Selbstständig machen als Friseur

Friseurin in Salon lächelt in Kamera

Schneiden, frisieren, föhnen, stylen und immer ein offenes Ohr für ein persönliches Gespräch: Wer eine kreativ-kommunikative Ader mit Sinn für Ästhetik hat und den direkten Umgang mit Menschen liebt, kann sich hier mit einer fast schon als klassisch anzusehenden Geschäftsidee auseinandersetzen: selbstständig machen als Friseur. Nicht zu vergessen ist, dass es sich dabei um ein Handwerk handelt, das viel Können und Fingerspitzengefühl mit scharfen Scheren voraussetzt. Die Arbeitsresultate müssen sich immer sehen lassen können, denn nur zufriedene Kunden werden wiederkommen und einen Friseursalon persönlich weiterempfehlen.

Friseure müssen als Existenzgründer ihr Handwerk beherrschen…

Ohne handwerkliches Geschick und kaufmännisches Knowhow wird die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Friseur‘ nicht umzusetzen sein. Und angesichts der enormen Konkurrenz und sinkender Friseurbesuche wird es bei der Existenzgründung eine Herausforderung, sich am Markt zu behaupten. Der folgende Beitrag zeigt, mit welchen Entscheidungen und Themen der Weg in die Selbstständigkeit als Friseur gelingen kann.
 

Existenzgründung als Friseur: selbständig machen mit eigenem Salon

  • Ausgangsanalyse & strategische Ableitungen

  • Friseursalon eröffnen: Standort & Räumlichkeiten

  • kundenorientierte Organisation des Salons

  • Verdienstmöglichkeiten als selbstständiger Friseur

  • Franchise als Alternative?

  • Selbstständig machen als Friseur: Voraussetzungen
     

Friseursalon eröffnen: Analyse der Rahmenbedingungen

2017 gab es in Deutschland mehr als 80.000 Betriebe im Friseurhandwerk. Die Zahl hat in den letzten Jahren leicht, aber stetig zugenommen. Der Umsatz in der Branche liegt bei etwa 6,7 Milliarden Euro im Jahr. Neben Filialen großer Ketten gibt es viele Meisterbetriebe, die allesamt oftmals in örtlich sehr enger Konkurrenzsituation agieren. Insgesamt präsentiert sich der Markt als gesättigt, wobei es durchaus Standorte mit einer anzustrebenden Angebotslücke geben kann. Insofern wird deutlich, dass die Konkurrenzsituation sehr angespannt ist. In der Frühphase der Existenzgründung wird einer aussagekräftigen Standortanalyse als Basis für die Geschäftsentwicklung also eine große Bedeutung zukommen müssen.
 

Jeder geht doch zum Friseur! Von wegen…

Wer sich selbstständig als Friseur machen möchte, denkt womöglich rein nachfragebasiert, die Kunden würden von alleine in den Salon stürmen. Dem ist alleine aufgrund der enormen Auswahlmöglichkeiten in Städten nicht so. Und was viele nicht wissen: Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass die Deutschen Friseurmuffel sind. Deutlich mehr als 33 % aller Bürger gehen regelmäßig nicht zum Friseur. Der Grund hierfür liegt in einer anderen Konkurrenz, die nicht fassbar ist, wirtschaftlich aber eine Bedrohung darstellt: Die Rede ist von Schwarzarbeit. Viele lassen sich unter der Hand zuhause von Bekannten die Haare schneiden. Somit fallen nicht nur potenzielle Kunden weg. Die Schwarzarbeit hat den ohnehin immensen Preisverfall in diesem traditionellen Handwerksberuf noch verstärkt. Wer Friseur werden bzw. sich selbstständig machen will, darf bei diesem Preiskampf von Beginn an nicht mitmachen. Mit Blick auf die fixen Kosten und die Tatsache, dass es sich um ein Meisterhandwerk (!) handelt, sollte ein gewisser preislicher Rahmen nicht unterboten werden. Letztlich ist der Preis auch ein Signal für Qualität: Welcher Kunde will sich guten Gewissens und in ansprechender Qualität die Haare für wenige Euro schneiden lassen?
 

Aktuelle Zahlen für die Geschäftsplanung

Was die Nachfrage für diese Geschäftsidee angeht, so ist der Trend zu beachten, dass die Anzahl der Friseurbesuche sowohl bei Männern als auch Frauen rückläufig ist. Laut aktueller GfK Studie gehen Männer 6,9 Mal pro Jahr zum Friseur, Frauen unverändert 5,8 Mal. Die Preisunterschiede dabei sind allerdings deutlich: Männer bezahlen im Schnitt 16,20 Euro, Frauen hingegen ca. 50 Euro. Dieses enorme Preisgefälle scheint aber mittlerweile akzeptiert zu sein, zumal es durch den Faktor Arbeitszeit in den meisten Fällen gerechtfertigt ist. Branchenexperten betonen, dass vor allem Kunden durch den enormen Wettbewerb profitieren. Preiserhöhungen seien kaum durchzusetzen. Daher müssen Existenzgründer sehr genau überlegen bzw. im Businessplan begründen, mit welchem Preisniveau sie starten. In wirtschaftlicher Hinsicht muss es attraktive Gewinnmargen eröffnen können.
 

Zentrale Trends für die Geschäftsausrichtung erkennen

Einige der genannten Fakten dürften überraschen. Angesichts dessen sollte die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Friseur‘ möglichst faktenbasiert umgesetzt werden. Der Businessplan ist der richtige Ort, um der Geschäftsplanung einen strukturierten und zielfokussierten Rahmen zu verleihen. Wichtigstes Ziel muss es sein, zum Stammfriseur zu werden. Kundenbindung erweist sich in diesem Markt als Schlüssel zum wirtschaftlichen Erfolg. Zudem haben Klischees wie ‚Frauen gehen häufiger zum Friseur‘ nichts in der Geschäftsplanung zu suchen. Was einst stimmte, ist heute nicht mehr der Fall. Insofern wäre es strategisch nicht klug, sich verstärkt auf Frauen als Zielgruppe zu fokussieren.
 

Standort & Räumlichkeiten bewusst wählen

Der Erfolg als selbstständiger Friseur wird mit einem guten Standort und funktionalen Räumlichkeiten stehen und fallen. Es gilt, einen Standort mit wenig direkter Konkurrenz und möglichst viel Laufkundschaft zu finden. Das Ladenlokal selber muss eine ansprechende Größe für den angestrebten Geschäftsumfang aufweisen und die bautechnischen Voraussetzungen erfüllen, um einen Friseursalon eröffnen zu können (hierbei ist an Wasseranschlüsse zu denken). Auch die verkehrstechnische Erreichbarkeit samt Parkmöglichkeiten sollte eine Rolle bei der Wahl von Räumlichkeiten spielen. Ein nachweislich guter Standort kann durchaus auch dann sinnvoll sein, wenn er höhere Kosten als mögliche Alternativen verursacht. Natürlich kann ebenfalls die Option geprüft werden, ob ein vorhandener Friseursalon übernommen werden kann. Dies hat den nicht zu unterschätzenden Vorteil, sofort auf einen Kundenstamm zurückgreifen zu können. Andernfalls müsste dieser als wichtigste Aufgabe der Existenzgründung aufgebaut werden.

Praxistipp: guten Firmennamen finden für die Vermarktung

Wie soll der Friseursalon heißen? Hier ist Kreativität gefragt, um sich mit spitzer Schere von der Konkurrenz abzuheben und sich direkt im Bewusstsein festzusetzen. Hier erfahren Gründer, was ein guter Name für ein Unternehmen können muss.


Finanzierung im Businessplan auf eine belastbare Basis stellen

Sofern gefundene Räumlichkeiten umgebaut werden, ist mit hohen Kosten zu rechnen. Gleiches gilt für die notwendige Ausstattung, die bei Kunden einen professionellen Eindruck hinterlassen sollte. Wie bei allem im Leben gilt auch hier: Der erste Eindruck zählt. Wirkt der Salon von außen schon wenig einladend, so haben es potenzielle Kunden angesichts der Konkurrenz nicht weit zum nächsten Friseursalon. Gründer sind gut beraten, einen professionellen Businessplan auszuarbeiten, um externe Geldgeber von der Geschäftsidee zu überzeugen. Und letztlich ist diese strategische Planung erforderlich, um den eigenen Friseursalon von Beginn an auf die Erfolgsspur zu bringen. Abgesehen davon gilt es, alle Fördermöglichkeiten konsequent zu nutzen. Hier auf selbststaendig.de können sich angehende Existenzgründer einen umfassenden Überblick verschaffen.
 

Professionelle Organisation mit Wohlfühlflair

Beim Versuch, sich einen Kundenstamm aufzubauen und gewonnene Kunden zu binden, muss von Beginn an sehr durchdacht und konsequent vorgegangen werden. Insofern ist der Salon in ein buchstäblich einladendes Licht zu tauchen, ein entsprechendes Farbkonzept kann zum Wohlfühlen beitragen. Eine professionelle Ausstattung und wechselnde Bilder von modernen Frisurentrends können als optische Inspiration dienen. Getränke und Zeitungen, die während des Friseurbesuches angeboten werden, dürfen mittlerweile als Standard gelten. Warum also seine Kunden nicht auf andere Weise (z.B. mit kleinen Snacks) überraschen und begeistern? In jedem Falle sollte eines erreicht werden: Ein ruhiges Flair für möglichst entspannte Kunden. Nur wer dies erreicht, legt die Basis für zufriedene Kunden.
 

Reines Termingeschäft?

Ganz in dieser Hinsicht ist zu überlegen, ob nur auf Termin gearbeitet wird oder auch ein spontaner Service möglich sein soll. In der Praxis wird wohl eine Mischung aus beidem die beste Basis für eine hohe Auslastung sein. Wer Kunden einen spontanen Service anbieten möchte, wird entsprechende personelle Ressourcen zur Verfügung stellen müssen. Der Faktor Personal erweist ist in der Startphase als größter fixer Kostenblock, sodass möglichst auf Flexibilität geachtet werden sollte. Wer auf sichtbare Qualität und Motivation setzen will, sollte angemessene Löhne zahlen. Letztlich haben Mitarbeiter durch ihr Können und eine freundliche Art die Chance, ihr Gehalt jeden Tag durch Trinkgeld zu erhöhen. Professionelle Freundlichkeit kann sich gerade im Friseursalon im wahrsten Wortsinne auszahlen!
 

Schönheitsorientierte Zusatzleistungen als Mehrwert

In einem Friseursalon dreht sich alles um die Schönheit. Daher ist es nur logisch, dass in immer mehr Salons auch anderweitige Dienstleistungen neben dem Frisieren angeboten werden. Zu denken ist hierbei an das Schminken, kosmetische Behandlungen oder auch entspannende Kopfmassagen. Mit Blick auf die eigenen Qualifikationen und die der Mitarbeiter ist zu prüfen, welches Angebote jenseits von schneiden und färben mit in das Leistungsspektrum aufgenommen werden sollen. Auf diese Weise ergibt sich für beide Seiten eine Win-Win-Situation: Kunden genießen einen Mehrwert, indem sie auf ein ganzheitliches ‚Schönheitsspektrum‘ zugreifen können (etwa, um sich vor einem wichtigen Lebensereignis aufzuhübschen). Und für den selbstständigen Friseur ergibt sich so langfristig die Chance, die überlebenswichtige Einnahmebasis zu erhöhen. Natürlich muss hier immer die kaufmännische Sichtweise angelegt werden: In diesem Sinne ist zu kalkulieren, welche Dienstleistungen welche Gewinnmargen erlauben und daher aus wirtschaftlichen Gründen in das Leistungsspektrum aufgenommen werden sollten.
 

Marketing: Dem Handwerk ein persönliches Gesicht verleihen

Insgesamt gilt es, sich am Standort einen Namen zu machen. Ist dies z.B. durch zufriedene Kunden und Mund-zu-Mund-Propaganda erreicht, so sollte der Salon von alleine laufen. Vor bzw. in der Startphase der Existenzgründung gilt es, die Werbetrommel zu rühren. Dies kann in Zeiten des omnipräsenten Internets vor allem mit einer suchmaschinenoptimierten Homepage geschehen. Sinnvoll sind ebenfalls Aktivitäten auf Social-Media-Kanälen, um Trends und das eigene handwerkliche Können zu vermarkten. Videos können einen lebendigen Einblick in den Salon ermöglichen und so den einen oder anderen Kunden oder auch Friseurmuffel (!) wieder anlocken. Ein professionell kreiertes Logo kann auf allen Kanälen und am Ladengeschäft selber für einen hohen Wiederkennungswert sorgen. Ein origineller Name tut sein Übriges für eine moderne und reichweitenstarke Vermarktung.


Alternative: Friseursalon eröffnen in einem Franchise System?

Wer sich als Friseur selbstständig machen will, kann mit Franchise Lösungen von großen Ketten eine alternative Option prüfen. Eine entsprechende Onlinerecherche reicht, um sich ein Bild zu machen und verschiedene Angebote zu prüfen. Die Vor- und Nachteile können nur persönlich gewichtet werden. Die Tatsache, auf einen funktionierenden Namen und ein System zurückgreifen zu können, hat in Form von Franchisegebühren und Umsatzbeteiligungen einen hohen Preis. Für viele Existenzgründer ist es allerdings noch ein höherer Preis, sich in ein System pressen zu lassen und somit viele angestrebte Handlungsfreiheiten von Beginn an direkt wieder aufgeben zu müssen.
 

Was verdient man als selbstständiger Friseur?

Diskussionen über niedrige Löhne im Osten Deutschlands von teils weniger als 4 Euro pro Stunde in den Medien haben aufhorchen lassen. Dass angestellte Friseure nicht zu den höchsten Lohngruppen gehören, ist ebenfalls kein Geheimnis. Insofern kann es in finanzieller Hinsicht eine attraktive Option sein, sich als gelernter Friseur selbstständig zu machen. Wie viel verdient also ein selbstständig tätiger Friseurmeister? Gehalt.de gibt auf der Basis von mehr als 1.600 Datensätzen eine Gehaltsspanne zwischen 1.732 und 2.226 Euro an (im Durchschnitt also ca. 2.000 Euro). Zu beachten sind allerdings auch regionale Unterschiede. Letztlich können die Gehaltschancen mit einer durchdachten kaufmännischen Herangehensweise (Preispolitik) und einer hohen Auslastung gesteigert werden. In jedem Falle sind die Verdienstchancen als selbstständig arbeitender Friseur höher als in einem Angestelltenverhältnis. Zur Wahrheit gehört in diesem Zusammenhang aber auch, dass gerade die Startphase finanziell heikel ist und nur wenig Gewinne abwerfen wird. Umso wichtiger ist es, die Existenzgründung als Friseur auf eine finanziell möglichst breit (Förder)basis zu stellen.
 

Voraussetzungen, um sich selbstständig als Friseur zu machen

Wer sich selbstständig als Friseur machen will, muss aufgrund der handwerklichen Art der Tätigkeit einen Blick in die Anlage A der Handwerksordnung werfen: Dort werden Friseure genannt, es handelt sich also um ein zulassungspflichtiges Handwerk. Für die Eröffnung eines eigenen Friseursalons muss also ein Meistertitel nachgewiesen werden. Notwendig vor der Eröffnung eines Salon ist ebenfalls die Eintragung in die Handwerksrolle sowie eine Gewerbeanmeldung. Erst wenn alle formalen Aspekte (auch die steuerliche Erfassung der Tätigkeit beim Finanzamt) erledigt sind und der Gewerbeschein erfolgreich erworben wurde, darf der Salonbetrieb offiziell starten. Der Meistertitel bringt den Vorteil mit sich, sich als Meisterbetrieb qualitätsorientiert vermarkten zu können und Nachwuchs ausbilden zu können. Und hier stehen die Chancen gut, denn dieser Beruf steht bei vielen Schulabsolventen immer noch hoch im Kurs.
 

Selbstständig machen als Friseur ohne Meister?

Der Meisterzwang im Friseurhandwerk kann nicht umgangen werden. Es gibt aber alternative Wege, um auch ohne Meistertitel einen Friseursalon zu eröffnen. Der einfachste (aber durchaus kostenintensive) besteht darin, einen Friseurmeister in leitender Position einzustellen. Auf der anderen Seite kann geprüft werden, ob eine Ausnahmeregelung beansprucht werden kann. Dazu muss allerdings eine mehrjährige Berufserfahrung (auch in leitender Position) nachgewiesen werden können.
 

Kurzzusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Friseur‘

  1. Der Zielmarkt für das Friseurhandwerk ist sehr konkurrenzlastig und gesättigt (mehr als 80.000 Betriebe, Tendenz steigend). Schwarzarbeit spielt eine große Rolle, deutlich über ein Drittel der Deutschen gehen nicht regelmäßig zum Friseur

  2. Angesichts dieser zentralen Rahmenbedingungen kommt der ganzheitlichen Ausarbeitung des Businessplans eine erfolgskritische Bedeutung zu

  3. Es gilt, im Salon ein ansprechendes und wohlfühlorientiertes Flair zu schaffen, um sich als Stammfriseur zu etablieren. Auf dieses sehr wichtige Ziel sollten alle Marketingaktivitäten konsequent ausgerichtet werden

  4. Die Verdienstmöglichkeiten als selbstständiger Friseur hängen in erster Linie von einem guten Standort und einer durchdachten Preiskalkulation ab (Stichwort wirtschaftliche Betriebsführung)

  5. Für die Selbstständigkeit als Friseur ist ein Meistertitel zwingend vorgesehen. Vor der Eröffnung eines Salons muss ein Gewerbe angemeldet werden.

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