfertigen können? Diese und weitere Fragen zeigen, dass Gründer in Deutschland eher risikoscheu sind.
 

Selbstständiger Nebenerwerb: eine flexible Perspektive für Frauen



Die aktuellen Zahlen aus dem Gründungsmonitor zeigen auch, dass vor allem immer mehr Frauen nebenberuflich als Gründerinnen aktiv werden. Hier beträgt ihr Anteil 44 %, wohingegen sie im Vollerwerb mit 33 % immer noch klar in der Minderheit sind. Experten sehen im selbstständigen Nebenerwerb die Chance, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf flexibel unter einen Hut zu bekommen. Sofern sich aus dem Nebenerwerb perspektivisch eine hauptberufliche Selbstständigkeit ergeben soll, dann müssen das relevante Wissen vertieft und ein funktionales Netzwerk aufgebaut werden. Arbeitsmarktexperten warnen Gründer allerdings davor, den Einstieg via Nebenerwerb auf die leichte Schulter zu nehmen, denn dieser ist genauso gewissenhaft zu planen. Vor allem dann, wenn sich langfristig gesehen daraus eine tragfähige Basis für die hauptberufliche Selbstständigkeit ergeben soll. Ungeachtet dessen muss in rein formaler Hinsicht auch eine nebenberufliche Tätigkeit beim Finanz- und ggf. Gewerbeamt angemeldet werden.
 

Welche Erkenntnisse offenbart der aktuelle Gründungsmonitor noch?

Abgesehen von der Rolle des Nebenerwerbs im deutschen Gründerwesen liefert der Monitor Hinweise, dass die Internationalisierung eine zunehmend wichtigere Rolle spielt. So geben mehr als 80 % der befragten Start-ups an, dass sie weiter internationalisieren wollen. Mehr als jedes dritte Unternehmen möchte dabei vor allem die Aktivitäten innerhalb der EU erhöhen. In Anlehnung an die aktuelle gesellschaftliche Diskussion rund um die Zuwanderung stimmen fast 65 % aller Start-ups der Behauptung zu, dass der Wirtschaftsstandort Deutschland davon profitieren wird. Hierzu passt, dass fast 30 % der Mitarbeiter in Start-ups keine deutsche Staatsangehörigkeit haben, wobei es in Berlin sogar fast 50 % sind. Zusätzliche wirtschaftliche Dynamik wird durch Kooperationen geschaffen. So kooperieren mehr als Zweidrittel aller Start-ups mit anderen Start-up-Unternehmen. Jedes zweite Start-up geht Kooperationen mit bereits etablierten Unternehmen ein (im Vorjahr waren es noch 70 %).

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