Selbstständig machen als Haussitter

Haussitter mit Giesskanne
Zuletzt aktualisiert: 03.08.2026

Wie wäre es, wenn sich eine vertrauensvolle Person während des Urlaubs um das Haus kümmern würde? Wenn die Blumen gegossen und der Briefkasten geleert würden? Und wenn dann noch jemand den Kühlschrank füllen und im Winter für eine regulierte Heizung sorgen würde? Diese Gedanken skizzieren eine zweifellos vorhandene Nachfrage für eine relativ neue Geschäftsidee, die in Deutschland noch recht unbekannt ist: selbstständig machen als Haussitter (Haushüter). Jedes Kind weiß, was ein Babysitter ist und macht. Aber was hat es mit einem Haussitter auf sich und wie kann der Weg in die Selbstständigkeit gelingen? Die Bezeichnung Haushüter trifft es im Deutschen wohl am besten. Dieser Beitrag wird sich dieser neuen Geschäftsidee in kompakter Form widmen und wichtige Handlungsfelder beleuchten

Was macht ein Haussitter eigentlich?

Ein Haussitter passt während der Abwesenheit der Bewohner auf ein Haus bzw. eine Immobilie auf. Welche Aufgaben dabei kostenpflichtig übernommen werden, hängt vom jeweiligen Leistungsspektrum ab. Das muss ein selbstständiger Haussitter – vor allem auch mit Blick auf die Konkurrenz – sorgfältig ausarbeiten. In der Praxis bieten die meisten Haussitter folgende Dienstleistungen an:

  • Leerung des Briefkastens
  • Blumen gießen (innen und außen), ggf. Gartenarbeiten
  • Mülltonnen herausstellen
  • Versorgung etwaiger Haustiere
  • Termine für die Hausherren wahrnehmen (z. B. mit Handwerkern)
  • Einkaufsservice
  • Reinigungsservice
  • Lüften/Heizen (Schwerpunkte je nach Saison)
  • Rollläden öffnen/schließen (= Einbrecherschutz)

Die Polizeiliche Kriminalstatistik weist für Deutschland derzeit rund 80.000 Wohnungseinbrüche pro Jahr aus, Versuche eingerechnet – das entspricht statistisch etwa alle sechs bis sieben Minuten einem Einbruch. Insofern kann sich ein professioneller Haussitter als wirksamer Schutz vor Einbrechern erweisen. Er sorgt dafür, dass das Haus ‚bewohnt‘ wirkt und dass abends alle Fenster verschlossen sind. Der Schutz des eigenen Eigentums rückt neben dem reinen Servicegedanken bei dieser Dienstleistung also in den Fokus. Dessen sollten sich angehende Existenzgründer im Bereich Housesitting bewusst sein.

Existenzgründung als Haussitter: selbstständig machen mit einer modernen Dienstleistung

Analyse der Ausgangslage

Wer sich beim Lesen dieses Porträts auf eine für ihn neue Welt gestoßen ist, hat damit die Ausgangslage schon gut erfasst. Denn tatsächlich ist es so, dass das Haussitting in Deutschland noch recht jung ist. In vielen anderen Teilen der Welt, vor allem in den USA, hat sich dieses Geschäftsmodell bereits etabliert. Es gibt also genügend Beispiele für die Potenziale der Existenzgründung als Haussitter. Auch wenn das Haussitting in Deutschland erst noch Fuß fassen muss, so sind die Voraussetzungen für eine Existenzgründung als sehr gut zu bezeichnen, vor allem in langfristiger Hinsicht. Noch hält sich die Konkurrenz in Grenzen und mit einer steigenden Nachfrage werden sich die Verdienstmöglichkeiten verbessern lassen. Insofern haben Existenzgründer als Pioniere jetzt noch die Chance, diesen Markt aktiv zu gestalten, was vor allem für die Preispolitik ein sehr interessanter Aspekt ist. In einigen Jahren kann sich ein festes Gefüge ergeben haben, das kaum noch individuelle Gestaltungsspielräume zulässt. Das sieht momentan noch anders aus.

Gerade in Großstädten steigt die Nachfrage

Ein Blick auf die bisherige Marktentwicklung zeigt, dass das hier vorgestellte Geschäftsmodell sich in Deutschland eher langsam ausbreitet. Das heißt aber nicht, dass es in naher Zukunft nicht zu einem immensen Wachstumsschub kommen kann. Wer bis dahin strategisch klug am Markt positioniert ist, wird unmittelbar davon profitieren können. Eine immense Wachstumschance liegt in der Bekanntheit, die hierzulande zweifellos noch ausbaufähig ist. Wer sich mit einem reichweitenstarken Marketing Mix in dieser Hinsicht breit aufstellt, kann in der Region gezielt auf das eigene Angebot aufmerksam machen. Dabei wird es auch um eine Art Aufklärungsarbeit gehen, indem die Dienstleistung an sich und ihre Mehrwerte überzeugend auf den Punkt gebracht werden. Es kann bei der Vermarktung als Haussitter nicht automatisch davon ausgegangen werden, dass potenzielle Kunden sich mit dieser Dienstleistung in allen Details auskennen.

Belastbare Analyse der Nachfrage vor Ort

Wer sich erfolgreich selbstständig als Haussitter machen möchte, muss die wirtschaftlichen Chancen am Standort konkretisieren. Der Businessplan ist der richtige Ort, um dies mit Struktur und Ganzheitlichkeit zu bewältigen. Welche Art von Immobilien sind in der Umgebung vorhanden? Handelt es sich mehrheitlich um Mietwohnungen, so könnte es mit der Nachfrage schwierig werden. Welche Kaufkraft lässt sich vor Ort nutzen? Hierzu lassen sich in der Regel belastbare Daten finden, z. B. bei der örtlichen Industrie- und Handelskammer. Darüber hinaus kann es Sinn machen, mehr über die Altersstruktur in Erfahrung zu bringen. Natürlich ist eine direkte Befragung von potenziellen Kunden sinnvoll. Auf diese Weise können schon vor Aufnahme der eigentlichen Geschäftstätigkeit Kontakte geknüpft oder idealerweise Kunden gewonnen werden. Aufgrund der Anonymität in großen Wohnsiedlungen steigt insbesondere in Städten die Nachfrage für diese Geschäftsidee. Für viele Menschen ist es eine beruhigende Vorstellung, wenn sich eine vertrauenswürdige (!) Person um die eigenen Wohnräume pflichtbewusst kümmert.

Wie viel Umsatz nötig ist, damit sich der Aufwand am gewählten Standort trägt, lässt sich vorab durchrechnen – inklusive Fahrtkosten und der Stunden, die tatsächlich abrechenbar sind.

Zielumsatz-Rechner: Welchen Umsatz brauche ich?

Ausrichtung auf die Zielgruppe mit dem Leistungsspektrum

Mit der Ausarbeitung des Leistungsspektrums als Haussitter wird ein wesentlicher Schritt unternommen, um Relevanz für die Zielgruppe herzustellen. Zu unterscheiden ist zwischen Kunden, die vor allem ihren Besitz während der Abwesenheit schützen möchten und solchen, die Haustiere und Pflanzen gut versorgt wissen wollen. Gerade für letztere Dienstleistung müssen Haussitter ein gewisses Händchen mitbringen, denn der Umgang mit fremden Tieren kann zu einer Herausforderung werden. Und natürlich wird mit Blick auf die langfristige Bindung und wünschenswerte Empfehlungen kein Kunde glücklich darüber sein, wenn nach dem Urlaub alle Blumen ruiniert sind. Die Tätigkeit muss also mit absoluter Ernsthaftigkeit und Zuverlässigkeit durchgeführt werden. Zufriedene Kunden sind die Voraussetzung, um für diese neue Dienstleistung vor allem eine wichtige Voraussetzung zu erfüllen: Vertrauen aufbauen!

Betreuung von Haustieren: Grenze im Blick behalten

Wer im Rahmen des Haussittings regelmäßig und gewerbsmäßig fremde Tiere betreut, bewegt sich schnell im Anwendungsbereich von § 11 Tierschutzgesetz. Die dort geregelte Erlaubnispflicht greift bei gewerbsmäßiger Betreuung von Wirbeltieren; die Veterinärämter legen den Umfang unterschiedlich aus. Wer die Tierversorgung nicht nur als Nebenleistung mitlaufen lässt, sollte das vor dem Start mit dem zuständigen Veterinäramt klären.

Wer die Tierbetreuung zum Schwerpunkt machen will, findet die Anforderungen im Beitrag zur Geschäftsidee selbstständig machen als Tiersitter ausführlich beschrieben.

Perspektiven: über den Tellerrand hinausschauen – Existenzgründung im Ausland

In einem anderen Bericht können Existenzgründer hier auf selbststaendig.de mehr über die Option nachlesen, den Schritt ins Ausland zu wagen. Da diese Geschäftsidee in den USA schon sehr weit verbreitet ist, könnten dort wertvolle Erfahrungen gesammelt werden. Darüber hinaus spricht Vieles dafür, mit dieser stark gefragten Geschäftsidee in den USA eine Existenzgründung zu verwirklichen, falls die persönlichen Voraussetzungen vorliegen. Perspektivisch könnten erfolgreiche Haussitter dann nach Deutschland zurückkehren und wertvolle Erfahrungswerte und Referenzen nutzen.

Die folgende Übersicht bündelt die Schritte, die vor dem ersten bezahlten Auftrag anstehen. Sie dient als Orientierungshilfe und ersetzt keine rechtliche Beratung im Einzelfall.

  • Leistungsspektrum festlegen: reine Objektbetreuung, Pflanzen, Tiere, Einkauf, Reinigung.
  • Entscheiden, ob die Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich laufen soll.
  • Aktionsradius festlegen – Anfahrtszeiten sind unbezahlte Zeit.
  • Prüfen, ob Tierbetreuung im Angebot bleiben soll (Erlaubnispflicht nach § 11 TierSchG).
  • Immobilien- und Altersstruktur im Einzugsgebiet erfassen.
  • Preise vorhandener Anbieter und Agenturen in der Region vergleichen.
  • Eigenen Stundensatz kalkulieren und gegen die nötige Auslastung rechnen.
  • Entscheiden, ob Pauschalen pro Auftrag oder Stundenabrechnung sinnvoller sind.
  • Gewerbe beim Gewerbeamt anmelden – auch im Nebenerwerb.
  • Kleinunternehmerregelung nach § 19 UStG prüfen.
  • Steuerliche Erfassung beim Finanzamt einreichen.
  • Polizeiliches Führungszeugnis beantragen.
  • Betriebs- bzw. Berufshaftpflichtversicherung abschließen – die private Haftpflicht deckt gewerbliche Tätigkeit nicht.
  • Schlüsselverlust-Deckung im Versicherungsschutz prüfen.
  • Mustervertrag für Haussitting-Aufträge erstellen.
  • Übergabeprotokoll für den Ausgangszustand vorbereiten.
  • Im eigenen Umfeld mit den ersten Aufträgen starten.
  • Regionale Homepage aufsetzen und Local-SEO-Grundlagen umsetzen.
  • Unternehmensprofil bei Google anlegen und pflegen.
  • Flyer, Presse und Aushänge vor Ort einsetzen.
  • Einnahmen und Fahrtkosten von Beginn an sauber dokumentieren.
  • Rücklagen für Steuernachzahlungen bilden.
  • Referenzen und Bewertungen systematisch einsammeln.
  • Preisliste in festen Abständen überprüfen.

Marketing und Kundengewinnung als Haussitter

Wer Fremden sein Eigentum zur Überwachung/Pflege auf Zeit überlässt, muss von dieser Person absolut überzeugt sein. In der Praxis werden Haussitter vor allem durch persönliche Empfehlungen zu neuen Kunden kommen. Es wird sich also definitiv auszahlen, als Haussitter eine exzellente und sehr serviceorientierte Leistung abzuliefern. Somit wird es möglich sein, sich über einen gewissen Zeitraum ein positives bzw. vertrauenswürdiges Image aufzubauen. Die eigene Imagepflege und ein professioneller Umgang mit Kunden werden wichtige Voraussetzungen sein, um als Haussitter an neue, lukrative Aufträge zu kommen.

Abgesehen davon gibt es die Möglichkeit, sich in Online-Verzeichnisse einzutragen oder Agenturen für die Vermittlung zu nutzen. Aber Vorsicht: Hierdurch sinken die eigene Entscheidungsfreiheit und die Verdienstmöglichkeiten deutlich.

Um überhaupt auf sich und diese moderne Dienstleistung aufmerksam zu machen, ist eine suchmaschinenoptimierte Homepage dringend zu empfehlen. Mit Maßnahmen im Local SEO Bereich kann sichergestellt werden, dass das eigene Angebot möglichst weit oben auf der Ergebnisliste auftaucht. Pressemeldungen auf Portalen im Internet oder in regionalen Zeitungen sind eine sehr effektive Möglichkeit, um das Bewusstsein für die Vorteile dieser Geschäftsidee zu stärken. Auch Flyer können sehr kosteneffektiv auf das eigene Leistungsspektrum aufmerksam machen. Ein gepflegtes Unternehmensprofil bei Google gehört mittlerweile ebenfalls zum Standard, weil viele Kunden ihre Suche genau dort beginnen.

In der Startphase wird es als Haussitter nicht ungewöhnlich sein, zunächst bei Bekannten und Freunden anzufangen, ganz so, wie es auch beim Babysitter ist. Wer einmal im Gespräch ist, wird sich durch Netzwerkeffekte schnell einen Namen machen und neue Aufträge an Land ziehen können.

Es liegt in der Natur der Sache, dass viele sehr interessierte Kunden dem Angebot skeptisch gegenüberstehen. Nicht selten kann es der Fall sein, dass Referenzen, Zeugnisse oder sonstige Qualifikationen verlangt werden. Haussitter sollten überlegen, wie sie in dieser Hinsicht aufgestellt sind bzw. was sie ihren Kunden zur Verfügung stellen können.

Voraussetzungen: Wie Haussitter werden?

Da der Beruf des Haussitters in Deutschland noch ziemlich unbekannt ist, gibt es weder eine Ausbildung noch einen rechtlichen Schutz für die Bezeichnung. Daher kann sich rein formal jeder Existenzgründer als Haussitter selbstständig machen. Letztlich kann die Existenzgründung aber nur von Erfolg gekrönt sein, wenn belastbare Erfahrungswerte und notwendige Fachkenntnisse vorhanden sind (etwa mit Blick auf Haustiere, die Bedienung der Haustechnik und die Pflege von Pflanzen).

Ein Gewerbe ist vor Aufnahme der Tätigkeit anzumelden, auch wenn es sich ‚nur‘ um eine Nebentätigkeit handelt. Haussitting ist eine gewerbliche Dienstleistung und fällt nicht unter die freien Berufe des § 18 EStG. Was dabei auf Gründer zukommt, lässt sich vorab strukturiert durchgehen.

Gewerbeanmeldungs-Plan: persönliche Checkliste erstellen

In diesem Kontext kann zudem die Kleinunternehmerregelung geprüft werden. Sie greift, wenn der Umsatz im Vorjahr 25.000 Euro netto nicht überstiegen hat und im laufenden Jahr voraussichtlich unter 100.000 Euro netto bleibt. Wer sie nutzt, weist auf seinen Rechnungen keine Umsatzsteuer aus – kann im Gegenzug aber auch keine Vorsteuer aus eigenen Anschaffungen ziehen.

Kleinunternehmer-Rechner: Lohnt sich § 19 UStG für mich?

Rahmenbedingungen vertraglich fixieren

Vor der Übernahme des Haussittings sollte ein Gespräch stattfinden, in dem alle Aufgaben geklärt und etwaige Besonderheiten herauszustellen sind. Zudem ist der Versicherungsschutz in beidseitigem Interesse zu klären: Ist ein ausreichender Versicherungsschutz vorhanden, falls es zu Beschädigungen am Inventar kommt? Eine private Haftpflichtversicherung reicht für eine gewerbliche Tätigkeit nicht aus. Daher muss nach einer passenden Berufs- bzw. Betriebshaftpflichtversicherung gesucht werden. Nicht wenige Kunden werden großen Wert darauf legen, dass ein ausreichender Schutz vorhanden ist.

Schlüsselverlust nicht vergessen

Haussitter bekommen praktisch immer fremde Schlüssel ausgehändigt. Geht ein Schlüssel verloren, der zu einer Schließanlage gehört, kann deren Austausch schnell einen fünfstelligen Betrag kosten. Die Schlüsselverlust-Deckung für fremde Schlüssel ist in Betriebshaftpflichtpolicen nicht automatisch enthalten – sie muss ausdrücklich eingeschlossen und mit einer ausreichenden Summe versehen werden.

Ein sehr heikles und mitunter vertrauenszerstörendes Thema ist Diebstahl. Vorwürfe in dieser Hinsicht können sehr schnell ein extrem schlechtes Licht auf den Haussitter werfen, zumal sich so etwas durch das Internet wie ein Lauffeuer verbreiten kann. Daher ist zu prüfen, inwiefern ein Vertrag über die Haussitting-Dienstleistungen zu schließen ist. Darin sollten Umfang der Tätigkeit und Vergütung festgeschrieben werden. Es kann auch eine Art Inventar erstellt werden, in welchem der Ausgangszustand dokumentiert wird. Existenzgründer sollten sich sehr gründlich überlegen, wie dies in der Praxis am besten umzusetzen ist. Letztlich wird ein Haussitter davon profitieren können, steht eine solche Vorgehensweise doch für Professionalität. Und letztlich können beide Seiten sichergehen, dass etwaige Ansprüche sich aus einer objektiv erfassten Ausgangslage herleiten lassen müssen.

Im Sinne des bereits mehrfach angesprochenen Vertrauens dürfte ein einwandfreies Führungszeugnis eine faktische Voraussetzung sein, um sich als Haussitter selbstständig zu machen. Da es sich um eine neue Geschäftsidee handelt, liegen keine nennenswerten Erfahrungswerte rund um die erforderliche Gewerbeanmeldung vor. Da aber das Leistungsspektrum zu schildern ist, sind Nachfragen zur persönlichen Eignung wahrscheinlich. Als Referenz können die Voraussetzungen für den Objektschutz (Überwachungsdienste) herangezogen werden, da sich gewisse Schnittmengen ergeben.

Abgrenzung zum Bewachungsgewerbe

Solange ein Haussitter Blumen gießt, den Briefkasten leert und nach dem Rechten sieht, bleibt es bei der einfachen Gewerbeanmeldung. Wer dagegen Bewachungsleistungen im Sinne von § 34a GewO anbietet – also gewerbsmäßig fremdes Eigentum bewacht –, braucht dafür eine gesonderte Erlaubnis samt Sachkundenachweis bei der IHK. Die Grenze verläuft am Leistungsversprechen: „Ich schaue regelmäßig nach dem Haus“ ist etwas anderes als „Ich bewache Ihr Objekt“. Wer mit Sicherheitsleistungen wirbt, sollte diese Abgrenzung vorher mit dem Gewerbeamt klären.

Preiskalkulation: Was zahlen Kunden für Haussitting?

Um das eigene Angebot strategisch geschickt zu platzieren, sollten die Preise der Konkurrenz analysiert werden. Was ist als (orts)üblich anzusehen? Falls höhere Preise im Vergleich zur Konkurrenz durchgesetzt werden sollen, muss dies durch einen Mehrwert gerechtfertigt sein. Spezielle Fachkenntnisse können dabei sehr hilfreich sein. Generell ist es üblich, einen Stundensatz anzusetzen, der in der Regel zwischen 20 und 30 Euro liegen wird. Im Hinblick auf einen möglichst hohen Verdienst sollten Haussitter sehr genau wissen, wie viele Tätigkeiten sie in welcher Zeitspanne in überzeugender Qualität erledigen können. Garten bewässern, Lüften, Tiere füttern und ggf. ausführen wird sich in einer Stunde kaum realisieren lassen.

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    Verdienst als selbstständiger Haussitter

    Mit dieser Tätigkeit wird sich ein attraktives (Neben)einkommen erzielen lassen. Reich werden Existenzgründer damit aber wohl nicht. Es sei denn, der noch junge Markt wird in der Hinsicht genutzt, ein eigenes ‚Imperium‘ aufzubauen. Aus den oben genannten üblichen Preisen pro Stunde lassen sich bei einer angenommenen Auslastung die Einnahmen pro Monat hochrechnen. Wer es schafft, jeden Tag mehrere Stunden als Haussitter abrechnen zu können, wird von dem Verdienst leben können. Geht man von 4 Stunden pro Tag à 25 Euro aus, entspricht dies 100 Euro. Gelingt dies an 25 Tagen im Monat, läge der Bruttoumsatz bei 2.500 Euro. Davon gehen allerdings noch Fahrtkosten, Versicherungen, Steuern und die Beiträge zur Krankenversicherung ab – der tatsächliche Gewinn liegt also deutlich darunter.

    Mit der Auslastung steht und fällt der Verdienst als Haussitter, zumal sich die Kosten in Grenzen halten. Am stärksten fallen noch die Anfahrtskosten ins Gewicht, wodurch ein zu großer Aktionsradius nicht wirklich wirtschaftlich ist. Ein Blick auf das Angebot etablierter Haussitter zeigt, dass eine Kilometerpauschale zuzüglich zum vereinbarten Stundenpreis nicht üblich ist. Je nach Standort, Zielgruppe und Leistungsspektrum sind auch Stundenpreise in Richtung 50 Euro sicher keine Utopie. Wer keine unmittelbare Konkurrenz hat, wird es leichter haben, höhere Preise durchzusetzen.

    Weil im Haussitting keine Lohnsteuer einbehalten wird, kommt die Steuerlast gesammelt mit dem Bescheid – und ab dem zweiten Jahr zusätzlich als Vorauszahlung. Wer von Beginn an einen festen Anteil jeder Einnahme zurücklegt, gerät hier nicht in Bedrängnis.

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    Tücken und häufige Fehler beim Haussitting

    Die Geschäftsidee wirkt einfach – genau darin liegt ihr Risiko. Die folgenden Punkte kosten Gründer in der Praxis am häufigsten Geld oder Kunden:

    • Fahrtzeiten werden nicht eingepreist. Vier Kunden an einem Tag in vier Ortsteilen bedeuten schnell zwei unbezahlte Stunden. Der Aktionsradius entscheidet über die Wirtschaftlichkeit.
    • Gewerbeanmeldung wird als Nebenerwerb für verzichtbar gehalten. Die Anmeldepflicht hängt nicht am Umfang, sondern an der Gewinnerzielungsabsicht.
    • Nur die private Haftpflicht im Rücken. Sie leistet bei gewerblicher Tätigkeit nicht – ein einziger Wasserschaden kann die Existenz kosten.
    • Kein Übergabeprotokoll. Ohne dokumentierten Ausgangszustand steht bei jedem Streit über einen Kratzer oder ein fehlendes Teil Aussage gegen Aussage.
    • Tierversorgung wird nebenbei mitgenommen. Sobald sie zum regelmäßigen Bestandteil wird, kann die Erlaubnispflicht nach § 11 TierSchG greifen.
    • Zu viele Aufgaben in eine Stunde gepackt. Wer sich verkalkuliert, arbeitet entweder unbezahlt länger oder liefert schlechte Qualität – beides schadet dem Empfehlungsgeschäft.
    • Preis als einziges Verkaufsargument. Bei einer Vertrauensdienstleistung gewinnt selten der Günstigste, sondern der Glaubwürdigste.

    Trends: Wohin sich das Haussitting entwickelt

    Mehrere Entwicklungen spielen dieser Geschäftsidee mittelfristig in die Hände. Die Zahl der Ein- und Zweipersonenhaushalte wächst, gleichzeitig leben Familienangehörige immer seltener in erreichbarer Nähe – das klassische „die Nachbarin macht das schon“ funktioniert in vielen Wohnlagen nicht mehr. Zugleich hat die Verbreitung von Smart-Home-Technik den Bedarf nicht ersetzt: Kameras und Zeitschaltuhren gießen keine Blumen und nehmen keine Pakete an. Sie verändern aber die Erwartung an den Haussitter, der zunehmend auch mit vernetzter Haustechnik umgehen können muss.

    Hinzu kommen längere und häufigere Abwesenheiten durch flexibles und ortsunabhängiges Arbeiten. Wer mehrere Wochen am Stück nicht zu Hause ist, braucht mehr als eine Urlaubsvertretung für den Briefkasten. Genau in dieser Lücke – zwischen Nachbarschaftshilfe und professionellem Objektschutz – liegt der Markt für Haussitter.

    Fazit: eine etwas andere Geschäftsidee

    Ob für den Haupterwerb oder ein attraktives Nebeneinkommen: Die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Haussitter‘ eröffnet interessante und sehr flexible Perspektiven, da die Marktstrukturen noch nicht festgefahren sind. Auch für die rüstige Generation 65+ handelt es sich um eine sehr attraktive Verdienstoption. Wer die Rente aufbessern will oder sich noch nicht ganz zur Ruhe setzen will, kann als Haussitter wertvolle Dienstleistungen erbringen. Ältere Selbstständige dürften im Haussitting-Bereich einen gewissen Vertrauensvorsprung genießen, den sich jüngere Menschen erst noch erarbeiten müssen. Insofern handelt es sich um eine sehr moderne Geschäftsidee, die nicht nur junge Gründer ansprechen sollte. Und durch die Möglichkeit, im Ausland als Haussitter zu arbeiten, ergeben sich chancenreiche Aussichten für einen kompletten beruflichen Neustart, sofern dieser erwünscht ist.

    Zusammenfassung für die Geschäftsidee ‚selbstständig machen als Haussitter‘

    • Es handelt sich um eine neue Geschäftsidee, die in Deutschland noch nicht stark verbreitet/bekannt ist
    • Darin liegt eine große Chance, mit dem Markt zu wachsen und die Bedingungen vor Ort aktiv für maximale Wirtschaftlichkeit zu gestalten
    • Beim Marketing muss es darum gehen, die Vorzüge dieser noch jungen Geschäftsidee in den Fokus zu stellen und ein Bewusstsein für diese Option überhaupt zu schaffen
    • Da diese Dienstleistung im Wesentlichen auf Vertrauen basiert, sind persönliche Weiterempfehlungen für einen wachsenden Kundenstamm unverzichtbar
    • Neben Erfahrungen und Fachwissen ist ein einwandfreies polizeiliches Führungszeugnis unabdingbar, um gegenüber Kunden als vertrauenswürdig und zuverlässig zu gelten
    • Ein Gewerbe ist auch im Nebenerwerb anzumelden; eine Betriebshaftpflicht mit Schlüsselverlust-Deckung gehört zur Grundausstattung
    • Verdienst als Haussitter: Üblich sind Stundenlöhne zwischen 20 und 30 Euro. Je nach Region und Leistungsspektrum können Haussitter mit Blick auf zugkräftige Mehrwerte aber auch 50 Euro anvisieren
    • Diese Geschäftsidee spricht auch ältere Gründer an, die sich nochmal beweisen wollen bzw. auch im höheren Alter noch voller Tatendrang sind

     

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