Selbstständig machen mit einer Eisdiele

Wer selber eine Leidenschaft für Eis sowie Kaffeespezialitäten sein Eigen nennt und darüber hinaus gerne ein perfekter Gastgeber sein möchte, kann mit einer Eisdiele aus seinem Hobby einen Beruf machen. Und in der Tat sind die Aussichten an einem guten Standort nicht schlecht, schließlich ist die Eisdiele zu einem festen Bestandteil der hiesigen Kultur geworden. Doch so gut der Standort auch sein mag, ohne fundierte Kalkulationen und ein hohes Maß an Qualitäts- und Serviceorientierung wird sich auf Dauer kein Erfolg einstellen. Die Option ‚selbstständig machen mit einer Eisdiele‘ soll im folgenden Beitrag praxisnah beleuchtet werden, wobei zentrale Aspekte der Geschäftsausrichtung betrachtet werden, sodass Gründer im Vorfeld der Geschäftseröffnung oder kurz danach nicht eiskalt erwischt werden.

Existenzgründung mit einer Eisdiele: Darüber informiert dieser Beitrag

  • Entwicklung eines Geschäftskonzepts mit Genussfaktor
  • Anforderungen an einen guten Standort
  • Eisdiele eröffnen: formale und räumliche Anforderungen
  • Versicherungsschutz für den eigenen Geschäftsbetrieb
  • der Umgang mit unvermeidbaren saisonalen Schwankungen
     

Genussvolles Konzept aus Sicht der Kunden: Was macht die Eisdiele "einzigartig"?

Im Jahr 2015 gab es in Deutschland knapp 5.600 Eisdielen. 2009 waren es noch deutlich über 6.000 Eisdielen, sodass die Gesamtzahl recht stark rückläufig ist. Rein statistisch gesehen isst jeder Deutsche pro Jahr über 100 Kugeln Eis, was eine gute Ausgangsbasis zu sein scheint, da Kaffeespezialitäten und diverse Kuchenprodukte ja abgesehen davon auch für Umsätze sorgen können. Angesichts der rückläufigen Anzahl an Eisdielen gilt es, den Standort mit Bedacht auszuwählen und das Konzept der Eisdiele so zu gestalten, dass es aus Kundensicht attraktiv bzw. buchstäblich unwiderstehlich ist. Dazu muss Klarheit darüber herrschen, wer die Zielgruppe ist und welches Angebot dementsprechend sinnvoll erscheint. Darüber hinaus können statistische Auswertungen am Standort offenbaren, welche generelle Kaufkraft zugrunde liegt. Hieraus lassen sich mitunter belastbare Informationen für die Preisgestaltung ableiten.
 

Sich aus dem EinheitsEIS abheben: das Konzept sollte Kunden schmecken

Eisdielen gibt es geführt wie Sand am Meer. Um nicht im Einheitsbrei unterzugehen, sollten sich Gründer frühzeitig überlegen, inwiefern das Konzept für die zu eröffnende Eisdiele einzigartig ist. Der Businessplan ist der richtige formale Rahmen, um das Konzept ganzheitlich zu planen und alle Geschäftsbereiche inkl. Planung der Finanzen strategisch aufeinander abzustimmen. Die Arbeit lohnt sich, denn ein professioneller Businessplan ist eine wichtige Voraussetzung, um externe Geldgeber mit ins Boot zu holen. Für die Einrichtung und alle Technikkomponenten entstehen in der Startphase schnell fünf- oder sechsstellige Summen, sodass buchstäblich mit einem erheblichen Finanzierungsbedarf zu rechnen ist.
 

Folgende Aspekte können hilfreich sein, um Kunden etwas Besonderes zu bieten:

  1. ein ansprechender Name, der Lust auf Eis macht (es sollte kein Name gewählt werden, der schon hundertfach benutzt wird)
  2. besonderes Angebot: Welche mitunter exotischen Eissorten sollen angeboten werden? Was kann Kunden in die Eisdiele locken?
  3. ein ganzheitliches Geschmackserlebnis: Was wird Kunden außer Eis noch geboten? Kaffee- und Gebäckspezialitäten, frische Erzeugnisse aus eigener Herstellung?
  4. Flair und Ambiente: Welche Farb- und generelle Raumgestaltung setzt das Motto gekonnt um? Wie sollen Innen- und Außenbereich maximal einladend gestaltet werden? Wie kann ein gewisses Urlaubsflair erzeugt werden?
  5. Berücksichtigung von aufstrebenden Nischenprodukten wie veganes oder laktosefreies Eis?
  6. genießbare Qualität und offene Kommunikation: Fokus auf selbst hergestellte Eissorten und Auswahl von hochwertigen Rohstoffen (=> Basis für höhere Preise, die aber trotzdem akzeptiert werden)

Gerade der Geschmack wird über den nachhaltigen Erfolg entscheiden, denn fertiges Eis aus der Packung wird für Kunden mit Sicherheit kein Geschmackserlebnis auslösen, das sie zu wiederkehrenden Stammgästen macht. Hochwertige Eissorten aus eigener Herstellung werden in Bezug auf die Qualitätswahrnehmung einen großen Unterschied bewirken. Daher sollte auf diesen Aspekt von Anfang an großer strategischer Wert gelegt werden. Und natürlich sollte die hohe Qualitätsorientierung gegenüber Kunden auch offensiv kommuniziert werden. Hieraus folgt schon, dass fundierte Kenntnisse in den Bereichen Warenkunde und Eisherstellung unabdingbar sind, um sich mit einem einzigartigen Konzept für eine neue Eisdiele wirksam von der Konkurrenz abheben zu können. Zu einer konsequenten Qualitätsorientierung gehört es natürlich auch, die Lieferanten und entsprechende Verträge sorgsam zu prüfen, wobei einseitige Abhängigkeiten schon aus strategischen Gründen vermieden werden sollten.
 

Standort und Präsentation als Basis für "eiskalte" Geschäfte

Ein guter Standort sollte sorgfältig ausgewählt werden, da er die Basis für eine nachhaltige Geschäftsentwicklung darstellt. Im Idealfall lockt er Tag für Tag viel Laufkundschaft an. Neben dem Innenbereich sollte auch eine Außenfläche vorhanden sein, sodass im Sommer noch mehr Kunden an der frischen Luft das Flair der Eisdiele genießen können. Darüber hinaus kommt der Warenpräsentation eine Schlüsselrolle zu. In der Auslage sollten die Eiskreationen gut zu erkennen sein, um die Neugierde von vorbeilaufenden Kunden zu wecken.
 

Tipp: Die Zielgruppe ideal erreichen mit einem "mobilen Eiswagen"

Wenn das Geschäft gut angelaufen ist, birgt die Anschaffung eines "Eis-Mobils" enorme Vorteile. Zum Einen machen Sie sich und Ihre Eisdiele schnell bekannt (hoher Werbefaktor), zum anderen können Sie Ihre Ware unabhängig vom Ort und an sonnigen Tagen dort verkaufen, wo sich Ihre passende Zielgruppe befindet. Geeignet sind hier Parks, Spielplätze oder kinderreiche Wohngegenden. (Wichtig: Eventuelle Genehmigungen sind hier einzuholen)

 

Eisdiele eröffnen: formale und räumliche Anforderungen

Vor der Eröffnung einer Eisdiele muss ein Gewerbe angemeldet bzw. ein Gewerbeschein beantragt werden. Besondere fachliche Qualifikation müssen bei der Gewerbeanmeldung generell nicht nachgewiesen werden, wohl aber ein Gesundheitszeugnis und Fachkenntnisse in Bezug auf die strengen Hygienevorschriften. Hintergrund ist, dass in einer Eisdiele mit frischen und zum Teil schnell verderblichen Lebensmitteln gearbeitet wird. Die Kenntnisse in puncto Hygienevorschriften können durch einen Kurs nachgewiesen werden, der bei der IHK angeboten wird. Was die Herstellung von Eis selber angeht, so müssen Gründer die folgenden gesetzlichen Rahmenbedingungen strikt beachten:

  1. Der Raum, in dem das Eis hergestellt wird, darf kein Durchgangsraum sein. Wände und Böden müssen aus hygienischen Gründen gefliest sein, Fenster durch spezielle Insektenschutzgitter verschlossen werden
  2. Ein zu implementierendes innerbetriebliches Kontrollsystem stellt sicher, das Transport- und Lagerbedingungen eingehalten werden, um die Qualität der Rohstoffe und letztlich auch der Enderzeugnisse zu gewährleisten
  3. Die zur Herstellung benutzten Geräte und Behälter müssen aus Edelstahl sein

Der Aufwand in puncto Hygiene ist in einer Eisdiele nicht zu unterschätzen und Kompromisse sollten niemals eingegangen werden, da unangemeldete Kontrollen sehr schnell gravierende Folgen haben können. Wer neben Eis und Kaffee auch noch alkoholische Getränke ausschenken möchte, muss im Zuge der Gewerbeanmeldung eine Konzession beantragen. Sofern bauliche Veränderungen für ein gefundenes Ladenlokal geplant sind, so müssen diese frühzeitig mit dem zuständigen Bauordnungsamt abgestimmt werden. Umbaumaßnahmen müssen nach der Fertigstellung abgenommen werden und an die Vorgaben mit Blick auf sanitäre Einrichtungen ist ebenfalls zu denken. Sofern Personal eingestellt wird, muss ein Aufenthaltsraum zur Verfügung gestellt werden. Dann ist unter Vorlage des Gewerbescheines noch an die Anmeldung beim örtlichen Energieversorger zu denken, da Gewerbetreibende mitunter vergünstigten Gewerbestrom beziehen können.
 

Sinnvoller Versicherungsschutz für eine Eisdiele

Das fertige Eis und die Rohstoffe müssen stets gekühlt werden, um Frische zu garantieren. Im Hochsommer kann ein technischer Defekt bzw. ein Stromausfall kostenintensive Folgen haben, wenn der gesamte Lagerbestand im Kühlhaus vernichtet wird. Insofern erscheint der Abschluss einer Betriebshaftpflichtversicherung alternativlos, um sich vor möglichen Risikoszenarien wirksam zu schützen.
 

Saisonale Schwankungen erfordern unternehmerische Alternativen

Es liegt in der Natur der Sache, dass die Nachfrage nach Eis in den Wintermonaten sehr viel schwächer ausgeprägt ist. Insofern handelt es sich um ein saisonales Geschäft mit durchaus hohen Schwankungen. Diese sollten vorausschauende Geschäftsleute buchstäblich auf der Rechnung haben und entsprechende Rücklagen bilden. Nicht selten wird eine Eisdiele im Winter auch für wenige Wochen geschlossen. Gründer können ebenso vorgehen und in diesen Zeitraum ihren Jahresurlaub legen oder aber nach Alternativen suchen, die die Fixkosten decken und ggf. sogar noch mehr. In Innenstädten ist immer öfter zu sehen, dass Eisdielen im Winter auf Zeit untervermietet werden, um Weihnachtsgebäck oder ähnliches zu verkaufen. In diesem Sinne besteht natürlich auch die Chance, von Anfang an ein tragfähiges Ganzjahreskonzept zu erstellen. Im Winter können neben Eis auch heiße Genüsse wie Waffelspezialitäten Kunden anlocken. Letztlich sollte genau kalkuliert werden, wie viele Kunden es mit einem Umsatz X pro Tag bräuchte, damit die Öffnung auch im Winter zu einem wirtschaftlichen Erfolg werden kann. Ansonsten kann die Prüfung der Untervermietung mit Blick auf die gegebenen vertraglichen Möglichkeiten wenigstens die Fixkosten decken und gewisse Grundeinnahmen sicherstellen.

Tipp: Das saisonale Risiko lässt sich sehr gut kompensieren, wenn man die Eisdiele zusammen mit einer Pizzeria oder einem Café verbindet.
 

Selbstständig machen mit einer Eisdiele: praxisorientierte Kurzzusammenfassung

  1. generelle Rahmenbedingungen berücksichtigen: die Zahl der Eisdielen ist in Deutschland seit Jahren rückläufig und statistisch gesehen verspeist jeder Deutsche pro Jahr über 100 Kugeln Eis
  2. einzigartiger Genuss: Im Businessplan sollte ein tragfähiges Konzept erarbeitet werden, das die Eisdiele aus Kundensicht unwiderstehlich werden lässt
  3. Vor der Eröffnung einer Eisdiele muss ein Gewerbe angemeldet werden. Abgesehen vom Nachweis fundierter Hygienekenntnisse sind auch die baulichen Vorgaben mit Blick auf die Produktionsräume strikt zu beachten
  4. Ein guter Standort ist das halbe Geschäft: eine belebte Umgebung kann eine hohe Auslastung sicherstellen, sofern das Angebot und die Warenpräsentation aus Kundensicht attraktiv sind
  5. Eine leistungsstarke Betriebshaftpflichtversicherung schützt vor möglichen finanziellen Schäden durch technische Defekte etc.
  6. Mit Blick auf unvermeidbare saisonale Schwankungen sollten unternehmerische Alternativen geprüft und ohnehin finanzielle Reserven gebildet werden.

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