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Selbstständigkeit planen

Planung

Im letzten Jahr haben in Deutschland rund 915.000 Menschen den Sprung in die Selbstständigkeit gewagt. Das ergibt sich aus dem KfW-Gründungsmonitor 2015. Die Tätigkeit als Unternehmer oder Freiberufler ist offenbar nach wie vor attraktiv. Die Möglichkeit eigene Ideen zu verwirklichen, eigenverantwortlich, selbstbestimmt und ohne Chef arbeiten zu können, ist für viele ebenso reizvoll wie ungeschmälert von den Ergebnissen der eigenen Arbeit zu profitieren.

Jede Existenzgründung stellt zweifelsohne auch ein Wagnis dar. Oft stehen am Anfang nicht unerhebliche Investitionen, der Erfolg ist keineswegs garantiert. Wenn Sie sich mit dem Gedanken an eine Selbstständigkeit tragen, sollten Sie sich darüber im Klaren sein. Sie können aber einiges dafür tun, dass Ihre Existenzgründung tatsächlich gelingt - mit einer systematischen Planung und Vorbereitung. Viele Vorhaben scheitern unnötigerweise daran, dass mehr improvisiert als durchdacht gehandelt wird. Wir zeigen Ihnen hier in zehn Schritten, wie Sie am besten bei der Verwirklichung Ihrer Geschäftsidee vorgehen sollten.
 

1. Die Geschäftsidee und Ihre Entscheidung für die Selbstständigkeit

Am Anfang jeder Existenzgründung steht die Geschäftsidee - das Produkt oder die Leistung, worauf Sie Ihre Selbstständigkeit aufbauen wollen. Viele Gründer bringen ihre Geschäftsidee schon aus vorherigen beruflichen Tätigkeiten mit. Zwingend ist das aber nicht. Ihre Idee sollte in gewisser Weise einzigartig sein und Kunden einen spürbaren Mehrwert gegenüber der Konkurrenz bieten. Sonst gibt es kein Argument, ausgerechnet Ihr Angebot in Anspruch zu nehmen. In der Fachsprache heißt das, Sie sollten eine Unique Selling Proposition (USP) - ein Alleinstellungsmerkmal - besitzen. Doch das allein genügt nicht. Sie sollten sich auf jeden Fall sicher sein, dass die Selbstständigkeit etwas für Sie ist. Sie müssen wagemutig, belastbar und stark engagiert sein. Geregelte Arbeitszeiten dürfen Sie nicht erwarten, dafür müssen Sie gerade am Anfang mit längeren Durststrecken rechnen, ehe sich der Erfolg einstellt. Manchmal besteht die Möglichkeit, die Selbstständigkeit zunächst im Nebenerwerb anzugehen - also quasi erst einmal auszuprobieren. Das reduziert das Risiko des Scheiterns und verleitet Sie auch zu einer gewissen Gelassenheit, die Freiraum für das bewusste Eingehen von Risiken und Chancen bietet.
 

2. Beratung und Information vor, während und nach der Gründung nutzen

Eine Existenzgründung ist ein Vorhaben, bei dem vielfältige Aspekte zu berücksichtigen sind. Nur die wenigsten Gründer kennen sich in allen relevanten Bereichen aus. Deshalb ist es gerade in der Startphase wichtig, externe Hilfe in Form von Beratung und Information zu nutzen. Industrie- und Handelskammern, Handwerkskammern, Gründungsinitiativen oder kommunale Wirtschaftsfördereinrichtungen bieten oft kostenlose Unterstützung - vor allem, wenn es um eine breite Info-Basis im Vorfeld einer Gründung geht. Daneben gibt es auch gewerbliche Existenzgründungsberatung gegen Entgelt, die auf konkrete Unternehmensaufgaben zugeschnitten ist. Unter bestimmten Bedingungen ist hier sogar öffentliche Förderung möglich, die einen Teil der Kosten übernimmt.
 

3. Der Business-Plan - das Konzept für Ihre Selbstständigkeit

Eine Geschäftsidee zu haben alleine reicht nicht. Sie müssen auch wissen, wie Sie sie in die Tat umsetzen wollen. Dazu dient der Businessplan. Er gibt die Antwort auf alle wichtigen Fragen, die sich im Zusammenhang mit Ihrer Selbstständigkeit stellen. Neben der Beschreibung Ihres konkreten Angebotes analysieren Sie hier Ihren Markt, behandeln Rechtsform und Organisation Ihres Unternehmens, setzen sich - auch über entsprechende Planungs- und Kalkulationsrechnungen - mit der Finanzierung und den Erfolgsaussichten auseinander, beschäftigen sich mit dem Standort und vieles mehr. Je umfangreicher Ihr Vorhaben ist, umso ausgefeilter und detaillierter sollte auch der Businessplan sein. Er dient Ihnen nicht nur als eine Art Leitfaden oder Checkliste, sondern ist auch für externe Kapitalgeber - Banken, Förderinstitute, Investoren - die entscheidende Unterlage, um die Solidität und Tragfähigkeit Ihrer Selbstständigkeit beurteilen zu können. Besondere Sorgfalt ist daher angebracht.
 

4. Schaffen Sie eine solide und sichere finanzielle Basis

Bei den meisten Existenzgründungen stehen Investitionen am Anfang, ehe Umsätze und Erträge erwirtschaftet werden. Dafür benötigen Sie eine ausreichende Finanzierungsbasis. Neben Kapital, das Sie selbst in Ihre Firma einbringen, kommen vor allem Bankkredite und öffentliche Fördermittel für die Finanzierung in Betracht. Öffentliche Förderprogramme für Gründer gibt es viele. Das Spektrum der Förderung reicht von Zuschüssen über günstige Kredite bis hin zu Finanzierungsmitteln mit Eigenkapitalcharakter. Ausgangspunkt Ihrer Finanzierung sollte eine solide Investitions- und Kapitalbedarfsplanung sein, die auch Bestandteil Ihres Business Plans ist. Denken Sie auch an die Absicherung gegen finanzielle Risiken - sowohl für sich selbst als auch für Ihre Firma. Als Selbstständiger sind Sie zum Beispiel für Ihre Krankenversicherung und Altersvorsorge selbst verantwortlich. Im Zusammenhang mit Ihrer gewerblichen Tätigkeit ist ebenfalls vielfältiger Versicherungsbedarf gegeben.
 

5. Wichtige Punkte klären: Firmenname, Markenschutz, Web-Domain

Überlegen Sie sich einen passenden Namen für Ihr Unternehmen und am besten gleich ein Logo dazu. Sichern Sie sich auch rechtzeitig eine entsprechende Domain für Ihren Internet-Auftritt. Ohne den kommt heute praktisch kein Selbstständiger aus. Vergessen Sie überdies nicht, sich gewerbliche Schutzrechte auf Erfindungen, Marken, Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster usw. eintragen zu lassen. Das hält Ihnen unerwünschte Nachahmer fern. In diesem Zusammenhang sollten Sie auch prüfen, ob Sie mit Ihrem Angebot oder der Namenswahl nicht Rechte anderer verletzen. Vermeiden Sie von Anfang an mögliche rechtliche Konflikte. Sie führen nur zu Ärger und möglichen finanziellen Schäden.
 

6. Erforderliche Genehmigungen und Zulassungen einholen

Bei vielen selbstständigen Tätigkeiten sind besondere Genehmigungen und Zulassungen erforderlich. Handwerker müssen eine Meisterprüfung nachweisen, bei vielen freiberuflichen Tätigkeiten ist eine spezifische Qualifikation vorgeschrieben. Manche gewerbliche Tätigkeiten setzen eine ausdrückliche Erlaubnis des Gewerbeamtes voraus. Eventuell sind auch besondere Unbedenklichkeitsbescheinigungen einzuholen, zum Beispiel bei gastronomischen Betrieben oder im Lebensmittelhandel vom Gesundheitsamt. Am besten Sie informieren sich im Vorfeld Ihrer Selbstständigkeit - Schritt 2 -, welche Zulassungen und Genehmigungen Sie benötigen, wer sie ausstellt und welche Anforderungen dabei zu erfüllen sind. Das erleichtert die Erledigung dieses Schritts.
 

7. Geben Sie Ihrem Unternehmen einen vertraglichen Rahmen

Ohne rechtlichen Rahmen kann kein Unternehmen existieren - ob es um den Gesellschaftsvertrag, Arbeitsverträge mit Mitarbeitern oder vertragliche Vereinbarungen mit Kunden oder Lieferanten geht. Für vieles gibt es inzwischen Muster und Vorlagen im Internet. Die sollten Sie aber nicht unkritisch einfach übernehmen. Ohne Hilfe eines Rechtsanwalts und einen Notar geht es oft nicht, wenn die Rechtsform und die Rechtsverhältnisse von Gesellschaftern zu definieren sind. Einzelunternehmen und Personengesellschaften lassen sich vergleichsweise einfach gründen, bei Kapitalgesellschaften sind mehr Formalitäten zu beachten. Die Rechtsformwahl ist eine der konstitutiven Unternehmensentscheidungen und sollte gut überlegt sein.
 

8. Anmeldungen bei Behörden und Kammern

Für Selbstständige gelten eine Reihe an Anmeldepflichten, die zum Teil von Art und Umfang der Tätigkeit abhängig sind.

- Betreiben Sie ein Gewerbe, ist eine Gewerbeanmeldung beim Gewerbeamt nötig; - Handelsunternehmen müssen im Handelsregister eingetragen werden; - beim Finanzamt ist ein Fragebogen zur steuerlichen Erfassung zu beantworten; - beschäftigen Sie Mitarbeiter, benötigen Sie eine Betriebsnummer der Agentur für Arbeit. Außerdem sind Beschäftigte der zuständigen Krankenkasse zu melden; - als Gewerbetreibender müssen Sie Mitglied in der örtlichen IHK werden, als Handwerker in der Handwerkskammer und bei einigen freien Berufen in der jeweils zuständigen Standeskammer; - Sie müssen sich bei der zuständigen Berufsgenossenschaft anmelden.
 

9. Wählen Sie Ihren Standort

Bei vielen Unternehmen ist der Standort ein Schlüsselfaktor. Denn er entscheidet unter anderem über die Wahrnehmung Ihres Angebots und die Kundenerreichbarkeit. Bei anderen Existenzgründungen spielt er dagegen eher eine nachgeordnete Rolle. Ist es für Ihren Geschäftserfolg maßgeblich, wo Sie sich ansiedeln, sollten Sie sich intensiv damit auseinandersetzen und die in Frage kommenden Standort-Alternativen sorgfältig auf der Grundlage eines Kriterien-Kataloges prüfen.
 

10. Erschließen Sie Ihren Markt

Wenn Sie alle vorbereitenden Aktivitäten erledigt haben, können Sie daran gehen, Kunden zu gewinnen. Ein Marketing-Konzept sollte sich bereits in Ihrem Business Plan finden. Dabei handelt es sich darum, wie Sie das Marketing-Mix-Instrumentarium am besten für Ihre Zwecke nutzen. Auf dieser Basis können Sie jetzt Werbemaßnahmen angehen, Werbematerialien entwickeln und einsetzen, Messeauftritte realisieren, PR-Aktionen durchführen usw.

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