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Das Geschäftskonto - Vorteile und Praxistipps

Jedem Existenzgründer sollte zu Beginn klar sein, dass er in Anlehnung an das hier behandelte Thema zunächst wohl öfter im Soll als im Haben sein wird. Zu Beginn muss in die Geschäftsausstattung investiert werden, Produkte sind zu entwickeln und auch Marketingmaßnahmen wollen finanziert werden. Zwar sind diese Geschäftsausgaben steuerlich absetzbar, trotzdem sollte zu Beginn eine vollständige Transparenz über die erfolgskritischen Finanzen herrschen. In dieser Hinsicht kann es zu einem separaten Geschäftskonto vernünftigerweise keine Alternative geben. Jeder seriöse Berater wird unmissverständlich verdeutlichen, dass ein Geschäftskonto (Girokonto) ein absolutes Muss ist, alleine aufgrund der praktischen Tatsache, dass sämtliche Transaktionen heutzutage fast ausschließlich per Überweisung abgewickelt werden. Wer hier den Überblick über Ausgaben und Einnahmen stets behalten will, muss zwangsläufig ein Geschäftskonto anlegen. Wer Privates mit Geschäftlichem in finanzieller Hinsicht vermischt, riskiert, beim Jahresabschluss bzw. generell bei der Buchhaltungspflicht schnell Fehler zu begehen.
 

Die Aufgaben eines Geschäftskonto für die Unternehmensführung

Generell erlaubt es ein Unternehmenskonto, die eingehenden und ausgehenden Zahlungsströme zu erfassen, wobei diese Daten auch für Controllingzwecke genutzt werden sollten. Ausgaben können so erfasst werden, um eine effektive Kostenkontrolle zu bewirken. Aus der Habenseite können Forderungen verbucht werden und ggf. Maßnahmen gegen säumige Kunden oder Geschäftspartner eingeleitet werden. In Sinne der Buchführungspflicht erlaubt es ein Geschäftskonto, jede Buchung nachweisbar zu machen. In erster Linie dient ein separates Geschäftskonto aber der Ordnung, die vor allem in der Existenzgründungsphase von elementarer Bedeutung ist: Wer bei der Buchhaltung schludert, verliert unter Umständen viel Zeit bei der Steuererklärung bzw. beim Jahresabschluss (je nach gewählter Rechtsform der Unternehmung). Erfahrungsgemäß ist die finanzielle Lage in den ersten beiden Jahren heikel. Wer in der kritischen Startphase keinen ständigen Überblick hat, riskiert schnell, der Unternehmung einen unwiderruflichen Todesstoß zu versetzen, da finanzielle Handlungsspielräume nicht richtig eingeschätzt werden können. Von daher gilt es, Eingaben und Ausgaben ständig im Blick zu haben und die Bestimmungen zur ordnungsgemäßen Buchführung (Paragraf 238 des Bürgerlichen Gesetzbuches) von Anfang an konsequent umzusetzen. Ordnung ist das halbe (Geschäfts)leben: Das Chaos und womöglich Strafgebühren sind vorprogrammiert, wenn das Finanzamt die Steuererklärung moniert und auf dem Konto nichts richtig zugeordnet werden kann.
 

Unterschiede zwischen Privat- und Geschäftskonto
und gesetzliche Rahmenbedingungen

Im Grunde genommen sind beide Kontotypen von ihren Aufgaben her identisch. Um den Überblick zu behalten, sollte aber eine strikte Trennung erfolgen. Auch offenbaren sich mit Blick auf den Leistungskatalog feine Unterschiede, die es zu würdigen gilt. Für Existenzgründer ist es beispielsweise sehr hilfreich, das Lastschriftverfahren für den reibungslosen Zahlungsverkehr nutzen zu können. Auch Firmenkreditkarten und Kontobevollmächtigte gehören in der Regel zum Leistungsumfang. Das Gesetz übrigens schreibt nicht explizit vor, dass ein Geschäftskonto eröffnet werden muss. Allerdings gibt das Steuerrecht einen gewissen Rahmen vor, denn jede Buchung muss nachvollzogen werden können. Wer kein separates Konto für sein Geschäft hat, riskiert, dass das Finanzamt bei einer etwaigen Prüfung auch private Zahlungsströme erfasst. Des Weiteren müssen die Belege über Buchungen 10 Jahre archiviert werden. Hierfür lassen sich Kontoauszüge abheften, auch ein elektronisches Journal ist eine zeitgemäße Alternative für die Buchführungspflicht.
 

Praxistipps für die Existenzgründung: Kosten und Vergleich

Auch wenn es Banken mit cleverer Werbung suggerieren mögen, so ist auch ein Geschäftskonto eigentlich nie völlig kostenlos. Sofern die Kontoführungsgebühr entfällt, treten an anderer Stelle Kosten auf oder die Zinsen für Überziehungen fallen besonders üppig aus. Monatsgebühren von bis zu 15 Euro liegen im Rahmen des Üblichen. In dieser Summe sollte eine bestimmte Anzahl an Transaktionen bereits enthalten sein. Eine größere Anzahl an Transaktionen kann weitere Kosten verursachen, die mit bedacht werden sollten. Auch für eine etwaige Giro- oder Kreditkarte können unter Umständen Jahresgebühren anfallen. Die meisten Banken bieten ein praktisches Online Banking an, sodass Transaktionen vom PC aus durchgeführt und Belege ausgedruckt werden können. Aufgrund der großen Bandbreite an Anbietern macht es durchaus Sinn, online einen Vergleich anzustreben, um ein passendes Angebot zu wählen. Dabei lohnt sich immer ein Blick auf die Leistungsdetails, denn ein vermeintlicher Schnäppchenpreis kann sich schnell zur unternehmerischen Falle entwickeln, wenn weitere Kosten entstehen und der Funktionsumfang für das Geschäftsmodell unzureichend ist. Zu betrachten ist also nicht nur der Preis, das gesamte Leistungsspektrum muss passen.
 

Folgende Fragen helfen bei der Auswahl eines passenden Kontos:

  • Welche Leistungen sind in der Grundgebühr bereits enthalten?
  • Wodurch entstehen Zusatzgebühren in welcher Höhe?
  • Wie viele kostenfreie Transaktionen sind möglich?
  • Welche Zahlungsoptionen können für Kunden genutzt werden?
  • Handlungsflexibilität: Wie hoch ist der Überziehungsrahmen und zu welchen Konditionen?
  • Welchen Serviceumfang bietet die Bank (Online Banking für die Buchhaltung, persönliche Beratung)?
     

Fazit: Was auf der 'Haben' und 'Soll' Kontoseite zu bedenken ist

Die Frage nach dem Überziehungsrahmen ist gerade in der Startphase nicht zu vernachlässigen, da rote Zahlen nicht auszuschließen sind. Daher sollte das Konto schon etwas kräftiger ins Minus rutschen können, ohne dabei eine Kostenexplosion zu verursachen. Auf der Haben-Seite ist zu bedenken, dass ein prall gefülltes Geschäftskonto zwar schön sein mag, rein betriebswirtschaftlich ist dies aber nicht sinnvoll, denn die Zinsen auf dem Girokonto sind in der Folge der Finanz- und Schuldenkrise auf einem historischen Tief. Daher ist es gewinnbringender, überschüssiges Geld kurzfristig gewinnbringender anzulegen, etwa in Wertpapiere. Hierbei sollte zwischen Risiko und Gewinn sorgfältig abgewogen werden. Natürlich sollte immer die Möglichkeit bestehen, Kapital kurzfristig wieder flüssig zu machen, um schnell reagieren zu können. Generell ist ein Geschäftskonto der richtige Ort, um Zahlungsströme und somit die Geschäftsentwicklung konkret und jederzeit nachvollziehen zu können. Das Geschäftskonto sollte aber nicht der Ort sein, um große Geldbeträge dauerhaft zu horten. Je nach Größe des Geschäfts kann es irgendwann auch sinnvoll werden, ein zweites Geschäftskonto (ggf. auch im Ausland) zu eröffnen, um attraktive Konditionen zu kombinieren.

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