Selbstständig machen als Orthopäde

Orthopäde

Wer als angestellter Orthopäde mit der Selbstständigkeit als neue berufliche Perspektive liebäugelt, dem stehen laut Experteneinschätzung attraktive Perspektiven offen. Aktuelle Zahlen scheinen dies zu untermauern, denn von bundesweit gut 7.300 Orthopäden sind 5.300 als Niedergelassene tätig. Hinzu kommt, dass in einer alternden Gesellschaft mit Ärztemangel diese und weitere fachmedizinische Behandlungsformen stark nachgefragt werden. In vielen Fällen wird die Selbstständigkeit mit einer Praxiseröffnung oder –übernahme einhergehen. Durch geregelte Praxiszeiten und freie Wochenenden (abgesehen von einem etwaigen Notdienst) sollten selbstständige Orthopäden die viel gepriesene Work Life Balance besser ausbalancieren können. Und auch die Verdienstmöglichkeiten sind in einer gut laufenden Facharztpraxis mit Sicherheit ein starker Anreiz für den Weg in die berufliche Selbstständigkeit. In diesem Beitrag sollen die wichtigsten Faktoren für die erfolgsorientierte Selbstständigkeit als Orthopäde beleuchtet werden.
 

Businessplan als erste Pflichtaufgabe im Rahmen der Existenzgründung

Ob aus der Arbeitslosigkeit oder einem Angestelltenverhältnis heraus: Zunächst sollte mit einem durchdachten Businessplan die Grundlage für den angestrebten Erfolg gelegt werden. In diesem ‚Plan vom eigenen Geschäft‘ werden alle wesentlichen Geschäftsfelder kompakt beleuchtet, wobei vor allem der erfolgskritischen Finanzierung eine wichtige Rolle zukommt. Gerade im Rahmen einer Praxiseröffnung oder auch –übernahme können immens hohe Kosten entstehen, die sorgfältig kalkuliert werden sollten. Und um diese Kosten überhaupt erst decken zu können, muss ein stichhaltiger Businessplan externe Geldgeber überzeugen können. Generell zeigt ein Blick auf die Praxis: Je sorgfältiger die Planung, desto geringer ist das Risiko für ein Scheitern.
 

Strategische Entscheidungen treffen: Wohin soll die Reise gehen?

Als selbstständiger Orthopäde wird man in irgendeiner Form in einer Praxis arbeiten. Soll eine eigene Praxis gegründet werden? Alleine oder mit anderen Orthopäden in einer Gemeinschaftspraxis? Welcher Standort ist vielversprechend? Wie sieht die Konkurrenzsituation aus, um die spätere Auslastung einschätzen zu können? Welches Leistungsspektrum soll angeboten werden? Zu bedenken ist auch, ob der Fokus auf gesetzlich Versicherten und/oder privat Versicherten liegen soll. Letzteres stellt wesentlich höhere Honorare in Aussicht, allerdings müsste je nach Standort genau geprüft werden, ob eine ausreichende Auslastung der Praxis möglich erscheint. Für eine zu gründende Praxis müssen natürlich auch geeignete Räume gefunden werden. Für die Einrichtung und Ausstattung ist mit entsprechenden Kosten buchstäblich zu rechnen. Und für einen professionell organisierten Praxisbetrieb ist natürlich neben der (IT)-Infrastruktur auch Fachpersonal einzustellen. Hier zeigt sich schon, dass der Weg in die Selbstständigkeit als Orthopäde sorgfältig geplant werden muss, vor allem in finanzieller Hinsicht. Denn nur in den seltensten Fällen wird die Eigenkapitaldecke groß genug sein, um alle finanziellen Herausforderungen (und somit auch unternehmerische Risiken!) zu stemmen.
 

Die große Komplexität einer Praxisgründung erfordert nicht selten eine Expertenberatung

Angesichts der hier nur skizzierten Überlegungen zeigt sich schon deutlich die Komplexität einer Praxiseröffnung, die unerfahrene Gründer nicht selten abschreckt. Wer sich mit all den aufkommenden Fragen und zu treffenden Entscheidungen überfordert fühlt, sollte sich einen erfahren Berater für solche Fälle suchen. Durch einen erfahrenen externen Input können relevante rechtliche und wirtschaftliche Aspekte ganzheitlich bedacht werden. Insofern sollte die Komplexität nicht abschreckend wirken, sondern als Chance für zu ergreifende Handlungsspielräume gesehen werden.


Alternativen prüfen: schrittweise Praxisübernahme

Die Gründung einer neuen Praxis ist mit finanziellen Risiken verbunden und auch die Auslastung ist nicht mit Sicherheit prognostizierbar. Insofern kann es durchaus eine lohnenswerte Alternative sein, sich mit der Übernahme einer vorhandenen Praxis zu befassen. Hierfür entstehen zwar auch hohe Kosten (die ggf. durch einen Gutachter eingeschätzt werden sollten), aber ein Patientenstamm könnte so direkt auch mit übernommen werden. Junge Orthopäden, die den Weg in die Selbstständigkeit möglichst risikoarm erproben wollen, sollten an eine Teilzulassung denken. Oftmals ergibt sich der Weg in die Selbstständigkeit auch aus einem Angestelltenverhältnis in einer Praxis. Zudem lässt sich ein solcher Übergang auch bei der Einstellung vertraglich regeln, sodass die eigene private Lebensplanung ein Stück weit verlässlicher wird. In einer Gemeinschaftspraxis können Kosten und Risiken halbiert werden, allerdings ist hierzu auch ein belastbares Vertrauensverhältnis nötig. Zu bedenken ist der kritische Aspekt der gemeinsamen Leistungserbringung und der gemeinsamen Haftung. Letztlich lassen sich unternehmerische Risiken, die selbstständige Fachärzte auch zu tragen haben, nicht völlig ausschalten. Rein wirtschaftlich gesehen ist eine Gemeinschaftspraxis eine attraktive Alternative, zumal auch fachübergreifend Synergieeffekte genutzt werden können. Das daraus resultierende Leistungsspektrum kann für Patienten greifbare Mehrwerte offenbaren.


Formale Aspekte (Voraussetzungen) für selbstständige Orthopäden

Zu beachten ist, dass niedergelassene Orthopäden nicht am Verwaltungsakt der Kassenzulassung vorbeikommen, sofern eine vertragsärztliche Versorgung angeboten werden soll. Eine solche notwendige Zulassung wird im Übrigen nur Ärzten verliehen, die in das Arztregister eingetragen sind. Es versteht sich von selbst, dass hierfür eine Facharztausbildung erfolgreich absolviert sein muss. Wer sich übrigens im Bereich der Orthopädie-Technik selbstständig machen möchte, ist auf einen entsprechenden Meistertitel angewiesen (man denke etwa an das Berufsbild des Orthopädie-Mechanikers). Grundsätzlich sind Orthopäden Freiberufler. Dies gilt vor allem dann, wenn sie in Eigenregie eine Praxis eröffnen. Eine gewerbliche Tätigkeit kann sich jedoch durch das konkrete Leistungsspektrum ergeben, etwa wenn Produkte verkauft werden. Eine solche weitere Einnahmequelle müsste als Gewerbe angemeldet und dementsprechend buchhalterisch getrennt behandelt werden.
 

Wirtschaftliche Basis: Wie kann für eine optimale Auslastung gesorgt werden?

Bei einer Praxisübernahme ergibt sich die Herausforderung, den vorhandenen Patientenstamm zu halten, was nicht immer einfach ist. Es gilt, keinen radikalen Kurswechsel im Vergleich zum Vorgänger einzuleiten, um notwendigerweise vorhandenes Vertrauen nicht sofort zu zerstören. Wer eine Praxis eröffnet, sollte vor allem neben der realen auch virtuelle Präsenz durch eine optimierte Homepage zeigen. Idealerweise können potenzielle Patienten so einen Einblick in die Praxisräume erhaschen und sich mit dem Leistungsspektrum vertraut machen. Immer mehr Praxen gehen auch dazu über, aus Patientensicht attraktive bzw. zeitsparende Mehrwerte anzubieten. So können Überweisungen oder Rezepte und zum Teil auch schon Termine online angefordert werden. Nicht zu unterschätzen ist, dass potenzielle Patienten das Internet nicht nur nutzen, um einen geeigneten Facharzt in der Nähe zu finden. Auch auf bekannten Portalen zu findende Bewertungen spielen eine große Rolle für einen nachhaltigen Geschäftserfolg. Insofern gilt es, auch auf einschlägigen Bewertungsportalen für Ärzte Präsenz zu zeigen und bei Bedarf auch persönlich Stellung zu nehmen. Da dieser Aspekt in Zukunft immer wichtiger wird, kann ganz grundsätzlich auch eine externe Fachberatung in Betracht kommen.
 

Selbstständig machen als Orthopäde: Zusammenfassung mit ‚PRAXIStipps‘

  • Die berufliche Selbstständigkeit als Orthopäde verspricht attraktive Perspektiven (steigender Behandlungsbedarf in einer alternden Gesellschaft vor dem Hintergrund des Fachärztemangels). Hinzu kommen gute Verdienstmöglichkeiten und eine ansprechende Work Life Balance
  • strategische Alternativen bedenken: Praxisgründung oder Übernahme? Einzel- oder Gemeinschaftspraxis? Standort/Praxisräume? Fokus auf gesetzliche und/oder privat Krankenversicherte?
  • Um unternehmerische Risiken zu minimieren, kann eine Teilzulassung eine gangbare Option sein für den Einstieg sein
  • Aussicht auf die berufliche Selbstständigkeit: vertraglich lässt sich regeln, dass aus einem Angestelltenverhältnis in einer Praxis zu einem Zeitpunkt X eine Praxisübernahme vollzogen wird
  • formale Voraussetzung für die Praxiseröffnung: kassenärztliche Zulassung erwirken
  • Für den erfolgskritischen Aspekt der Auslastung ist eine optimierte Webseite für einen ‚virtuellen Praxisrundgang‘ wichtig
  • Als Facharzt genießen Orthopäden grundsätzlich den Status des Freiberuflers, wobei sich durch das konkrete Leistungsspektrum durchaus auch eine gewerbliche Tätigkeit ergeben kann
  • Auch einschlägige Bewertungsportale für Ärzte sind nicht außer Acht zu lassen, denn immer mehr Patienten informieren sich gezielt im Internet vor dem Aufsuchen einer Praxis über den Arzt.

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